معرفی کتاب «'Vernatürlichung'': Ursprünge von Friedrich Nietzsches Entidealisierung des Menschen, seiner Sprache und seiner Geschichte bei Johann Gottfried ... Und Texte Zur Nietzsche-Forschung)» نوشتهٔ by Andrea Christian Bertino، منتشرشده توسط نشر de Gruyter GmbH در سال 2011. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Herder und Nietzsche werden bis heute oft nicht als ernstzunehmende Philosophen wahrgenommen. Ihr bewusst nicht-systematisches Denken lässt sie vorgeblich als bloße Schriftsteller, Dichter, Prediger, Moralisten erscheinen und von ihnen keinen maßgeblichen Beitrag zur philosophischen Forschung erwarten. Inzwischen hat sich das Selbstverständnis des Philosophierens geändert, und zu dieser Änderung haben sie, wie diese Arbeit zeigt, maßgeblich beigetragen. Sie haben die Philosophie selbst aufgrund ihrer natürlichen, moralischen und religiösen Bindungen skeptisch in Frage gestellt: Sie beschreiben den Menschen von Grund auf neu vom natürlichen Ursprung seiner Sprache her, so dass sein Denken nicht auf eine rein geistige Operation reduziert werden kann. Wo Herder noch von religiösem Vertrauen getragen ist, bezieht Nietzsche in seine Genealogisierung auch das genealogisierende Subjekt mit ein. Beide, Herder und Nietzsche, verstehen die Wahrheit pragmatisch. Pragmatisch ist auch ihre Betrachtung der Historie, die dem Leben dienen soll. Wie sie das kann, hängt von der Reflexion darüber ab, wie der Mensch, die Kultur, die Geschichte und die Gesellschaft bestimmt werden, um Orientierung geben zu können. Herder und Nietzsche machen misstrauisch gegen Ideologien und Prophezeiungen. Will Herder nach den aufklärerischen rationalistischen Verunsicherungen wieder Mut zum christlichen Glauben machen, so kann in der Dialektik der Aufklärung nach Nietzsche das Individuum letztlich Sicherheit nur aus sich selbst gewinnen. Vorwort......Page 6 Inhalt ......Page 10 Siglen......Page 14 0.1. Ursprünge von Nietzsches Entidealisierung des Menschen bei Herder......Page 18 0.2. Nietzsches Diskurs über Herder......Page 19 0.3 Stand der Forschung und Ziele der Arbeit......Page 27 0.4. Einteilung......Page 38 1.1. Verschiedene Formen der Vernatürlichung des Menschen......Page 41 1.2.1. Nietzsche: „Entmenschung der Natur“ und „Vernatürlichung des Menschen“......Page 53 1.2.2. Herder: Der Mensch in der Gott-Natur......Page 61 1.3. Gegenbewegung von Vereinfachung und Vernatürlichung als „Trieb des Geistes“......Page 65 1.4. Vom Nutzen und Nachteil der Naturwissenschaften für die Vernatürlichung......Page 69 1.4.1. Herder: Religiöses Vertrauen in den Wert der Naturwissenschaften für die Philosophie......Page 70 1.4.2. Nietzsche: Kritische Begrenzung und Erweiterung der Philosophie durch die Naturwissenschaften......Page 72 1.5.1. Nietzsche: „Entnatürlichung der Moral“ und Entmoralisierung der Natur......Page 76 1.5.2. Herder: Die Entintellektualisierung des natürlichen moralischen Gefühls......Page 82 1.6. Die Methodik der Vernatürlichung......Page 89 1.6.1. Das Prinzip des Funktionalismus......Page 90 1.6.2. Heuristik des Funktionalismus: Analogie-Bildung......Page 98 1.6.3. Vernatürlichung zwischen Naturgeschichte und Genealogie der Semantik der Natur......Page 118 2.1. Am Ursprung der Sprache......Page 129 2.1.1. Herder: „Besonnenheit“ und „Besinnung“......Page 130 2.1.2. Nietzsche: „Intellekt“......Page 139 2.2. Bewusstsein als Ursprung oder Ergebnis der Mitteilung......Page 148 2.2.1. Herder: Vom Bewusstsein zur Sprache......Page 149 2.2.2. Nietzsche: Von der Sprache zum Bewusstsein......Page 158 2.3. Die Sprache zwischen Akustik und Musik......Page 165 2.3.1. Herder: Die Ursprache ist mehr als Musik......Page 166 2.3.2. Nietzsche: Die Musik der Sprache ist die Musik des Lebens......Page 176 2.4. Der tropische Ursprung des Begriffs......Page 187 2.4.1. Anthropologische Voraussetzungen der tropischen Genealogie des Begriffs: Semiotik des Triebes bei Herder und Nietzsche......Page 189 2.4.2. Metaphorisierung oder Allegorisierung der Begriffe?......Page 192 2.4.3. Die unbewusste Seite der Verbegrifflichung......Page 200 2.4.4. Philosophie und Dichtung bei Herder und Nietzsche......Page 215 2.5. „Der Mensch schon als Tier“: Ursprung der Sprache als Ursprung des Menschen......Page 220 2.5.1. Herder: Die Unterscheidung zwischen Tier und Mensch durch die Sprache......Page 221 2.5.2 Nietzsche: Die Überwindung der Anthropologie zugunsten der Typologie......Page 224 2.6. Das Mängelwesen, das noch nicht festgestellte Tier und die Moral......Page 227 3. Entidealisierung der Geschichte......Page 236 3.1. Das Vergessen und die Formen des historischen Diskurses......Page 238 3.1.1. Herder: Zwischen objektivierender Geschichtsschreibung und humanisierender Geschichtsphilosophie......Page 240 3.1.2. Nietzsche: Narrative Geschichtsschreibung in sich entziehenden Horizonten......Page 247 3.2. Die Leistungen der Historie für das Leben nach Nietzsche und bei Herder......Page 253 3.2.1. Monumentalische Geschichtsphilosophie......Page 254 3.2.2. Antiquarische Geschichtsphilosophie: Der Ursprung des Menschen......Page 256 3.2.3. Kritischer Gebrauch der Geschichtsphilosophie: Die Gegenwart des Menschen......Page 259 3.3.1. Herder: Fortschritt der Völker zum Glück......Page 263 3.3.2. Nietzsche: Fortschritt des Einzelnen in der Selbstüberwindung......Page 272 3.3.3. Voltaire: Zerstörerischer Skeptiker für Herder, erster freier Geist für Nietzsche......Page 281 3.4. Das Genie als Anfang von Neuem – Kritik des Geniekults......Page 291 3.4.1. Herder: Das Genie zwischen Naturkräften und Sittlichkeit......Page 292 3.4.2. Nietzsche: Das Genie als Schicksal......Page 296 3.5. Herders Ideal der Humanität und Nietzsches „andres Ideal“......Page 304 3.5.1. Herder: Beförderung vs. Begründung der Humanität in der Welt jenseits des Nationalismus......Page 305 3.5.2. Nietzsche: Freisetzung des guten, antinationalistischen Europäertums in Europa: die halb-barbarische Genesung des historischen Sinns......Page 315 4. Schluss......Page 330 Bibliographie......Page 335 Namensregister......Page 353 Begriffs- und Sachregister......Page 358
Herder und Nietzsche werden bis heute oft nicht als ernstzunehmende Philosophen wahrgenommen. Ihr bewusst nicht-systematisches Denken lässt sie vorgeblichals bloße Schriftsteller, Dichter, Prediger, Moralisten erscheinen und von ihnen keinen maßgeblichen Beitrag zur philosophischen Forschung erwarten. Inzwischen hat sich das Selbstverständnis des Philosophierens geändert, und zu dieser Änderung haben sie, wie diese Arbeit zeigt, maßgeblich beigetragen. Sie haben die Philosophie selbst aufgrund ihrer natürlichen, moralischen und religiösen Bindungen skeptisch in Frage gestellt: Sie beschreiben den Menschen von Grund auf neu vom natürlichen Ursprung seiner Sprache her, so dass sein Denken nicht auf eine rein geistige Operation reduziert werden kann. Wo Herder noch von religiösem Vertrauen getragen ist, bezieht Nietzsche in seine Genealogisierung auch das genealogisierende Subjekt mit ein. Beide, Herder und Nietzsche, verstehen die Wahrheit pragmatisch. Pragmatisch ist auch ihre Betrachtung der Historie, die dem Leben dienen soll. Wie sie das kann, hängt von der Reflexion darüber ab, wie der Mensch, die Kultur, die Geschichte und die Gesellschaft bestimmt werden, um Orientierung geben zu können. Herder und Nietzsche machen misstrauisch gegen Ideologien und Prophezeiungen. Will Herder nach den aufklärerischen rationalistischen Verunsicherungen wieder Mut zum christlichen Glauben machen, so kann in der Dialektik der Aufklärung nach Nietzsche das Individuum letztlich Sicherheit nur aus sich selbst gewinnen.
Main description: Den Menschen als natürliches Kulturwesen zu verstehen ist eine klassische Option des philosophischen Denkens. Sie läuft leicht Gefahr, zum Reduktionismus zu werden. Ihre epistemische Grenze und ihr praktisches Interesse muss darum auch heute noch sorgfältig reflektiert werden. Herder und Nietzsche ermöglichen das auf je verschiedene, aber dennoch verwandte Weise. Ihre Denkansätze werden hier zum ersten Mal systematisch auf die spezifische Verflechtung ihrer Anthropologie, Sprach- und Geschichtsphilosophie hin aufeinander bezogen und miteinander verglichen A classical option in philosophical thought is to view the human as a naturally cultural being. This can easily run the risk of turning into reductionism. Its epistemic boundary and its practical interest still need to be carefully considered, even today. Herder and Nietzsche do so in different, but nevertheless related, ways. This book brings their ideas together for the first time. They are considered in relation to each other and compared systematically with regard to their specific interweaving of anthropology and linguistic and historical philosophy Von Andrea Christian Bertino. Originally Presented As The Author's Thesis--universität Greifswald, 2010. Includes Bibliographical References (p. [318]-335) And Indexes.