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Preußisch, konservativ, jüdisch : Hans-Joachim Schoeps' Leben und Werk

معرفی کتاب «Preußisch, konservativ, jüdisch : Hans-Joachim Schoeps' Leben und Werk» نوشتهٔ Brumlik, Micha، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag در سال 2019. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

Vorwort ## Remigration und die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik 2019 wird es 70 Jahre her sein, dass die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde. Der Rolle der Juden wird dabei auf jeden Fall eine bedeutende erinnerungs-, wenn nicht sogar realgeschichtliche Bedeutung zukommen. Auf jeden Fall wird dabei auch an die 1933 gewaltsam beendeten »Jüdischen Wege ins Bürgertum« (S. Lässig) seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert, ihr katastrophisches Ende und ihren paradoxen Neuanfang nach 1945 zu erinnern sein. Die inneren Widersprüche, fatalen Fehleinschätzungen, getrogenen Erwartungen und trotzigen Hoffnungen haben sich lebensweltlich und wissenschaftlich nirgendwo so deutlich niedergeschlagen wie im Leben und Werk von Hans-Joachim Schoeps. Die geistige, die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik war wesentlich das Werk jüdischer Remigranten, eine Gründung, die sich freilich nicht in offiziellen Gründungakten und eindeutigen institutionellen Dokumenten niederschlug, sondern in teils verängstigten, teils sehnsüchtigen, teils verschämten, teils immer wieder bezweifelten Einzelentscheidungen von Künstlern, Schriftstellern, Intellektuellen und Politikern. Es war ein eher konservativer Soziologe, Clemens Albrecht, der diesem Umstand schon 1999 in einer umfangreichen, von mehreren Autoren verfassten Studie zur Geschichte der sogenannten »Frankfurter Schule« prägnanten Ausdruck verlieh -im Ausblick seiner Studie würdigt er das Werk Theodor W. Adornos und Max Horkheimers: Als Juden, Remigranten, Sozialwissenschaftler und Linksintellektuelle gab es neben ihnen kaum andere Intellektuelle, die glaubwürdiger in der Rehabilitierung deutscher geistiger Traditionen waren. Eben weil der Faschismus für Horkheimer und Adorno kein spezifisch deutsches Phänomen ist, war die (...) Kritische Theorie die einzige Posi- ## Vorwort Betrachter aus rechts sitzende Freund hält eine Pfeife, während Schoeps' rechter Arm, in der linken Hand hält er eine Zigarre, vertraulich auf der Schulter des rechts von ihm sitzenden Freundes liegt. Dabei trägt Schoeps selbst, während seine Freunde Pullover anhaben, leicht räkelnd ein Sakko, unter einem Pullunder ein dunkles Hemd und eine hochgeschlossene Krawatte. Dem Mienenspiel nach zu schließen, ist er mindestens entspannt, wenn nicht gar leicht angetrunken. Strenger, mit kurzem Haar, aber mit ebenso hochgeschlossenem Kragen ist er auf einem Bild mit zwei Damen zu sehen, die ihn rechts und links flankieren -ein Bild, wohl noch aus der Berliner Zeit. Überhaupt: Der hochgeschlossene Kragen: auch ein wohl früher aufgenommenes Bild zeigt ihn auf einem Balkon, lächelnd der Sonne zugewandt in einem weißen Hemd, indes: der Kragen hochgeschlossen. Zwei Ausdrucksformen eines Lebens: jugendbewegt antibürgerliche Kluft hier, bürgerlich verschlossene Oberkleidung dort. Entsprechend zeigt sich der zurückgekehrte Professor in Erlangen im Kreise von Honoratioren und Kollegen wieder mit Anzug und Weste, sogar mit einer Taschenuhr, während eine wohl aus den frühen 1960er-Jahren stammende Aufnahme den alleinerziehenden Vater mit seinen beiden, 1942 und 1944 in Schweden geborenen Söhnen zeigt. Alle drei schauen in die Kamera -Hans-Joachim Schoeps deutlich im Vordergrund, die beiden jungen Männer jeweils rechts und links ernsten Blickes hinter ihm. Schoeps selbst -wie schon vertrautin Anzug, Weste und Krawatte, die linke Augenbraue leicht hochgezogen, während sich die Söhne konzentriert, mal mit entspannten, mal mit angespannten Mundwinkeln präsentieren. Von liebevoller Vertrautheit kann -jedenfalls auf diesem Bild -keine Rede sein. Umso mehr frappiert ein weiteres -aus dieser Sammlung wohl letztes Bild -das Hans-Joachim Schoeps an einem Tisch, wohl in einem Vereinslokal sitzend zeigt, er wieder hochgeschlossen und konzentriertesten Gesichtsausdruck, vor ihm ein Manuskript sowie ein halbvolles Glas und eine Flasche Bier -hinter ihm an der Wand die gerahmte Photographie eines Mannes, die mit einem Trauerbändchen geschmückt ist. Neben ihm stehend ein »Alter Herr« -offensichtlich ein ehemaliger Verbindungsstudent mit einer Verbindungsschirmmütze auf dem Kopf -deutlicher Hinweis auf das Milieu, in dem sich Schoeps bevorzugt aufhielt. Der Blick des neben ihm stehenden ehemaligen Verbindungsstudenten, unter seinem Sakko ist noch sein Verbindungsband zu erkennen, wirkt dabei keineswegs besonders freundlich. Das war Jahre nach der Rückkehr, wahrscheinlich in den 1950er-Jahren -20 Jahre zuvor wurde der junge Jude aus deutschnationalem Elternhaus zum Flüchtling. Wie -das führt zurück in das Jahr 1938 und zwar ausgerechnet an den Vorabend des Weihnachtsfestes. In der Biographie des preußisch gesonnenen, konservativen und jüdischen Religionshistorikers Hans Joachim Schoeps (1909-1980), der seit seiner Jugend Mitglied der bündischen Jugend gewesen ist, 1938 emigrierte und schon 1946 heimwehkrank nach Deutschland zurückkehrte, zeigen sich beispielhaft jene Wünsche, Widersprüche und Enttäuschungen, die deutsche Juden im Zwanzigsten Jahrhundert hegten und verarbeiten mussten. Noch im Deutschland der ersten Jahre des NS Regimes vergeblich darum bemüht, die Anerkennung des judenfeindlichen Regimes zu gewinnen, wurde Hans Joachim Schoeps im spät erreichten schwedischen Exil zu einem bedeutenden, das frühe Christentum auf gänzlich neue Weise erforschenden Religionswissenschaftler. Dem korrespondierte ein existenziell erfahrenes theologisches Engagement, das der Jude Schoeps im Dialog mit der dialektischen Theologie zum Erneuerer eines idealistisch geprägten jüdischen Offenbarungsdenkens werden ließ. Nach seiner trotz seiner Homosexualität in Schweden vollzogenen Heirat kehrte Schoeps sowie früh wie möglich nach (West)Deutschland zurück, was er am Ende seines Lebens bereute. Die inneren Widersprüche, fatalen Fehleinschätzungen, getrogenen Erwartungen und trotzigen Hoffnungen des deutschen Judentums haben sich lebensweltlich und wissenschaftlich nirgendwo so deutlich niedergeschlagen wie in Leben und Werk von Hans-Joachim Schoeps.
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