معرفی کتاب «Thomas Bernhards frühe Prosakunst : Entfaltung und Zerfall seines ästhetischen Verfahrens in den Romanen Frost - Verstörung - Korrektur» نوشتهٔ Gößling, Andreas، منتشرشده توسط نشر de Gruyter GmbH در سال 2011. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
## Einleitung insgeheim zwei Stimmen mischen als dissonantes Duett. Hier in der Tat beginnt eine sehr eigentümliche dialektische Auseinandersetzung zwischen überkommener ,Form' -die sich als einstmals Inhaltliches freilich erst zu annähernd formaler Gewalt verhärtete -und einem für das von "Erinnerungskrankheit" (Ko, 155) befallene Ich jäh aktualisierten Stofflichen -das freilich in der Ich-Erzählform stets schon sedimentiert war: zwischen überkommener ,christlich-feudaler', d. h. statisch-hierarchischer Objektivation von Selbst und Welt und zum andern einem erinnernden Ich, das sein Inneres als einen chaotisch disparaten Bewußtseinsund Zeichen ström erfährt, der im restaurativen Symbolsystem stets nur als das namenlose Andere, sprachlose Fremde repräsentiert war, "vor welchem wir immer Angst haben mußten" (Ko, 139). Indes erhellen diverse Indizien, daß der Korrektur-Autor das Zusammen-und Gegenspiel der antagonistischen Momente kaum mehr intentional kontrolliert: Was in Frost ,,knistert[e]" als "Laut der Reibung" 15 , was in Ver Störung fast schon erloschen und verstummt war, entfacht in Korrektur ein kaum mehr zu bändigendes Feuer, das die formale Architektonik angreift und zumindest partiell verzehrt. Denn während das reflektierende Ich auf der Meta-Ebene, schwerlich noch von jenen der autobiographischen Texte zu unterscheiden, zwanghaft bemüht ist, seine Erinnerung in den restaurativen Materialien zu territorialisieren, untermischt es diese zugleich mit stofflichen Partikeln von evidenter Inkommensurabilität, in welchen man erstmals die substantielle Möglichkeit einer bestimmten Negation der artifiziell konkretisierten Position erkennt. Aber während die jäh hervordrängende Erinnerung zwar das als "Gedankenkerker" usurpatorische Formprinzip zerbricht, so daß unvermittelt Inhaltliches die Semantik restaurativer Form dementiert und dominiert, verharrt gleichwohl auch noch dieser Icherzähler zwischen den erneut zerfallenden Materialien: auf der "Kippkante" 16 (Ko, 362) zwischen gewaltsam gehärteter, schließlich geborstener Form, die zuletzt kein Inhaltliches mehr duldete, und einem ganz undifferenziert als ,reißender Fluß' verbildlichten Inhaltlichen, das sich nicht mit adäquater Form vermitteln, d. h. zu Artikulation und Bewußtsein erlöst werden kann, da das Bernhardsche fiktive Ich, auf die " Kippkante" abgedrängt, noch immer den Sprung in den stream of consciousness fürchtet, in dem nach dem Zerfall geschlossener Weltbilder und idealistischer Systeme Subjektivität sich einzig noch zu artikulieren vermag. Spätere Bernhardsche Versuche, das formal wie material überlebte Verfahren über Korrektur hinaus in die zweite Werkphase zu retten, IS Adorno, Ästhetische Theorie, S. 264 "' Kursivdruck innerhalb von Zitaten gibt Hervorhebungen der jeweiligen Verfasser wieder. Erstes Buch: Frost als Alptraum der "Auflösung" I. Zum Standort des Icherzählers "Nein, nein, ich bin nicht mehr ich, dachte ich." (Fr, 281) 1. Vorbemerkung: Rezeption als Reduktion Die Rezeptionsgeschichte des /Vosf-Romans zerfällt, grob skizziert, in zwei höchst unterschiedliche Phasen: Priesen Rezensenten und Interpreten zunächst, auf von Zuckmayer gewiesener Spur, die "beklemmende Realistik" 1 des Bernhardschen Debutwerks, so führte in den Siebzigern eine genaue Kehrtwendung im literaturwissenschaftlichen Lager zur nunmehr notorischen Deutung, das in Frost Erzählte sei bloße "Bewußtseins-Ausschreitung" 2 des Protagonisten, die fiktive Frost-Welt somit nicht,realistisch', sondern symbolische Landschaft eines subjektiven Bewußtseins. Solches Realismuslob mündet exemplarisch in die Deutung, Frost sei der "Bericht über einen Menschen, der an entsetzlicher Einsamkeit, an sich selbst zugrunde geht, und über eine Welt, die sich langsam auflöst, erfriert, in einer Eiszeit versinkt." 3 Wie die matte Konjunktion "und" bezeugt, sind zufolge diesem Urteil "Welt" und "Mensch", Objektwelt und subjektives Bewußtsein reinlich geschieden. Einzig die realistische Erzählkunst des Debütanten suggeriere einen freilich bloß atmosphärischen Gleichklang der "Auflösung" (Fr, 54, 303) von subjektiver Vorstellungswelt und "wie vom Zufall" -planlos, doch lebensecht -"zusammenge-würfelte^]" 4 Motivstruktur. Diesem naiven Realismuslob liegt die nicht 1 Carl Zuckmayer, Ein Sinnbild der großen Kälte. In: Anneliese Botond (Hrsg.), Über Einleitung 1. Zum Prozeß- und Antwortcharakter von Kunstwerken 2. Zum Begriff „ästhetisches Verfahren“ 3. Dialektik der „Auflösung“ 4. Intentionalität und Ambiguität Erstes Buch: Frost als Alptraum der „Auflösung“ I. Zum Standort des Icherzählers 1. Vorbemerkung: Rezeption als Reduktion 2. Zur antinomischen Codierung des Erzählerauftrags 2.1 Zur ‚medizinischen‘ Begründung des Auftrags 2.2 Zur Antinomie des Medizinbegriffs 2.3 Zur Intentionalität der antinomischen Verschränkung 2.4 Zur antinomischen Beziehung der fiktiven Welten Schwarzach und Weng 3. Zur antinomischen Selbststruktur des fiktiven Auftraggebers 3.1 Zur ,Tagseite‘ des Assistenten: Der Chirurg als Gebirgsmassiv 3.2 Zur ,Nachtseite‘ des Assistenten: „Diluviumszerfall“ des ,Gebirgsmassivs‘ 4. Der gebannte Famulant: Zur antinomischen Lähmung des Icherzählers 4.1 Biographie und Bewußtseinsstruktur 4.2 Der Famulant als Medium des Malers II. Geschichte als Individualgeschichte. Bewußtseinsstruktur als Landschaftsstruktur 5. Historisch-ikonographische Skizze der fiktiven Welt Weng 5.1 Das „Gebirgsmassiv“ als versteinerte Natur 5.2 Der Fluß als Symbol bedrohlicher Masse 5.3 Der Wald als Symbol gebannter Masse 5.4 Das vorindustrielle Weng als soziales Korrelat der Landschaftszeichen 6. Zu Biographie und Bewußtseins struktur des Malers 6.1 Zur Strauchschen Familienstruktur 6.2 Kindheit als Entzweiung 6.3 Jugend als Vereinsamung 6.4 Gemälde als „Geschwüre“: Zu Strauchs Künstlertum 6.5 Der hilflose „Hilfslehrer“ 7. Weng im Fluß 7.1 Züge als Flüsse 7.2 Wälder als Flüsse 7.3 Weng im Krieg 7.4 „Kraftwerksbau“ und Sprengung des ,Gebirgsmassivs‘ 8. Das Gasthaus als Mikrokosmos 8.1 Zur antinomischen Selbststruktur der Wirtin 8.2 Die Wirtin im „Unterbewußtsein“ Strauchs 8.3 Zum und vom Ende ein Traum Zweites Buch: Verstörung als restaurativer Wunschtraum I. Zum Standort des Icherzählers 1. „Mystifikation“. Was zwischen Frost und Verstörung geschah 2. Das einzige Bewußtsein 3. Die einzige Realität 3.1 „Studium des Seelischen“ 3.2 Studium des ,Montanistischen‘ II. Im tautologischen Spiegelkabinett 4. Struktur oder Schema 4.1 Drei symbolische Codes 4.2 Das hierarchische Muster der Fassade 5. Das einzige Bewußtsein 5.1 Der Fürst als Drei-Generationen-Subjekt 5.2 „Elendiges Ende“: Der diluvische Code 5.3 „Maskenwahn“: Der restaurative Code 5.4 „Herrenlose Maschinen“: Der maschinelle Code 5.5 Sauraus Zukunftstraum: Ein letztes Maskenspiel 6. Zwei Einzelstudien 6.1 Das Prinzip Wirklichkeit 6.2 Nachricht aus „Kapstadt“ Drittes Buch: Korrektur als Erwachen I. Aufstand des Icherzählers 1. Das Erwachen des Erzählers als Ich 2. Differenz zwischen den Perspektiven von Erzähler- und erzählter Figur 2.1 Syntaktische Form des zerbrechenden „Gedankenkerkers“ 2.2 Spekulativer Exkurs: Was zwischen Verstörung und Korrektur geschah 2.3 Perfektionismus oder „Übereilung“: Die „Maschine von Reading“ 2.4 Konzeptionelle Konfusion II. Die „zwei tödlichen Hälften“ des Kegels 3. Kegel und scheiternde Restauration: Verdichtung als Vernichtung 3.1 „Altensam“ als schwankendes „Fundament“ 3.2 Überdetermination des Kegel-Symbols als asemantische Verselbständigung 3.3 Der Kegel ,aus‘ dem Höllerhaus 4. Kegel und Revolution: Vernichtung als „Lichtung“ 4.1 Revolution und Restauration als Form-Inhalt-Gegensatz 4.2 Denotation der Zeichen und materialer Zerfall 4.3 „Erinnerungskrankheit“ Literatur Primärliteratur Sekundärliteratur Register
Das durch die Arbeiten von Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas initiierte Forschungsprogramm der Diskursethik hat die Perspektive einer philosophischen Neubegründung der Moral eröffnet. In den letzten zwei Jahrzehnten gab es hierzu eine breite Diskussion, in jüngster Zeit wurden schließlich verschiedene Ausarbeitungs- und Weiterentwicklungsversuche der ursprünglich vorgetragenen Ideen unternommen. Dabei wurden neben den Begründungsproblemen in der neueren Diskussion vor allem die Anwendungsprobleme als methodische Herausforderung empfunden.
In diesem Buch werden erstmals die verschiedenen Versionen und Varianten der Diskursethik, von den ersten Arbeiten der siebziger Jahre bis hin zur Gegenwart, systematisiert, verglichen und auf ihre spezifischen Leistungen hin untersucht: Vor welchen Begründungs- und Anwendungsproblemen steht die Diskursethik, auf welche von ihnen wollten die jeweiligen Autoren reagieren, und schließlich: Haben sie eine überzeugende Antwort gefunden? Aus der Vergewisserung über die (unverkürzten) Aufgaben einer Diskursethik und der Durchsicht der Begründungsprobleme der bisherigen Versionen heraus wird vorgeschlagen, die Diskursethik als ein "kognitivistisches Rahmenkonzept" zu verstehen, welches normativ unterschiedlich stark gefaßt werden kann und das den Rahmen für jedweden Versuch darstellt, praktische Fragen über Gründe zu entscheiden. Auch die meisten philosophischen Ethiken, die gewöhnlich der Diskursethik entgegengesetzt werden, setzen diese daher in einer mehr oder weniger starken Fassung voraus.