Psalmen : Kirchenmusik zwischen Tradition, Dramatik und Experiment
معرفی کتاب «Psalmen : Kirchenmusik zwischen Tradition, Dramatik und Experiment» نوشتهٔ Geyer, Helen (editor);Wertenson, Birgit (editor)، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag در سال 2013. این کتاب در 47 صفحه، فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Das hier dokumentierte internationale und interdisziplinäre Symposion spürte Themen und Fragestellungen nach, die eng mit dem Projekt der Erforschung der venezianischen Psalmvertonungen in Zusammenhang stehen (www.psalmmusic-database.de). Dieses Projekt, gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung, konnte an unserem Institut angesiedelt werden. In den von uns näher untersuchten Jahrhunderten des Sei-und Settecento zeigt sich auf eine erstaunliche Weise, dass die damaligen Psalmkompositionen in einem gewissen Sinne einen ganzheitlichen Anspruch zu verfolgen scheinen, indem auch visuelle Phänomene (beispielsweise Altarbilder) die Imagination und Illusion bereicherten, unterstützt durch eine offensichtlich immer intensivere klangliche Dramatisierung des vertrauten und vielleicht auch als relativ steril empfundenen sakrosankten Textes. An einer derartigen Entwicklung scheinen nicht zuletzt auch Venedigs vier Frauenkonservatorien einen erheblichen Anteil genommen zu haben, aber nicht nur sie alleine: Es war ganz offensichtlich ein breites Anliegen der katholischen Kirche im Rahmen ihrer "Gegenreformation", den Gläubigen auf vielen Ebenen in den Bann zu ziehen, wobei zugleich auch interne Interpretationen -wenn man so will katechetische Aussagen und dogmatische Ideen -verbreitet wurden, allein durch die Art der Klanglichkeit, der klingenden Disposition. Solches betraf nicht nur die Psalmen, obgleich hier eine möglicherweise exemplarische Konzentration derartiger Kräfte im Zentrum steht, sondern sicher auch andere kirchenmusikalische Gattungen. So sollen im Concertare der hier vorliegenden Beiträge generell die Kirchenmusik mit einem Fokus auf die Psalmvertonungen Venedigs und Fragen zu einem weitläufig gefassten Begriff der "Inszenierung" einem vertiefenden und methodisch möglichst differenzierenden Blick unterworfen werden, verbunden mit dem Anspruch, eine interdisziplinäre Diskussion zu entfachen. Schon seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert lässt sich eine "Emanzipation" des Psalmendeklamierens und Musizierens beobachten, welches zunehmend neue Qualitäten ausformte. Solche Tendenzen verstärkten sich im weiteren Verlauf zu eigenständiger Größe, wobei zugleich vielfältige stilistische Spektren aufscheinen: Immer noch gab es den Psalmenvortrag im Cantus planus, sicher angereichert durch mannigfache Verzierungen und Improvisationen, je nach sängerischem Vermögen, aber stets die Tradition des reinen a capella-Gesanges bewahrend, eventuell mit Bassstützung. Cantus planus-/canto fermo-Singen wurde viele Jahrhunderte hindurch in einem allgemeinen Usus-Sinne gepflegt, so jedenfalls kann man aus Beschreibungen Helen Geyer des späten 18. Jahrhunderts erahnen 1 , und auf diese Weise konnten Kriterien und ästhetische Maßstäbe des Tridentiner Konzils und der späteren Bulle Annus Qui von 1749 vorbildhaft und zugleich sparsam (auch zeitsparsam) umgesetzt werden. Andererseits lässt sich beobachten, dass neue Kriterien spätestens mit dem ausgehenden 17. Jahrhundert einzogen: Sie gehorchten immer mehr modernen Prämissen, wie den Anforderungen nach Rührung, der "sentimentality", und sie kamen auch einem Bedürfnis nach Dramatik verstärkt nach. Grundsätzlich lässt sich eine zumindest subtil wahrnehmbare Ausdifferenzierung nach Institutionen, Anlässen, Gepflogenheiten und auch lokalen Traditionen beobachten -sicher im Zusammenhang mit kirchenpolitischen, aber auch mit politisch gewichteten Vorgaben, wobei freilich nicht zuletzt Aspekte der Repräsentation eine wesentliche Rolle spielten. Ziel war der Gläubige, der Zuhörer, der Teilnehmende an der Liturgie, der zu Andacht, Katharsis und Erstaunen, eventuell zu einer Art Mystik und innerer Erschütterung herangeführt werden sollte. Das Eingebettet-Sein und Sich-Eingebettet-Fühlen in den göttlichen Weltenlauf gehörte zu den Selbstverständlichkeiten des damaligen Lebensgefühls: Noch war die Welt nicht säkularisiert, auch wenn gerade an manchen Kompositionen des relativ frühen 18. Jahrhunderts schon neuartige Interpretationsansätze im Umgang mit den starr fixierten Texten aufscheinen, die die Morgenröte eines anderen und kritischen wie auch selbstbestimmten Zeitgeistes erahnen lassen. Die Psalmvertonungen des 17. und 18. Jahrhunderts stellen eine relative Terra incognita dar; dies verbindet die sehr anspruchsvolle Gattung mit anderen liturgisch nicht minder wichtigen Gattungen, wie den Antiphonen 2 oder den Motetten 3 . In der Regel haben wir es in diesen beiden Jahrhunderten vor allem mit einer handschriftlichen Überlieferung zu tun, und nur bedingt mit einer Druck-Überlieferung; daraus resultiert eine schier unüberschaubare Menge an Manuskripten. Psalmvertonungen entwickelten sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einer bedeutenden musikalischen Gattung, die die Gläubigen in den Bann zog. Dennoch sind sie innerhalb der Musikwissenschaft ein weitgehend unbearbeitetes Feld. Die Beiträge diskutieren ihren Stellenwert im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, das die katholische Kirchenmusik angesichts der Aufklärung und der Abgrenzung zur evangelischen Liturgie dramatisch erschütterte. Um Psalmenvertonungen erstmals umfassend stilistisch und ästhetisch erörtern zu können, kommen dabei musikwissenschaftliche Perspektiven ebenso zum Tragen wie liturgie- und kunstgeschichtliche Fragestellungen
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