Organisiertes Misstrauen und ausdifferenzierte Kontrolle: Zur Soziologie der Polizei (Organisationssoziologie) (German Edition)
معرفی کتاب «Organisiertes Misstrauen und ausdifferenzierte Kontrolle: Zur Soziologie der Polizei (Organisationssoziologie) (German Edition)» نوشتهٔ Martin Weißmann، منتشرشده توسط نشر Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Springer VS در سال 2023. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Martin Weißmann legt in diesem Open-Access-Buch theoretische Synthesen zu zentralen Themen der interdisziplinären Polizeiforschung vor und leistet damit einen Beitrag zur Integration dieser ansonsten oft empiristischen Forschung in die stärker theorieorientierte Soziologie. Er schlägt vor, (Kriminal-)Polizeien als Fall misstrauischer Sozialsysteme zu analysieren. Wie beispielsweise auch Geheimdienste oder der Investigativjournalismus sind sie auf die Gewinnung von Informationen über eine Umwelt spezialisiert, welche dies durch Prozesse des Verbergens und Täuschens erschwert. Empirisch behandelt das Buch zunächst die (Vor-)Geschichte polizeilicher Ermittlungsarbeit in Europa als Fall der Ausdifferenzierung, Professionalisierung und Organisationswerdung sozialer Kontrolle (untersucht an den Fällen Englands im 18. Jahrhundert sowie der Kriminalpolizeien in Paris um 1820 und Berlin um 1920). Die anschließenden Kapitel widmen sich der Arbeit von Polizisten mit Informanten und an Beschuldigten (in der Vernehmung) als Fall des Kontakts einer organisationalen Grenzrolle mit formal nicht zur Kooperation verpflichteten Nichtmitgliedern der Organisation. Und schließlich analysiert der Autor den polizeilichen Korpsgeist als Fall einer kollegialen Versicherungsgemeinschaft gegen die individuelle Verantwortlichkeit für Fehler bei der Arbeit. Vorwort Inhaltsverzeichnis Teil I Einleitung 1 Geschichte und Zustand der sozialwissenschaftlichen Polizeiforschung 1.1 Stationen der deutschsprachigen Polizeiforschung 1.2 Klassiker und zentrale Einsichten der englischsprachigen Polizeisoziologie 1.3 Zum Zustand der deutschsprachigen Polizeiforschung 1.4 Themen, Absicht und disziplinäre Verortung dieses Buches Teil II Ausgangspunkte und Perspektiven. Die (Kriminal-)Polizei als misstrauisches Sozialsystem und Polizeiarbeit als Arbeit an den Grenzen des Rechts 2 Vertrauen, Misstrauen, Paranoia. Misstrauische Sozialsysteme als Systemtyp 2.1 Informationsgewinnung als elementares Systemproblem 2.2 Geheimnisaufklärung als zentrales Problem misstrauischer Sozialsysteme 2.3 Vertrauen und Misstrauen als generalisierte Umwelteinstellungen 2.3.1 Vertrauen als riskante Vorleistungen und Reaktion auf ein Informationsproblem 2.3.2 Misstrauen als funktionales Äquivalent zu Vertrauen 2.3.3 Probleme und Grenzen misstrauischer Umwelteinstellungen 2.4 Vertrauen, Misstrauen, Paranoia: Misstrauische Sozialsysteme als Systemtyp mit typischen Systemproblemen 2.4.1 Zum Beispiel I: Die paranoide Selbstzerstörung der Roten Khmer 2.4.2 Zum Beispiel II: Die Stasi und ihre uninformativen Informanten 2.4.3 Vertrauen, Misstrauen und Paranoia als dominante Umwelteinstellungen sozialer Systeme 2.4.4 Zusammenfassender Exkurs: Goffmans ‚Ausdrucksspiele‘ als inhaltliche Anregung und methodisches Vorbild 2.5 Ausblick: Die Unterscheidung von Vertrauen und Misstrauen als analytisches Werkzeug 3 Grenzrollen und Grenzsysteme. Zur soziologischen Theorie des Handelns an den Grenzen sozialer Systeme 3.1 Konzeptionelle Ausgangspunkte: Grenzrollen und Grenzstellen, Grenzsysteme und Kontaktsysteme 3.2 Doppelmitgliedschaft als Strukturmerkmal von Grenzrollen 3.3 Die Freiheit des Publikums als Strukturmerkmal von Grenzsystemen 3.3.1 Das Problem: Der Bedarf an generalisiertem Einfluss innerhalb der Grenzen sozialer Systeme und über Systemgrenzen hinweg 3.3.2 Die Lösung: Die (unvollkommene) Formalisierung von Verhaltenserwartungen in Grenzsystemen und anderen mitgliedschaftsbasierten Sozialsystemen 3.3.3 Grenzstellen als Sonderfall von Grenzrollen: Die Formalisierung mitgliedschaftsbasierter Sozialsysteme als Variable 3.3.4 Mechanismen zur Reduzierung der faktischen Freiheit von Nichtmitgliedern in Grenzsystemen 3.4 Funktionen und Leistungen von Grenzrollen in Grenzsystemen 3.4.1 Vollzug von Systemleistungen an und vor Nichtmitgliedern: Grenzrollen als ausführende Organe des Systems 3.4.2 Informationsgewinnung: Grenzrollen als Sammler, Filter und Träger von Informationen 3.4.3 Repräsentation: Grenzrollen als Gesichter und Boten des Systems 3.4.4 Vermittlung: Grenzrollen als Übersetzer und Schlichter 3.4.5 Zwischenfazit: Grenzrollen als multifunktionale Einheiten mit widersprüchlichem Auftrag 3.5 Zwischenbetrachtung in generalisierender Absicht: Zur faktischen Symmetrisierung eines manifest asymmetrischen Auftrags von Grenzrollen in Grenzsystemen 3.6 Going native, misstrauische Entsendesysteme und die Aussicht auf Machtgewinn: Charakteristika und Handlungsprobleme von Grenzrollen in Grenzsystemen 3.6.1 Kleine Illoyalitäten: Devianz und Misstrauen an der Grenze 3.6.2 Macht: Gute Beziehungen, wertvolle Informationen und begehrtes Wissen als Machtquellen der Grenzarbeit 3.7 Forschungsperspektiven: Funktionen und Folgen vager Mitgliedschaftsverhältnisse und die Grenzschärfe sozialer Systeme als Variable 4 Die drei Funktionen des Äquivalenzfunktionalismus. Analyse, Begriffsbildung, Kritik 4.1 Äquivalenzfunktionalismus als Methode empirischer Rekonstruktion 4.2 Äquivalenzfunktionalismus als Methode problembezogener Begriffsbildung 4.2.1 Recht, Wirtschaft, Politik: Funktionssysteme als Problemsysteme 4.2.2 Formale Organisationen als Konsensmaschinen 4.2.3 Problemzusammenhänge statt Merkmalslisten: Professionelle Arbeit als riskantes Handeln unter Handlungszwang 4.2.4 Zwischenfazit: Problembegriffe als Instrumente systemtheoretischer Forschung 4.3 Äquivalenzfunktionalismus als Methode soziologisch disziplinierter Sozialkritik 4.3.1 Überlegungen zur Methodologie systemtheoretischer Kritik anhand der Frage, ob und wann die (Kriminal-)Polizei das Recht brechen sollte, um es durchzusetzen 4.3.2 Gütekriterien systemtheoretischer Kritik 4.3.3 Gegen zwei Selbsttäuschungen der zeitgenössischen Systemtheorie: Funktionalistische Kritik als normatives Projekt auf unsicheren Beinen 4.4 Schluss: Äquivalenzfunktionalismus als Methode soziologischer Forschung Teil III Zur Soziologie der Polizei 5 Organisierte Informationsgewinnung. Zur Geschichte polizeilicher Ermittlungsarbeit 5.1 Zur Ausdifferenzierung und Organisationswerdung der Strafverfolgung: Constables, Thief-taker, Associations for the Prosecution of Felons und die Londoner Bow Street Runners (England ca. 1690–1800) 5.1.1 Öffentliche Sicherheit und Ordnung als Gemeinschaftsaufgabe und Strafverfolgung als Privatsache 5.1.2 Soziale Kontrolle – Ausdifferenzierung und Autonomie als Variablen 5.1.3 Aufstieg, Funktionen und Skandale einer Berufsgruppe: ‚Thief-taker‘ als Grenzrolle zwischen Täter, Opfer und Justiz und die Defizite nicht-organisierter Strafverfolgung 5.1.4 Zur Organisationswerdung der Strafverfolgung: ‚Associations for the Prosecution of Felons‘ und die Londoner ‚Bow Street Runners‘ als Frühform organisierter Strafverfolgung 5.1.5 Schluss: Die Verorganisierung einer gesellschaftlichen Funktion und ihre Folgen 5.2 Funktionen und Folgen einer Karriere auf beiden Seiten des Rechts: Eugène François Vidocq und die inoffizielle Gründung der Pariser Kriminalpolizei im Jahr 1811 5.2.1 Eugène François Vidocq (1775–1857): Häftling, Gefängnisspitzel und Leiter der Pariser Kriminalpolizei 5.2.2 Polizeiarbeit unter Napoleon und Fouché 5.2.3 Vidocqs Sûreté Nationale und die Quellen ihres Erfolges 5.2.4 Schluss: Nebenfolgen der Professionalisierung von Polizeiarbeit und der polizeiliche Bedarf an einer strukturierten Welt der Delinquenz 5.3 Die organisierte Unterwelt als informale Ordnungsmacht: Die Berliner Kriminalpolizei und ihr Verhältnis zu den Ringvereinen in der Weimarer Republik (1918–1933) 5.3.1 Die Berliner Kriminalpolizei in den frühen Jahren der Weimarer Republik 5.3.2 Ringvereine in Deutschland: Entstehungsgeschichte und Mitgliedschaftsbedingungen 5.3.3 Tätigkeitsfelder der Ringvereine und Funktionen für ihre Mitglieder 5.3.4 Ringvereine als informale Ordnungsmacht der Unterwelt 5.3.5 Ringvereine als Teil der guten Gesellschaft 5.3.6 Zum Verhältnis von Ringvereinen und Kriminalpolizei 5.3.7 Polizeiliche Strategiedebatten: Bekämpfung oder Kontrolle des Verbrechens? 5.3.8 Zum Beispiel: M – Eine Stadt sucht einen Mörder 5.3.9 Schluss: Kampf und Kooperation am Beispiel der Berliner Ringvereine 5.4 Exkurs zur Begriffs- und Organisationsgeschichte der Polizei (in Preußen) 6 Verräter und Spione. Die Informanten der Kriminalpolizei 6.1 Wozu Informanten? Das unverpflichtete Nichtmitglied als (un)bewegter Beweger der Strafverfolgung 6.2 Verräter und Spione: Skizze einer Typologie der Informanten der Polizei und anderer ermittelnder Sozialsysteme 6.3 Die Formalisierung der Informantenrolle und ihre Grenzen 6.4 Motivationsprobleme potenzieller Informanten und ihre Bearbeitung 6.5 Der Erfindungsreichtum der Informanten und die Einschätzung ihrer Glaubwürdigkeit 7 Synthese zu Kapitel 5 und 6: Polizieren als Arbeit an der Grenze des Rechts und die Grenzen möglicher Rechtsdurchsetzung 8 Wohlwollende Zweifel und simulierte Rechtsberatung. Die polizeiliche Beschuldigtenvernehmung als Grenzsystem 8.1 Geschichte und Formalordnung der polizeilichen Beschuldigtenvernehmung 8.2 Der empirische Befund: Beschuldigte reden, wenn sie schweigen könnten (und sollten) 8.3 Die soziologische Erklärung: Die Beschuldigtenvernehmung als Grenzsystem und wohlwollende Zweifel als typische Gesprächshaltung des Vernehmers 8.3.1 Vertrauensaufbau als Prozess: Über taktvolle Gesprächseinstiege und die Etablierung von Interaktionsnormen 8.3.2 Macht und Tausch: Aufbau einer Drohkulisse und Angebot der Komplizenschaft 8.3.3 Kommunikative Zugzwänge, das Protokoll als Grenzobjekt und die Inszenierung des Vernehmers als interesseloser Rechtsberater 8.4 Zwischenfazit: Die Beschuldigtenvernehmung als Trickbetrug und die komplizierte soziologische Suche nach einer gerechten Rechtspraxis 8.5 Exkurs in vergleichender Absicht: Irreguläre Vernehmungen durch Privatpersonen und verdeckte Ermittler 8.6 Schluss: Die Beschuldigtenvernehmung als simulierte Rechtsberatung und besonderer Fall der Informationsgewinnung in strategischen Interaktionen 9 Fehler bei der Arbeit. Der polizeiliche Korpsgeist als Fall einer berufsgruppenspezifischen Versicherungsgemeinschaft 9.1 Warum schweigen Polizisten, wenn sie reden sollen (und wollen)? 9.2 Die sozialwissenschaftliche Beobachtung: Ubiquität und Ausprägung des ‚Code of Silence‘ als informale Norm in polizeilichen Dienstgruppen 9.3 Etablierte Erklärungsangebote in der Soziologie: Kameradschaftsnormen in Gefahrengemeinschaften, insbesondere der Polizei 9.3.1 Klassische Deutungen zum Zusammenhang von äußerer Bedrohung und innerer Solidarität: Georg Simmel und Lewis Coser 9.3.2 Berufsgruppen als Gefahrengemeinschaften und Kameradschaft als Sonderform von Kollegialität 9.3.3 Wie gefährlich ist der Polizeiberuf? 9.3.4 Wie riskant ist der Polizeiberuf? Zum hohen Bedarf an kollegialer Unterstützung bei der Polizeiarbeit 9.4 Berufsgruppen als Versicherungsgemeinschaften: Themen und Thesen einer Soziologie des Umgangs mit Fehlern bei der Arbeit 9.4.1 Einheit und Funktion beruflicher Gemeinschaften: Zur Vergemeinschaftung arbeitsbezogener Risiken 9.4.2 Defensive Berufsgruppensolidarität als empirisch bestimmbare und erklärbare Variable 9.5 Polizei als Profession? Exkurs zum Zusammenhang von Technologiedefizit, people processing und professioneller Arbeit 9.6 Kleinere Missgeschicke, eindeutige Kunstfehler und unverzeihliche Fehltritte: Zur berufsgruppeninternen Kategorisierung beruflicher Fehlleistungen 9.6.1 Die soziale Institutionalisierung von Fehlertoleranz und die Entkopplung von Verantwortung und Verantwortlichkeit als Problemlösung mit Folgeproblemen 9.6.2 Zwischenfazit: „Versicherungsgemeinschaft“ und „Gefahrengemeinschaft“ – doch nur zwei Worte für die gleiche Sache? 9.7 Synthese: Folgenreiche Rechtsfehler als zentrales Berufsrisiko von Polizisten und der polizeiliche Korpsgeist als Fall einer berufsgruppenspezifischen Versicherungsgemeinschaft 9.7.1 Zur Fehleranfälligkeit von Polizeiarbeit 9.7.2 Folgenreiche Rechtsfehler bei der Arbeit als zentrales Berufsrisiko von Polizisten 9.7.3 Brauchbare und unbrauchbare Illegalität in der Polizeiarbeit 9.8 Was tun? Möglichkeiten und Grenzen der (Selbst-)Kontrolle von Polizeiarbeit Teil IV Schluss 10 Wozu soziologische Theorie? 10.1 Soziologische Theorie als Ausgangspunkt, Relevanzfilter und Resonanzraum empirischer Forschung 10.2 Das Verhältnis dieser Arbeit zur empirischen Polizeiforschung 11 Themen und Thesen dieses Buches Literatur
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