Paradiesgarten oder Gefängnis?: Das Nürnberger Katharinenkloster zwischen Klosterreform und Reformation. Dissertationsschrift
معرفی کتاب «Paradiesgarten oder Gefängnis?: Das Nürnberger Katharinenkloster zwischen Klosterreform und Reformation. Dissertationsschrift» نوشتهٔ Barbara Steinke، منتشرشده توسط نشر Mohr Siebeck GmbH & Co. KG در سال 2020. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Das Dominikanerinnenkloster St. Katharina gilt als eines der bedeutendsten deutschen Frauenklöster des Spätmittelalters. Seit seiner Reformierung im Jahr 1428 nahm es eine Vorreiterrolle innerhalb der dominikanischen Observanzbewegung ein. Seine Mitglieder galten weit über Nürnberg hinaus als Vorbilder des gestrengen monastischen Lebens. Die vom Geist der spätmittelalterlichen Kloster-reformatio getragene Theologie und im Kloster praktizierte Frömmigkeit sowie das von den Nonnenseelsorgern propagierte Spiritualitätsideal erfahren knapp hundert Jahre nach der Reform schroffe Ablehnung durch protestantische Theologen. Ihrer Meinung nach sind Frauen von Gott nicht zu einem jungfräulichen Leben hinter Klostermauern, sondern vielmehr zu Ehe und Mutterschaft bestimmt. Zu den Zielen der vom Nürnberger Rat geförderten und von weiten Kreisen des Patriziats befürworteten Reformation zählte daher die Abschaffung des Frauenklosters. Die Biographien einzelner Nonnen, die aus Überzeugung oder aufgrund mehr oder weniger massiven Drängens ihrer Familienmitglieder austraten, beleuchten in ihrer Verschiedenheit Umstände und Folgen, die für Frauen aus einem Klosteraustritt resultierten. Ungleich größer jedoch war die Zahl derer, die im Kloster verharrten. Barbara Steinke zeigt, daß der Widerstand, den sie gegen die Klosterauflösung leisteten, aus genau den Idealen gespeist wurde, die während der Klosterreform definiert und gestärkt worden waren. Cover Titel Vorbemerkungen zur Zitierweise Einleitung I. Das Verhältnis von Observanzbewegung und lutherischer Reformation in Nürnberg 1. Zum Bedingungsgefüge von Observanz und Widerstand angesichts drohender Klosterauflösung 1.1. Der erste Reformversuch in St. Katharina 1.2. Die Rückführung zur Regelobservanz 1428 1.2.1. Verlauf 1.2.2. Motive der einflussnehmenden Parteien für die Reformierung: St. Katharina zwischen städtischen, bischöflichen, päpstlichen und ordensinternen Interessen 1.3. Konventsinterne, inhaltliche Reformen im Sinne einer Redefinition des weiblichen Religiosentums 1.3.1. Die Stärkung der vita communis: Problematisierung bzw. Funktionalisierung von Frauenmystik innerhalb der dominikanischen cura monialium 1.3.2. Die Rückbesinnung auf das Gebet als das Proprium des weiblichen Klosterwesens 1.3.3. Reformacio tam morum quam murorum: Äußere und innere Klausur als sichtbare und unsichtbare Manifestationen der Ordensreform 1.4. Das Paradoxon der Klausur: Personentransfer, Bücheraustausch und Eigentätigkeit der Nonnen innerhalb der Observanzbewegung 2. Der reformierte Konvent St. Katharina während der Nürnberger Stadtreformation: Chancen und Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten II. Theologischer Umbruch: Kontrastierung der Innenperspektive des Konvents mit der Aussenperspektive protestantischer Klosterkritiker 1. Rekonstruktion vorreformatorischer Spiritualität, Theologie und Frömmigkeit im observanten Kloster St. Katharina 1.1. Formen, Zeugnisse und Charakter spätmittelalterlicher Nonnenunterweisung 1.1.1. Georg Falder-Pistoris: biographischer Ausschnitt und Zeugnisse seiner Tätigkeit als Nonnenseelsorger 1.1.2. Transfer observanter weiblicher Frömmigkeitsunterweisung über Ordensgrenzen hinweg und ihre Rekontextualisierung in St. Katharina 1.1.2.1. Die Enzyklopädie für praktische Fragen des Klosterlebens: ursprüngliche Entstehungssituation und Form der Überlieferung in St. Katharina 1.1.2.2. Verfasserschaft, Adressatinnen und Inhalt der acht Sendbriefe in Cent. VI, 46d, fol. 104r–135r 1.1.2.3. Rezeption und Rekontextualisierung 1.1.2.4. Diskussion der Verfasserfrage 1.1.3. Selbstverständnis und inhaltliche Schwerpunktsetzung des anonymen Vertreters der ersten Reformbewegung und des Georg Falder-Pistoris 1.2. Innerklösterliche Bewertung des status religionis 1.2.1. Die Legitimation des klösterlichen Standes 1.2.1.1. Die Begründung des Ordenslebens in der Heiligen Schrift 1.2.1.2. Zur Relation von Klostergehorsam, Elterngehorsam und Vokationsgehorsam 1.2.2. Das monastische Indikativ-Imperativ-Prinzip 1.2.2.1. „Erforschet deinen rufe, wie dich got, der herre, gezogen hat, also daz du mugest bekennen, was dir furbas ze tun sey!“ Berufung als Zuspruch und Anspruch 1.2.2.2. Verhältnisbestimmung von göttlichem Gnadeneinfluss und menschlicher Eigenbeteiligung in der Bußlehre 1.2.2.2.1. Die Bußtheologie des Georg Falder-Pistoris 1.2.2.2.2. „Nach der rew gehort die peicht.“ Die Bedeutung des Beichtsakraments 1.2.2.2.3. Der Klosterstand als locus poenitentiae. 1.2.3. Heilsgewissheit im „Stand der Vollkommenheit“ 1.2.3.1. Die Profess als zweite Taufe 1.2.3.2. Formulierungen absoluter und relativer Heilssicherheit durch ein Leben im Klosterstand 1.2.3.3. Das Fehlen absoluter Sicherheit als Mittel zum Zweck? Funktionszuweisungen innerklösterlicher Heilsunsicherheit 1.3. Lieben, Streben, Leiden und Erleben als affektive und mit den Sinnen wahrgenommene Komponenten spätmittelalterlicher Nonnenfrömmigkeit 1.3.1. Elemente der Braut- und Erlebnismystik 1.3.1.1. Ausläufer der hochmittelalterlichen Braut- und Erlebnismystik 1.3.1.2. Mystische Gottessuche am Vorabend der Reformation: Hendrik Herps ‚Spiegel der Vollkommenheit‘ 1.3.1.2.1. Herkunft und Inhalt 1.3.1.2.2. Abwertung erlebnismystischer Phänomene 1.3.1.2.3. Der Vorrang der Liebe über den Verstand 1.3.2. Christologisch begründete Leidensmentalität: Die Freude am Leid 1.4. Die Implikationen des Keuschheitsgelübdes 1.4.1. Das monastische Jungfrauenideal 1.4.1.1. Kontinuität und Wandel in der historischen Entwicklung 1.4.1.2. Definition wahrer Jungfrauschaft in St. Katharina im 15. Jahrhundert 1.4.2. Die Nonne als sponsa Christi 1.4.2.1. Anleihen des Benediktionsritus bei zeitgenössischen Eheschließungszeremonien 1.4.2.2. Die Vergegenwärtigung der desponsatio: Auswirkungen auf die gelebte Christusbeziehung und Christologie 1.4.3. Vergleich der geistlichen mit der weltlichen Ehe 1.4.3.1. Evaluation und Pastoration der weltlichen Ehe in Nürnberger Predigten und Unterweisungen für Laien 1.4.3.2. Die Höherwertigkeit der geistlichen über die weltliche Ehe innerhalb der cura monialium 1.4.4. Eschatologische Konsequenzen: vom besonderen Lohn der Jungfrau 1.4.4.1. Der Platz der Jungfrauen in der himmlischen Ordnung 1.4.4.2. Die Exklusivität der ewigen Freude der Jungfrauen: Differenzierung zwischen allgemeiner Krone (aurea) und besonderem Krönlein (aureola) 1.4.5. Vom geistlichen Ehebruch: graduelle Unterschiede, Konsequenzen und Vermeidungstrategien 1.5. Mögliche Auswirkungen der klösterlichen Spiritualität und Frömmigkeit auf die Eigenwahrnehmung der Dominikanerinnen 2. Die protestantische Opposition gegen den Klosterstand in St. Katharina 2.1. „Ja, du bisst auch bey dem hayl deiner selen schuldig, solch glübd zu verlassen, nit mynnder, dann ob du gelobt hettest, vatter und muter zu erwürgen“. Lazarus Spenglers Brief ‚Contra vitam monasticam‘ an die Dominikanerin Barbara von Ploben: Historischer Hintergrund und Inhalt 2.2. „So sag ich oͤffentlich, das auß dem Closter geen koͤstlich vnd loͤblich vor Gott ist vnd darvon gelauffen ye er ye besser, vnd vil besser betteln gehen, dann in einem solchen standt bleyben.“ Der Sendbrief des protestantischen Predigers Johannes Schwanhäuser an die Priorin Veronika Bernhartin 2.2.1. Zur Person Johannes Schwanhäusers 2.2.2. Die Frage nach der Adressatin 2.2.3. Inhalt und historischer Hintergrund 2.3. Abhängigkeit Spenglers und Schwanhäusers von der theologischen Argumentation Luthers 3. Illustration des theologischen Umbruchs: Kontrastierung altgläubiger Positionen mit der protestantischen Argumentation 3.1. „Eyn weybs bild ist nicht geschaffen, jungfrau zu seyn, sondern kinder zu tragen“ (Luther). Die fundamentale Neubewertung der Rolle der Frau 3.2. Die Unvereinbarkeit des monastischen Lebens mit der reformatorischen Rechtfertigungstheologie 3.3. Die Beschränkung der Offenbarungsquellen göttlichen Willens auf die Schrift 3.4. Die Abwertung der geistlichen Mutterschaft und des Klostergehorsams zugunsten der leiblichen Mutterschaft und individueller Entscheidungskompetenz 3.5. Utilitaristische Infragestellung der Existenzberechtigung altgläubiger Nonnen in einer protestantischen Stadtgemeinschaft III. Praktische Folgen der neuen Lehre: Austritt oder Verbleib? 1. Als aus hochgelobten „gesponsen Christi“ weltliche Ehefrauen oder renitente Nonnen wurden: Der wachsende Antiklerikalismus und die Folgen des Religionsgesprächs 2. Reaktionen der Nonnen auf die reformatorische Verunsicherung 2.1. Quellenlage 2.2. Klosteraustritte 2.2.1. Klosteraustritte aufgrund von Einflussnahme durch Familienmitglieder 2.2.2. Klosteraustritte aus religiöser Überzeugung 2.2.3. Klosteraustritte aus persönlichen Motiven 2.2.4. Bei Klosteraustritten auftretende Probleme 2.3. Beharren auf der alten Lehre: Der Widerstand der verbleibenden Nonnen und das Ende des Klosters 2.3.1. Zahlenverhältnisse 2.3.2. „Wir aber haben vns ihrer durch Gottes hilff erwehrt!“ Zeichen aktiven und passiven Widerstands 2.3.2.1. Heimliches Einschleusen neuer Schwestern 2.3.2.2. Wiederholte Hilferufe an den Kaiser 2.3.2.3. Fehlende Unterstützung seitens des Ordensverbands 2.3.3. Finanzieller Ruin 2.3.3.1. Steigende Abhängigkeit vom Rat in Geldangelegenheiten 2.3.3.2. Zunehmende Verschuldung 2.3.3.3. Wegfall der Einnahmen 2.3.3.4. Die Übernahme der Verwaltung und das Ende des Klosters 3. Zusammenfassung IV. St. Katharina in Nürnberg: ein typisches Klosterschicksal? Vergleich mit der Reformationsgeschichte der Konvente in Bamberg und Engelthal 1. Zur Reformationsgeschichte der Engelthaler Dominikanerinnen 1.1. Spezifische Ausgangssituation Engelthals: späte und unfreiwillige Klosterreform im Jahr 1513 1.2. Der Engelthaler Schwesternkonvent zwischen Beharrung und Anpassung während der reformatorischen Verunsicherung 1.2.1. Austrittsrate 1.2.2. Kampf für den Erhalt des Klosters 1.2.3. Spaltungen konfessioneller und personeller Art 1.2.4. Reformatorisch gesinnt und dennoch Klosterfrau auf Lebenszeit 1.3. Zusammenfassung 2. Der Bamberger Dominikanerinnenkonvent Zum Heiligen Grab in der Reformationszeit 2.1. Das Scheitern der frühreformatorischen Bewegung und der Fortbestand des Katholizismus in Bamberg 2.2. Die Auswirkungen der Reformation auf das Heilig-Grab-Kloster 2.2.1. Plünderung im Bauernkrieg und im Markgräflerkrieg 2.2.2. Klosteraustritte 2.3. Zusammenfassung 3. Evaluation verschiedener Einflussfaktoren auf das Verhalten der Frauen in den drei Konventen 3.1. Intensität und Zeitpunkt der Klosterreform 3.2. Weltliche Obrigkeit 3.3. Sozialisationsfaktor Familie V. Schluss Ergebnisse Anhang I. Beschreibung des handschriftlichen Textkorpus (Unterweisungstexte aus der ehemaligen Klosterbibliothek in St. Katharina) II. Liste der im Kloster verbliebenen Schwestern III. Statistische Auswertung der Klosterrechnungen IV. Abbildung und Transkription der Professerklärung der Walltburg Walltherin aus dem Jahr 1569 Bibliographische Abkürzungen Literaturverzeichnis Quellen Forschungsliteratur Literatur/Hilfsmittel aus dem Internet Register Ortsregister Personenregister Sachregister Barbara Steinke. Originally Presented As The Author's Thesis (doctoral) - Friedrich-alexander-universität Erlangen/nürnberg, 2005. Includes Bibliographical References (p. 376-409) And Indexes.
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