Vom Denken der Natur zur Natur des Denkens: Ibn Baggas Theorie der Potenz als Grundlegung der Psychologie (Scientia Graeco-Arabica 13) (German Edition)
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Die bisher gängige Trennung zwischen bloß kommentierenden naturphilosophischen und originellen intellekttheoretischen Schriften hat zu einem verzerrten Bild der Philosophie des andalusisch-arabischen Denkers Ibn Bagga (gest. 1139) geführt. Insbesondere seine vielbeachtete Seelenlehre, durch deren entscheidenden Einfluss auf seinen Nachfolger, den Kommentator Averroes, Ibn Bagga auch auf die abendländische Philosophie gewirkt hat, kann nur unter Berücksichtigung des Gesamtwerkes angemessen verstanden werden. Die vorliegende Studie zeigt im Ausgang vom editorisch wesentlich verbesserten Text seines De anima-Kommentars, Kitab al-nafs , mittels einer durch das gesamte Œuvre hindurchgehenden Analyse des zentralen Begriffs der Potenz bzw. des Vermögens, dass Ibn Bagga die Psychologie im Sinne des Aristoteles konsequent als Naturwissenschaft konzipiert und auf naturphilosophischen Prinzipien aufbaut. Gleichzeitig erweist er sie als Fundamentalwissenschaft, die aufdeckt, dass und wie diese Prinzipien auf den Intellekt als auf ein übergeordnetes Prinzip bezogen sind. Indem er sie vollendet, begründet der reine Akt des Intellekts die natürlichen Prinzipien und Potenzen. So geht die Erkenntnis den Weg vom Denken der Natur zur Natur des Denkens. Inhaltsverzeichnis 8 Einleitung 13 i. Zielsetzung 13 ii. Ibn Bagga: Leben und Werk im Überblick 19 Kontext und Bildungsgang 19 Forschungsfelder 22 Die Abhandlungen 29 iii. Das Buch der Seele 32 Überlieferung und Datierung 32 Vollständigkeit 38 Aufb au 40 Edition 44 iv. Leitlinien für eine neue Lektüre 44 Das Bild Ibn Baggas bei seinen andalusischen Nachfolgern 45 Die Fehlinterpretation Alexander Altmanns 47 Die Spaltung von Ibn Baggas Werk 52 Forschungsstand zum Buch der Seele 54 Textgatt ung und Vorlagen 55 Stellung im Gesamtwerk 58 v. Vorgehen - Inhaltsübersicht 60 I. Ibn Baggas Aristotelismus und der Status der Psychologie 71 1. Aristotelische Philosophie im Umfeld Ibn Baggas 73 1. Abd al-Ra?man Ibn Sayyid: Die Rolle der mathematischen Disziplinen 74 2. Abu l-Fa?l ?asdai: Anfänge des Aristotelismus 76 2.1. Abu l-Fa?l ?asdai als Schlüsselfi gur in ?a?id al-Andalusis Wissenschaft sgeschichte 76 2.2. ?a'ids Aristotelesbild 82 3. Malik Ibn Wuhaib: Die soziale Lage der Philosophie 89 2. Ibn Baggas Begriff der Philosophie 98 1. Das Verhältnis von Th eorie und Praxis 99 2. Von Aristoteles’ »Vortreffl ichem« zu Ibn Baggas »Einsamen« 105 3. Philosophie als Naturanlage (fit ra) 117 4. Gött lich oder menschlich? Das philosophische Ideal 123 3. Aristotelische Psychologie als Fundamentalwissenschaft 137 1. Der Status der Psychologie 137 1.1. Von Aristoteles zu Th emistios 137 1.2. Ibn Bagga über die Stellung der Psychologie 142 1.3. Exkurs: Die Ordnung der Wissenschaft en bei al-Farabi 146 1.4. Psychologie als Natur- und Fundamentalwissenschaft 150 2. Der Gegenstand der Psychologie 157 II. Der Begriff der Potenz und die Methode der Psychologie 163 4. Der Vermögensbegriff in der Psychologie 165 1. Aristoteles: Die Seele ist ihre Vermögen 165 2. Ibn Bagga: Die Psychologie untersucht in einer Vollkommenheitsordnung stehende Potenzen 170 5. Die Defi nition der Seele 180 1. Die Evidenz der Seele als Prinzip des Lebendigen 180 2. Im Gefolge Alexanders: Der Weg zur allgemeinen Seelendefi nition 187 2.1. Potenzen als konstitutive Prinzipien 187 2.2. Einteilung und Zusammensetzung: Die Physik als Richtschnur 192 2.3. Aristoteles’ Verbesserung Platons: Die Seele als Bewegungsprinzip 196 2.4. Die zentrale Rolle der Potenz in drei Problemfeldern der Psychologie: Struktur, Konstitution, Bewegung 201 3. Die Wissenschaft stheorie al-Farabis: Welches Wissen von der Seele? 208 3.1. Methodische Probleme der Seelendefi nition 208 3.2. Amphibolie und Gatt ungsbegriff 211 3.3. In seiner Stellung veränderter Beweis 222 3.4. Die Methode der Zusammensetzung 228 3.5. Die drei Defi nitionen der Seele 231 6. Allgemeine Seelendefi nition und Bestimmung seelischer Potenzen 235 1. Seele als Form eines organischen Körpers 235 2. Seele als erste Entelechie 246 III. Potenztheoretische Grundlagen der Psychologie Ibn Baggas 251 7. Bewegungstheorie 253 1. Bewegung, Potenz und Vollendung 254 2. Die Ortsbewegung der Elemente 262 2.1. Ibn Baggas kontinuierliche Auslegung von Physik VIII. 4 264 Exposition des Problems 264 Aristoteles’ Erklärung 269 Ibn Baggas vorläufi ge Rekonstruktion der aristotelischen Lösung 276 2.2. Philoponos’ Kritik an der aristotelischen Bewegungslehre 283 Philoponos’ Kritik 283 al-Farabis Antwort in seiner Schrift Die veränderlich en Seienden 287 Ibn Baggas eigene Frage 293 2.3. Ibn Bagga und die Natur der Elemente als ihr Bewegungsprinzip 302 Die Lösung im Entwurf 302 Beweger und Bewegtes 308 Akzidentell und doch natürlich 311 Ortsbewegung und Potenz-Akt-Spannung 318 3. Interaktion und Erschöpfung 322 4. Die Bewegung der Lebewesen 331 8. Aktive und passive Potenzen als universelle Erklärungsprinzipien 341 1. Grundlagen 341 1.1. Kinetische und ontologische Bestimmung der Potenz 341 1.2. Typologie der Potenzen 348 1.3. Potenz und reiner Akt 358 1.4. Gegen Shlomo Pines’ »Dynamik« 364 2. Konstitution und Funktion der Elemente 367 2.1. Primäre Potenzen in verschiedenen Perspektiven 367 2.2. Die primären Potenzen als solche – drei Aspekte 373 3. Ortsbewegung und Kontakt 379 4. Veränderung und Mischung 391 4.1. Eine Potenz zur Mischung 391 4.2. Der Prozess der Mischung 395 4.3. »Eine zusammengesetzte mitt lere Potenz« 400 4.4. Die ausgewogene Mischung 403 4.5. Dynamisierung der Potenztheorie 405 9. Seele als Form der Mischung 408 1. Alexanders Emergenztheorie 409 2. Sine extrinseco motore? Seele als Ursache und Produkt der Mischung 419 3. Mischung und die Aufnahme der Form: Integratives Modell materieller und formaler Genese 432 4. Die Wesensform und die Ordnung der Potenzen 443 10. Der Organismus: Ein System von Potenzen 450 1. Ontologie der Organe 453 2. »Die Organe folgen den Potenzen« 464 3. Die ekstatische Ontologie der Seele 468 4. Die Seele ist keine »ununterschiedene Gesamtheit« 471 11. »Träger der Seele«: Pneuma und angeborene Wärme als Bindeglied zwischen Physiologie und Psychologie 477 1. Problemaufriss 477 2. Die physiologische Funktion von angeborener Wärme und Pneuma 495 2.1. Wärme in der unbelebten Natur 495 2.2. Erzeugung und Erhalt des Organismus 498 2.3. Ursprung der angeborenen Wärme 500 2.4. Die Diff erenzierung von Organen und Spezies 503 2.5. Pneuma und Bewegung 506 2.6. Pneuma und Wahrnehmung 510 3. Pneuma und »Spiritualität«: Seele und Körper zwischen Distanz und Einheit 516 3.1. Der Begriff des »Spirituellen« (ru?ani) 517 3.2. Das Pneuma: Seelenwagen oder bewegliche Form? 528 3.3. Die angeborene Wärme als »erstes Organ« und die Einheit des Leibes 540 4. Das Wirken der angeborenen Wärme: Physiologischer Prozess und psychischer Akt 545 12. Seelische Potenzen und ihre Objekte 551 1. Seelenvermögen als aktive und passive Potenzen 551 2. Die Grenzstellung des Nährvermögens 553 3. Das Wirken passiver Potenzen 562 4. Die Potenz des Objekts 568 13. Die Notwendigkeit einer unendlichen Potenz: Der aktive Intellekt 576 1. Die unendliche Potenz als Ursache der Erkenntnis 577 1.1. Unendliche Erkenntnisse 577 1.2. Unendliche Potenzen. Die Kosmologie als Vorbild 583 1.3. Der aktive Intellekt: Separate Substanz und aktive Potenz 591 2. Die unendliche Potenz als Gegenstand der Erkenntnis 597 2.1. Der aktive Intellekt als Ursache und Vollendung 597 2.2. Der aktive Intellekt als Vollendung aller Potenzen 600 2.3. Die Erkenntnis der unendlichen Potenz 607 14. Die Potenzstruktur der Wissenschaft 618 1. Die »Mischung« der Intelligibilia und die Rolle der Vorstellungen 619 2. Intelligibilia als aktive und passive Potenzen 625 3. Wissenschaft en als Potenzen 633 3.1. Wissenschaft licher Habitus als »beweisende Potenz« 633 3.2. Der Aufb au der wissenschaft lichen Disziplinen 638 4. Die Potenz der Psychologie 646 Schlussbetrachtung 653 i. Ertrag 653 ii. Ausblick 656 Anhang 667 i. Deutsche Übersetzung des Kitab al-nafs 669 ii. Bibliographie 740 iii. Register der zitierten Texte 762 iv. Register der zitierten Handschrift en 781 v. Namensregister 783 vi. Register der arabischen Begriff e 790 "The present study relies on a greatly improved re-edited text of Ibn Bagga’s (d. 1139) commentary on De anima, Kitab al-nafs. Here, the author shows that in keeping with the Aristotelian model, Ibn Bagga conceptualizes psychology as a natural science, but at the same time, ultimately turns his understanding of natural science into fundamental science."-- Publisher's website
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