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Paradoxie und Konsens : Praktiken antikonsensualer Rede in Philosophie und Rhetorik der Antike, Frühen Neuzeit und Moderne

معرفی کتاب «Paradoxie und Konsens : Praktiken antikonsensualer Rede in Philosophie und Rhetorik der Antike, Frühen Neuzeit und Moderne» نوشتهٔ Christian Wilke، منتشرشده توسط نشر Brill در سال 2020. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

Widerspruch gegen Konsens dient der Durchsetzung von Interessen, dem ästhetischen Vergnügen und der Verbreitung der Wahrheit. Der Band wirft Schlaglichter auf die Geschichte einer vergessenen Schlüsselkategorie von der Klassischen Rhetorik bis zur Romantik. Das Phänomen antikonsensualer Rede wird anhand des Begriffs der Paradoxie untersucht, der heute zumeist den logischen Widerspruch meint, im traditionellen Verständnis aber eine Rede oder eine These gegen (gr. pará ) eine allgemeine Meinung (gr. dóxa ) bezeichnet hat. Dabei werden verschiedene Praktiken antikonsensualer Rede nach ihrer Zwecksetzung und ihrer Formgebung unterschieden, die ihrerseits darauf hinweisen, in welchem Verhältnis Mensch, Sprache und Wahrheit jeweils gesehen werden. So wird erstmals ein Bogen von sophistischen Schaureden über moralphilosophische Lehren der Antike und der Renaissance bis hin zu den epochemachenden Aufwertungen des untersuchten Phänomens in Aufklärung und Frühromantik geschlagen. Inhalt Vorwort 1 Einleitung 1.1 Zwei Thesen des Buches: Vorbemerkung 1.2 Ein vergessener Begriff: die ‚Paradoxie‘ vor ihrem grundsätzlichen Bedeutungswandel im 19. und 20. Jahrhundert 1.3 Gegenstand der Untersuchung: fach- und kulturgeschichtliche Stationen antikonsensualer Rede 1.4 Theoretische Grundlagen 1.4.1 „Paradoxe Rede“ als rhetorisches Phänomen 1.4.2 Praktiken antikonsensualer Rede und ihre Grundlage in implizitem Wissen 1.4.2.1 Anthropologisches Wissen 1.4.2.2 Strategisches Wissen 1.4.3 Teilnahme oder Kritik an Praktiken antikonsensualer Rede 1.5 Stand der Forschung zur Paradoxie im traditionellen Verständnis 1.5.1 Allgemeine und allgemein-rhetorische Studien 1.5.2 Historisierende Studien mit Fokus auf verschiedene Programme der Rhetorik oder Philosophie 1.5.3 Literaturgeschichtliche Einzelstudien 2 Die sophistische Kunst des Dagegenhaltens: Gorgias’ Helena 2.1 Einleitung 2.2 Die sophistischen Paradoxien und ihr pädagogischer Nutzen 2.2.1 Liste der überlieferten paradoxen Schaureden 2.2.2 Historisch-politischer Kontext: das demokratische Handlungsfeld der Sophisten 2.2.3 Globales Handlungsziel: Reaktionskompetenz 2.2.3.1 Antilogie: die sophistische Kunst der Widerlegung und ihr universaler Einsatz 2.2.3.2 Schutzfunktion: (paradoxe) Rede als Mittel der Selbstverteidigung 2.3 Epideixis: die Darstellungsstrategie der sophistischen Paradoxien 2.3.1 Epideiktische Beredsamkeit 2.3.2 Zurschaustellung der Fähigkeit zur nützlichen Gegenrede 2.4 Gorgias’ Helena-Rede 2.4.1 Gorgias als Begründer paradoxer Rhetorik 2.4.2 Zur impliziten Rede- und Argumentationslehre der Helena 2.4.3 Gorgias’ Anknüpfung an mythologische Klischees 2.4.4 Die Schwachheit des Menschen: anthropologische Legitimation der Rhetorik 2.5 Die Seite der Kritiker: alternative Praktiken antikonsensualer Rede (Isokrates, Platon) 2.5.1 Isokrates’ Sicht auf paradoxe Rede im Proemium seiner Helena-Rede 2.5.2 Die platonisch-sokratische Praxis antikonsensualer Rede 2.5.2.1 Platons Gorgias: Konfrontation sophistischer und philosophischer Gegenrede 2.5.2.2 Platonischer Gegenentwurf: Apologie des Sokrates 2.5.3 Endoxie und Paradoxie in der aristotelischen Rhetorik und Dialektik 2.5.3.1 Zur positiven Bewertung der Endoxie 2.5.3.2 Zur negativen Bewertung der Paradoxie 3 Stoische Deutung einer politischen Krise: Ciceros Paradoxa Stoicorum 3.1 Einleitung 3.2 Ciceros philosophische Schriftstellerei 3.2.1 Die Paradoxa Stoicorum 3.2.2 Situativer Anlass der Paradoxa Stoicorum 3.2.3 Globales Handlungsziel von Ciceros philosophischer Schriftstellerei 3.2.3.1 Vermittlung eines Wissens, das kritisiert und tröstet 3.2.3.2 Konjekturaler Modus 3.3 Stoische Paradoxien als metaphysische Situationsdefinitionen 3.3.1 Das stoische Verfahren der Umdeutung alltagssprachlicher Wertbegriffe 3.3.2 Ciceros Strategie der Plausibilisierung in den Paradoxa Stoicorum 3.4 Fehlende Legitimation für Paradoxalität bei Stoa und Cicero 3.4.1 Glaubhaftigkeitsgrade (genera causarum) praktisch-konkreter Fälle 3.4.2 Der sensus communis bei theoretisch-abstrakten Fragen 3.4.3 Epistemologisches Hintergrundwissen 3.4.3.1 Erkenntnismodell der realistischen Metaphysik 3.4.3.2 Erkenntnismodell der konjekturalen Metaphysik 4 Ästhetisches Vergnügen für Gebildete: Lukians Lob der Fliege 4.1 Einleitung 4.2 Politische, kulturelle und rhetorische Kontexte 4.2.1 Epideiktische Beredsamkeit in der Monarchie 4.2.2 Neusophistische Paradoxien im Feld kaiserzeitlicher Unterhaltung 4.2.3 Paradoxe Rede als Medium der Solidarisierung 4.3 Konventionen der paradoxen Lobrede in der Zweiten Sophistik 4.3.1 Zur kaiserzeitlichen Gattungstypologie der Lobrede 4.3.1.1 Endoxes, amphidoxes und paradoxes/adoxes Lob bei Menander Rhetor 4.3.1.2 Verstoß gegen die Konvention des Personenlobs 4.3.2 Zur ästhetischen Legitimation der paradoxen Lobrede (Lukian, Fronto und Philostrat) 4.4 Ästhetisches Vergnügen: zur Darstellungsstrategie in Lukians Fliegenlob 4.4.1 Inhalt, Aufbau und Deutungs-Hypothese 4.4.2 Mit feierlichem Ernst über die Fliege reden: Zitate aus Wissenschaft, Mythos und Literatur 4.4.3 Mythos der Myia als ‚ausgeklügelte Lügengeschichte‘ 4.5 Zum Globaltelos neusophistischer Unterhaltungskunst 4.5.1 Zeitvertreib und Erholung für die Oberschicht 4.5.2 Anerkennung des normalen Lebens: Lukians Affinität zur pyrrhonischen Skepsis 5 Kritik und Anerkennung: Erasmus’ von Rotterdam Lob der Torheit 5.1 Einleitung 5.2 Parrhesiastische Eloquenz: humanistische Reform des Triviums 5.2.1 Humanistische Dialektik und christliche Parrhesia 5.2.2 Rhetorik 5.3 Christliche Paradoxalität und Ambiguität im Enchiridion 5.3.1 Erasmus’ Handlungsstrategie der Öffnung des christlichen Glaubens 5.3.2 Paradoxalität: zur Zwiespältigkeit ihres Inhalts und ihrer Legitimation 5.4 Das Lob der Torheit: Moraltheologie und ihre stilistische Überformung 5.4.1 Emphatisierung paradoxer Aufwertung der Frömmigkeit 5.4.2 Emphatisierung paradoxer Entwertung des unchristlichen Lebens 5.4.3 Umgänglichkeit: Kultivierung der christlichen Parrhesia 5.4.4 Das Lob der Torheit als vielstimmige Mitteilung von religiösem Wissen 5.5 Alles hat zwei Seiten: die Sileni Alcibiadis als Rechtfertigung paradoxer Rede 6 Pluralistisches Selbstdenken: ‚Paradoxie‘ in der Aufklärung 6.1 Einleitung 6.2 Selbstdenken: Apologien der Paradoxie bei Zedler und Kant 6.2.1 Anthropologische Legitimierung der Paradoxie (Kant) 6.2.2 Kants Maximen des gemeinen Menschenverstands 6.2.3 Aufklärung als globales Handlungsziel paradoxer Rede 6.3 „Paradoxomanie“: Warnung vor Entnormierungsgefahr 6.3.1 Aufklärerische vs. humanistische Verträglichkeit: Meiners’ Revision der Philosophie 6.3.2 Abbé André Morellets Theorie des Paradoxen 6.3.3 Noch eine Warnung: Johann Georg Wiggers’ Kritik an der „Paradoxomanie“ 6.4 Zur Anregungsfunktion der Paradoxie: F.H. Lachmanns Über das Paradoxe 6.5 Vom Appell zur Bildung: die offene Frage nach der Genese des Selbstdenkens 7 Reizmittel des Denkens: ‚Paradoxie‘ in der Frühromantik 7.1 Einleitung 7.2 Der Übergang von der Aufklärung zur Frühromantik: Paradoxie als Anregung zum Selbstdenken 7.3 Friedrich Schlegels Modifikation der aufklärerischen Maximen des gemeinen Menschenverstands 7.3.1 Das Unendliche: Widerstreit des Bewusstseins mit sich selbst 7.3.2 Von der Geschichte des Bewusstseins zur Historisierung der allgemeinen Meinung 7.3.3 Ambivalente Aufladung der Paradoxie: die philosophische Äußerung zwischen Widerlegung und Bildung 7.4 Streit als Kur der Vereinzelung des Lebens: Dosierte und verstetigte Konsens-Kritik 7.4.1 Dosierung der Paradoxie 7.4.2 Zwischen der Norm der Abweichung und dem „Gebot der Schicklichkeit“: Schleiermachers Theorie der Geselligkeit 7.4.3 Verstetigung der Paradoxie 7.4.4 Paradoxie und Konsens bei Friedrich Karl Forberg 7.5 Kritik am logisch-konsistenten System 7.5.1 Integration der Paradoxie in die freie Form (Schlegel) der Philosophie 7.5.2 Schlegels Essay Über die Unverständlichkeit 7.5.3 Utopische Intensivierung: Novalis’ höchstes Paradoxon 8 Zusammenfassung: Vorschlag einer Heuristik Literaturverzeichnis
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