وبلاگ بلیان

Werkzeug Sprache in Therapie, Beratung und Supervision : Das Grundlagenbuch

معرفی کتاب «Werkzeug Sprache in Therapie, Beratung und Supervision : Das Grundlagenbuch» نوشتهٔ Lieb, Hans، منتشرشده توسط نشر Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Company KG در سال 2020. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

## Vorbemerkung Die Darstellung allgemeiner und spezifischer Regeln zum Werkzeug Sprache ist für sich allein genommen kein hinreichender therapeutischer Ansatz. Sprachkompetenz ist ein entscheidender Teil therapeutisch-beraterisch-supervisorischer Fertigkeiten, allein aber noch keine umfassende therapeutische Kompetenz. Umgekehrt gilt aber auch: Ohne Sprachkompetenz bleiben sonstige therapeutische und beraterische Fähigkeiten wirkungslos. Es gibt nur wenig therapeutische Interventionen, die nicht sprachlich verfasst und transportiert werden müssen, und ein genaues Hinhören auf das, was Klienten und Klientinnen berichten, ist für jede Therapieschule unerlässlich. Dieses Buch richtet sich primär an drei Professionen: Therapeuten, Beraterinnen und Supervisoren. Sie gehören zu den Sprechberufen. Zuhören und Reden ist ihre primäre Tätigkeit. Vieles, was in diesem Buch präsentiert wird, gilt auch für andere Sprechberufe -Lehrer, Seelsorgerinnen, Anwälte, Ärztinnen usw. Ich spreche diese drei Professionen in diesem Buch immer wieder direkt oder indirekt an. Auch wenn manchmal nur eine genannt wird, sind immer alle gemeint. Ebenso wird mal die männliche, mal die weibliche Form verwendet, jede Nennung aber schließt beide Geschlechter ein. ## Grundlagenbuch und Arbeitsbuch Will man das Thema »Sprache in Therapie, Beratung und Supervision« fundiert angehen, sollte man das zweifach tun: mit wissenschaftlicher Theorie und mit sprachbezogener Praxis. Das eine ergibt sich dabei nicht von selbst aus dem anderen. Nach Kant ist Praxis ohne Theorie blind und Theorie ohne Praxis leer (Kant, 1787, Band 2, S. 101). Sich nach beidem auszurichten, gilt aber nicht für jeden. Manche bevorzugen die Theorie und andere wiederum praktische Tools und Tipps. Mein Ziel, allen drei Gruppen gerecht zu werden -den Theoretikern, den Praktikern und jenen, die die Verbindung beider Seiten interessieren -, führte zu dem Ergebnis, zu diesem Thema ein Grundlagenbuch und ein Arbeitsbuch zu schreiben. Das vorliegende Grundlagenbuch stellt die sprachlichen und sprachphilosophischen Hintergründe dar, integriert viele pragmatische Hinweise mit Fallbeispielen und gibt schließlich in den praktischen Kapiteln explizite Tipps, wie das Ganze umgesetzt werden kann. Im Arbeitsbuch liegt der Schwerpunkt ganz auf der Praxis mit konkreten An regungen, Hinweisen und expliziten Übungen sowohl zum konkreten Sprechen und Hören als auch zur metaperspektivischen Beobachtung von Gesprächen in Therapie, Beratung und Supervision. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen und genutzt werden. 1 Einleitung 1.1 Meine persönlichen Erfahrungen zum Thema Sprache in Therapie und Supervision Ich habe oft die Rückmeldung bekommen, ich käme schnell auf den Punkt. Gemeint ist, dass Dinge rasch klar angesprochen werden. Das hat wesentlich mit einer Sprachsensibilität zu tun, die ich mir für das Hören und Sprechen im Verlauf meines beruflichen Lebens erworben habe. Oft ist in einigen zentralen Sätzen einer Klientin oder eines Supervisanden alles enthalten, was für Veränderungsprozesse wesentlich ist. Man muss es nur hören und dann darauf bezogen spezifische Fragen stellen. Man kann an der von Klienten gesprochenen Sprache ansetzen und so bald auf den Punkt kommen. Jeder Therapeut, Berater und Supervisor hat seinen eigenen Sprachstil, seine Sprachsensibilität und seine spezifischen Hör-und Redegewohnheiten entwickelt. Ich habe in der Verhaltenstherapie gelernt, was man die individuelle Konkretisierung oder Operationalisierung von Konstrukten wie Selbstsicherheit nennt. In der Gesprächspsychotherapie habe ich gelernt, von den Äußerungen meiner Klientinnen auf ihr emotionales Innenleben zu schließen und das zu artikulieren, und in der Systemtherapie, dass Sprache die Welt nicht abbildet, sondern erzeugt, und dass es einengende und öffnende Sprachspiele gibt. Von meiner sprachsensiblen Lehrerin der Systemtherapie, Ulla Tröscher-Hüfner, habe ich gelernt, auf jedes einzelne von Klienten und von uns selbst gesprochene Wort zu achten. Eine mich manchmal ebenso nervende wie wertvolle Herausforderung war die Frage, was genau ich mit einer Äußerung meine. Ich musste dann oft erforschen, was ich eigentlich sagen wollte oder manchmal auch sagen musste. Umgekehrt werde ich ungeduldig, wenn jemand vage und zwei-oder vieldeutig redet. Dies geht mit einer deutlichen Wertung einher: Klartext reden ist besser als Nebeltext, Metaphorik, Zweideutigkeit, Vagheit. Natürlich ist diese Wertung undifferenziert. Klartext kann auch schaden. Oft sind ironische, prosaische oder metaphorische Texte lebendiger und in ihrer Wirkung effektiver als Klartext. In vielen Situationen ist es sinnvoll, vage zu bleiben. Ich werde im Verlauf des Buches darstellen, was ich mit »Klartext« meine und welchen Regeln er folgt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass von mir gesprochener Klartext manchmal als Provokation, Konfrontation oder sogar als Grenzüberschreitung erlebt wird. Heute weiß ich, dass das auf dem Gebiet von Therapie, Beratung und Supervision meistens auf eine ungeklärte Auftragslage hinweist oder dass Klartext mit bestimmten Erwartungen und Rollen in Konflikt kommt. Das lässt sich dann meistens mit Klartext klären. 1 Informationen dazu siehe https://carl-auer-akademie.com/wp-content/uploads/2017/07/web\_1.-Programm\_Reden-reicht-nicht-2019\_8.2.19.pdf haben, auf und wende bis dahin Erläutertes darauf an bzw. lade die Leserin und den Leser ein, Gleiches zu tun. 1.4 Vorabbestimmung: Klartext und Meta-Klartext-Klarheit »Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind« (Kant, 1787/1995). Diese Aussage Kants ist zentral für dieses Buch, so dass im theoretischen Teil I immer wieder angegeben wird, was das für die Praxis bedeutet: für Klartext sprechen und für den bewussten reflexiven Umgang mit jeder Art von Sprechen. Das eine nenne ich Klartext (Sprachpragmatik), das andere die Meta-Klartext-Klarheit (reflexive Ebene). Im Folgenden vorab eine Kurzbeschreibung beider. Klartextmerkmale: Ȥ möglichst eindeutige Nennung von Subjekt, Prädikat und Objekt, Ȥ möglichst klare Adressierung von Sätzen im Hinblick darauf, wer gemeint ist, Ȥ möglichst weitgehende Übereinstimmung zwischen dem, was gemeint ist, und dem, was gesagt wird. Klartext enthält Regeln zum Hören und Sprechen. Hörregeln sind: Ȥ genaues Hinhören und Nachfragen, was gemeint ist, statt voreiliger Interpretationen, Ȥ registrieren, was gesagt wird und was demzufolge nicht gesagt, getilgt oder nur angedeutet wird mit der Option, das zu erfragen. Meta-Klartext-Klarheit: Diese beinhaltet die bewusste Erfassung kennzeichnender sprachlicher Merkmale eines realen Dialogs aus einer Metaperspektive ohne Bewertung dessen und ohne Veränderungsintentionen -auch nicht in Richtung Klartext. Dienlich dafür sind Kenntnisse der Sprachphilosophie und der Sprachwissenschaften, wie sie in Teil I präsentiert werden. PRAXISORIENTIERTE THEORIE Teil I 3 Sprachphilosophie: Historie und sprachphilosophische Wenden 3.1 Wenden in der Sprachphilosophie I: Historischer Überblick Alle Epochen des menschlichen Denkens sind von spezifischen Grundannahmen geprägt, derer sich die jeweiligen Zeitgenossen selbst kaum bewusst sind und die erst spätere Generationen formulieren können. Das gilt auch für das Verständnis von Sprache und Kommunikation. Zu den zentralen Fragen gehören die nach dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit, Sprache und Denken und die danach, inwiefern unser »In-der-Welt-Sein« auf Sprache aufbaut. Reden über Sprache wird dann zur Epistemologie (Erkenntnistheorie). Vereinfacht gibt es historisch folgende Linien im Sprachverständnis: Eine alte und nichtsdestotrotz heute noch gebräuchliche Annahme sieht in Wörtern Zeichen für Dinge, innere Bilder oder Vorstellungen. Dazu gehört auch die Idee, dass Sprache dazu da ist, gegenüber anderen etwas auszudrücken (Sprache als Informationsübertragung). Ein anderer Blick richtet sich weniger auf Sprache als auf konkretes Sprechen im Sinne sprachlicher Handlungen. Dann steht das Sprechen als Interaktion, als interaktionelles Handeln oder auch als Interaktionssteuerung im Mittelpunkt. An einigen traditionellen sprachphilosophischen Annahmen wird kritisiert, dass sie zwischen »Person« und »Sprache« trennen und annehmen, es gäbe zuerst eine Person mit Gedanken, die dann mit dem Instrument der Sprache mitgeteilt würden. Andere Ansätze trennen nicht zwischen dem Person-und dem In-der-Welt-Sein. Der Psychoanalytiker Jacques Lacan geht sogar davon aus, dass auch unser Unbewusstes sprachlich verfasst sei. Im 20. Jahrhundert wurde im »linguistic turn« die Sprachphilosophie ein Zentrum der Philosophie. Alle philosophischen und auch lebenspraktischen Fragen und Antworten wurden unter den Blickpunkt der Sprache gestellt und mit ganz neuen und für Therapie und Beratung besonders relevanten Resultaten beantwortet. Vor diesem Hintergrund lassen sich mit Flatschner und Posselt (2016) sowie mit Krämer (2017) folgende »Wenden der Sprachphilosophie« markieren: In der antiken Philosophie und lange danach war ein Sprachverständnis vorherrschend, das in der Sprache ein Abbild der Welt sah: Sprache besteht so gesehen aus sprachlichen Zeichen und diese verweisen auf etwas in der Welt oder auf etwas in uns selbst: Sprache als Repräsentation. Nach der »analytischen Wende zur Sprache« (Flatschner u. Posselt, 2016, S. 258) blickt man auf diese epistemologisch-erkenntnistheoretisch mit dem Ergebnis, dass die Sprache selbst für jede Form der Erkenntnis als fundamental angesehen wird -3.2.1 Antike griechische und frühe Abbildtheorie: Aristoteles und Platon Für Aristoteles ist Sprache ein Instrument des Geistes, die Welt zu erkennen und zu beschreiben. Sprache und Welt haben ein Korrespondenzverhältnis: Wörter verweisen auf Dinge. Man nennt das die »Etikettentheorie der Bedeutung«: Die Bedeutung eines Wortes (Etikette) ist das, worauf es klebt, was es benennt. Die Bedeutung des Wortes »Hund« ist der reale Hund. Diese Konzeption kommt schnell an ihre Grenzen, wenn man das auf abstrakte Begriffe wie Freiheit oder Liebe anwendet. Natürlich war sich Aristoteles bewusst, dass Sprache nicht nur reale Dinge bezeichnet, sondern auch innere Vorstellungen und Konzepte. In seinem semiotischen Dreieck wird Sprache deshalb auf den Bereich der Dinge und den Bereich der seelischen Vorstellungen bezogen. Sie verwendet als Zeichen Laute oder Buchstaben. Platon stellt das Erkenntnispotenzial von Sprache infrage. Er bevorzugt einen sprachfreien Zugang zum Wesen der Dinge. Sprache sei wohl ein wichtiges, aber existenziell sekundäres menschliches Phänomen. Für ihn hat der Mensch einen Zugang zu Erkenntnis jenseits von Sprache. Wenn in Therapie, Beratung oder Supervision eine Diagnose vergeben und dabei angenommen wird, diese bezeichne eine real existierende Krankheit, folgt das der Etikettentheorie von Sprache. Sprache ist das zentrale Medium in Therapie, Beratung und Supervision und Sprachkompetenz der Schlüssel zum Erfolg in diesen Arbeitsfeldern. Dieses Grundlagenbuch vermittelt das praxisrelevante sprachphilosophische Wissen und hält konkrete, sofort umsetzbare Empfehlungen für das eigene beraterische und therapeutische Tun bereit. Welche Facetten hat der Begriff Sprache in diesem Zusammenhang? Wie wird in welchen Systemen gesprochen? Welche Sprachstile gibt es? Wie kann man sie erkennen? Wie lassen sich neue Sprachstile effektiv in die eigene Praxis integrieren? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Band.
دانلود کتاب Werkzeug Sprache in Therapie, Beratung und Supervision : Das Grundlagenbuch