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Zeitenwende : Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2022, Heft 01/02

معرفی کتاب «Zeitenwende : Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2022, Heft 01/02» نوشتهٔ Helge Heidemeyer، Miriam Schader، Antonia Heinrich، Marcel Berlinghoff، Kelly M Greenhill، Olaf Beuchling، Birgit Ammann، Patrice G Poutrus، Sandra Gruner-Domic، Carlos Sanz، Keith R Allen، Peter Gatrell، Julia Schulze Wessel، Ulrike Krause، Ursula Münch، Jochen Oltmer، Agnes Bresselau von Bressensdorf، Vandenhoeck & Ruprecht، Michael Schwartz، Benjamin Schraven و Tobias Hof، منتشرشده توسط نشر Vandenhoeck & Ruprecht. ein Imprint der Brill Deutschland GmbH در سال 2022. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

Beiträge zur Migrationsforschung ## EDITORIAL Ξ Volker Best / Katharina Rahlf »Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht«, kommentierte Außenministerin Annalena Baerbock bereits wenige Stunden, nachdem der russische Präsident Vladimir Putin am 24. Februar 2022 seinen Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet hatte. Berühmter wurde eine ähnliche Formel aus der Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz bei der drei Tage später anberaumten ersten sonntäglichen Sondersitzung des Bundestags überhaupt: »Wir erleben eine ›Zeitenwende‹. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.« Doch was änderte sich tatsächlich, was blieb indes gleich? Und ist die Rede von der Zeitenwende in Abwägung der Wandlungen und Kontinuitäten überhaupt berechtigt? Oder droht dieser Begriff schon jetzt zu einem zwar populären, aber wenig gehaltvollen Schlagwort zu werden, das als Überraschung verpackt, was doch eigentlich hätte vorausgesehen werden können, gar müssen? Dies zu eruieren, möchte die neue Ausgabe der INDES versuchen. In guter INDES-Tradition beginnt das Heft gewissermaßen mit einem Widerspruch: Die Scholz'sche Zeitenwende ist demnach gar kein fundamentaler Strukturbruch, die wesentlich wichtigeren Verschiebungen, die »eigentlichen Zeitenwenden« finden anderswo statt, spielen sich subtiler ab. Sodann widmen wir uns den einschneidenden Ereignissen, die 2022 unzweifelhaft -ob man sie nun als Zeitenwende tituliert oder nicht -prägen. Wie wirken sie sich auf internationaler Ebene aus, was bedeuten sie für das Verhältnis zu Russland, was implizieren sie für das Verhältnis zu den USA und zu China, wie übersetzen sie sich etwa in Nordeuropa, wie wirken sie sich auf das europäische Asylsystem aus? Was bedeuten die gegenwärtigen Entwicklungen in und für Deutschland, für unsere Außen-und Sicherheitspolitik, für unsere Energie-und Klimapolitik, für die neue Ampel-Regierung, für die Seelenlage der Bevölkerung? Wie reagiert die sogenannte Kriegsgeneration auf Szenen von Flucht und Vertreibung, welche (kollektiven) Traumata werden möglicherweise reaktiviert? Welche Heldenbilder entstehen in unseren Köpfen? Am einschneidendsten ist die Zäsur fraglos in der Ukraine. Die Fernsehbilder zerschossener Städte, beschossener Soldaten, erschossener Zivilisten sind leider allzu bekannt. Sie schmerzen noch immer, aber sie schmerzen EDITORIAL immer weniger -und gerade das schmerzt. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis -Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. Als Quartalsschrift können wir mit den täglichen Frontverschiebungen naturgemäß nicht Schritt halten, aber vielleicht Schlaglichter auf bislang unterbeleuchtete Aspekte werfen: die Dimension des Cyberkriegs, den politischen Zustand des Landes vor dem Krieg, unter einem Präsidenten, der einen solchen zuvor im Fernsehen mimte. Wenn es um Zeitenwenden geht, gilt es überdies auch lange Linien zu ziehen. So fragen wir danach, in welchem Verhältnis die Zeitenwende des Jahres 2022 steht zum Ende des Kalten Kriegs und zum Zusammenbruch der EDITORIAL Sowjetunion, die Putin nun in neuer Form wiedererstehen zu lassen entschieden scheint. Wir fragen, welche der aktuellen Entwicklungen schon in den Jahren 1989-1992 ihren Anfang nahmen und inwiefern sich die gegenwärtige Zeitenwende von der damaligen Wendezeit unterscheidet. Wir fragen danach, in welches Licht nun nachträglich die Ära Merkel getaucht wird, in der die Wehrpflicht ausgesetzt und die Abhängigkeit von russischem Gas vergrößert wurde. Wir fragen danach, inwiefern Willy Brandts neue Ostpolitik den Blick der deutschen Sozialdemokratie auf Russland verklärt hat. Und wir lassen die parlamentarische Wende Revue passieren, die diese neue Ostpolitik erst ermöglichte -das (gescheiterte) konstruktive Misstrauensvotum gegen Willy Brandt 1972, ebenso wie das erfolgreiche Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt zehn Jahre später, die sogenannte Bonner Wende. Wir blicken gar zurück ins 14. Jahrhundert, als Dante die Göttliche Komödie schrieb und in diesem Monumentalwerk persönliches Leid und Schicksal der Menschheit verknüpfte, gewissermaßen eine Zeitenwende literarisch verarbeitete. Monumentale Umbrüche drohen immer auch, alle anderen, kleineren, aber keineswegs unbedeutenden politischen und gesellschaftlichen Marksteine gewissermaßen zu verschütten. Und natürlich gibt es nicht nur die eine Zeitenwende -auch wenn sie gerade in aller Munde ist. Einige solcher übersehenen Zeitenwenden versuchen wir in diesem Heft wieder freizulegen, und betrachten somit auch aktuelle Veränderungen im französischen Parteiensystem, die Lage im Post-Johnson-Großbritannien und den Zustand der deutschen Linkspartei. Ob 2022 nun als das »Jahr der Zeitenwende« in die Geschichte eingehen wird, dass wagen wir nicht zu prophezeien. Für INDES allerdings trifft es in gewisser Hinsicht zu: Mit dem vorliegenden Doppelheft beginnt zumindest für uns eine neue Ära, mit neu-alter Redaktion, an neuem Erscheinungsort, unter neuem Herausgeber. Wir freuen uns, dass I NDES fortbesteht, und hoffen, unseren Leser:innen geht es ebenso. Globale Migrations- und Fluchtbewegungen prägen gegenwärtig politische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten. Bildete Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs eine der größten flüchtlingsgenerierenden Regionen, steht es heute vor allem als Ziel weltweiter Migration im Fokus. Der Sammelband bietet auf aktuellem Forschungsstand ein breites Panorama an zeithistorischen, politik- und sozialwissenschaftlichen Beiträgen. Sie diskutieren kontroverse Begriffe wie »Arbeits- und Wirtschaftsmigration«, »Zwangsmigration« und »politische Flucht«, analysieren Netzwerke, Infrastrukturen und Akteure verschiedener Migrationsregime und fragen nach Konzepten und Praktiken politischer Steuerung. Mit Fallbeispielen zu Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, zu Afrika, Asien und dem Nahen Osten vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart leistet der Band einen fundierten und facettenreichen Beitrag zu einem hochaktuellen Forschungsfeld. Als sich 2016 die knappe Mehrheit der Briten in einem Volksentscheid für den Austritt aus der EU entschied, schüttelten nicht nur die Bürger der europäischen Nachbarländer den Kopf. Warum glaubte eine Nation im Zeitalter der internationalen Verflechtungen ihrer Wirtschaft und Politik, im Alleingang durch Erlangung nationaler Souveränität einen erneuten Aufstieg in den Kreis der Großmächte erreichen zu können? Volker Berghahn stellt den Brexit in eine langfristige historische Entwicklung, ohne die die Traditionen und Emotionen, die in der heftig geführten Debatte der letzten vier Jahren an die Oberfläche kamen, nicht zu verstehen sind. Er zeigt, dass die Wurzeln des Brexit in den beiden von Deutschland ausgelösten Weltkriegen und des dadurch verursachten wirtschaftlichen und politischen Niedergangs Großbritanniens im 20. Jahrhundert liegen. Zwischen 2016 und 2020 stand der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) fast täglich in den Schlagzeilen der deutschen Medien. Indessen war das Brexit-Drama mit Emotionen und Erinnerungen verbunden, die im Lande in heftigen Debatten an die Oberfläche kamen. Volker Berghahn stellt den Brexit in eine langfristige historische Entwicklung. Er zeigt, dass dessen Wurzeln in den beiden von Deutschland ausgelösten Weltkriegen und des dadurch verursachten wirtschaftlichen und politischen Niedergangs Großbritanniens im 20. Jahrhundert liegen. War der Brexit also der Versuch, abseits der EU die verlorene Weltstellung im 21. Jahrhundert zurückzugewinnen? „Wir erleben eine ‚Zeitenwende‘" – so die Diagnose von Bundeskanzler Olaf Scholz in Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, nach dem die Welt nicht mehr dieselbe sei wie davor. Heft 1-2/2022 der INDES fragt nach dem Ausmaß der Veränderungen und den Auswirkungen dieser postulierten Zäsur etwa auf die Friedensbewegung oder die Migrationspolitik; es geht um neue Heldenbilder und kollektive Traumata. Zudem richtet sich der Blick auf andere, von der Ukraine-Krise gegenwärtig verdeckte sowie vergangene gesellschaftliche, politische und kulturelle Umbrüche Das Buch bietet eine detaillierte Analyse der historische Wurzeln des Brexit-Dramas in den Weltkriegen und des dadurch verursachten wirtschaftlichen und politischen Niedergangs Großbritanniens im 20. Jahrhundert Der Brexit war auch der Versuch Großbritanniens, abseits der EU die verlorene Weltstellung im 21. Jahrhundert zurückzugewinnen
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