NS-Propaganda im 21. Jahrhundert : Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung
معرفی کتاب «NS-Propaganda im 21. Jahrhundert : Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung» نوشتهٔ Kuchler, Christian (editor)، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag; Bohlau Verlag GmbH u. Co. KG در سال 2014. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
NS-Propaganda zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung 7 Christian Kuchler ## NS-Propaganda zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung Die Geschichts-und Erinnerungskultur ist in Deutschland ebenso wie in weiten Teilen Mitteleuropas dominiert vom Umgang mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Keine andere Epoche ist auch nur annähernd so präsent im öffentlichen Bewusstsein, aber auch die wissenschaftliche Forschung nimmt sich weiterhin des Themas an. Einen Teilaspekt der Zeit haben in den letzten Jahren jedoch sowohl öffentliche Geschichtskultur als auch Fachwissenschaft erstaunlich wenig thematisiert: den Umgang der Gesellschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts mit den Hinterlassenschaften der Propaganda des NS-Regimes. Unter Leitung von Joseph Goebbels war es ein zentrales Ziel der Nationalsozialisten gewesen, durch eine umfassende Beeinflussung die Einstellungen, Verhaltensweisen und Überzeugungen der Bevölkerung im Deutschen Reich zu verändern. Um dies zu gewährleisten, versuchten verschiedene Stellen, die öffentliche Kommunikation zu lenken. Vor allem die Massenmedien, wie etwa Film, Rundfunk oder Printmedien, sollten dazu ihren Beitrag leisten. Weit über die bekannte und wissenschaftlich erforschte Propaganda -etwa Leinwandproduktionen wie Jud Süß, Ich klage an oder Kolberg, Hitlers Mein Kampf oder Zeitungen wie Völkischer Beobachter, Der Stürmer oder Das Reich -hinaus entstanden Tausende von ganz unterschiedlichen Erzeugnissen, die in diesem Sinne als NS-Propaganda zu bezeichnen sind. Die gesamte öffentliche Kommunikation war staatlich beaufsichtigt, sodass es vor allem in den öffentlichen Medien nicht zu einem freien Meinungsaustausch kommen konnte. Wohl erst in diesem Klima war es der Propaganda des Regimes möglich, nachhaltig auf die Einstellung der Menschen zu wirken. Innerhalb des geschlossenen Kommunikationsraums der Diktatur blieb Widerspruch oft unmöglich oder konnte bestenfalls im engen Kreis von einzelnen Teilöffentlichkeiten ausgetauscht werden. Daraus resultierte der Eindruck der Zeitgenossen, wonach die Propagandamaschinerie der 7 Willi Winkler, Vor Tische las man ́s anders, in: Süddeutsche Zeitung vom 13. Dezember 2012. 8 So debattierte etwa der Bayerische Landtag erneut über die Bedeutung des Editionsvorhabens, siehe: http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/ article124103451/Mein-Kampf-kann-kommen-ohne-bayerisches-Geld.html (1.2.2014). 9 Bernd Schönemann/Holger Thünemann: Schulbucharbeit. Das Geschichtslehrbuch in der Unterrichtspraxis, Schwalbach am Taunus 2010, S. 14. NS-Propaganda in Vergangenheit und Gegenwart 15 Peter Longerich NS-Propaganda in Vergangenheit und Gegenwart Bedeutung der nationalsozialistischen Tagespresse für Zeitgenossen und Nachgeborene 1 Basierend auf den Recherchen zu meiner Studie "Davon haben wir nichts gewusst", die sich dezidiert mit dem Wissen der Deutschen um die Vernichtung der Juden während des Holocausts und ihrer Reaktion darauf beschäftigt, will ich an den Beginn meiner Ausführungen eine provokante These stellen: Die Tagespresse der NS-Zeit gehört zu den wichtigsten Quellen über die Jahre 1933 bis 1945, wenngleich sie bislang von der Zeitgeschichtsschreibung relativ wenig herangezogen wurde. Vor allem, wenn man sich in die Provinzpresse und deren thematische Berichterstattung einliest, erkennt man deren Relevanz für die zeithistorische Forschung. Man könnte also sagen, dass die Presse dieser Jahre so etwas wie die letzte Geheimquelle des "Dritten Reiches" darstellt. Dieses weitgehend unbekannte Potenzial gedruckter Presseorgane begründet denn auch mein Interesse an der grundlegenden Fragestellung, wie im 21. Jahrhundert mit vormaliger NS-Propaganda umzugehen ist. Gerade deshalb gehörte ich in den letzten Jahren auch dem wissenschaftlichen Beirat der beiden Zeitungszeugen-Projekte an. Um das Potenzial historischer Zeitungen für die Wissenschaft, aber auch das historische Lernen zu illustrieren, will ich zunächst zwei Ausschnitte aus der Tagespresse der Kriegszeit vorstellen. Zunächst ein Auszug aus dem Völkischen Beobachter vom 21. Dezember 1942: Der Umgang mit den Relikten nationalsozialistischer Propaganda ist insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland heftig umstritten; dies zeigen gerade die Diskussionen um eine wissenschaftliche Edition von Hitlers 'Mein Kampf'. Die Aufsätze des Bandes beschäftigen sich mit verschiedenen Propagandamedien des Nationalsozialismus sowohl im Hinblick auf ihre historische Wirksamkeit als auch vor dem Hintergrund ihrer Relevanz im heutigen geschichtskulturellen Diskurs über die Vergangenheit. Neben Hitlers Schrift 'Mein Kampf' und deren Rezeption in den Nachkriegsgesellschaften der Bundesrepublik, den Niederlanden und Israel widmen sich die einzelnen Aufsätze der nationalsozialistischen Tagespresse, verschiedenen Spielfilmproduktionen, der umstrittenen Ausstellungspraxis von NS-Sachzeugnissen und den von bundesrepublikanischen TV-Dokumentationen genutzten Ausschnitten aus den NS-Wochenschauen. Der Band resümiert, welchen Ort diese Relikte des Nationalsozialismus in der europäischen Erinnerungskultur einnehmen und wie sich der schmale Grat zwischen Aufklärung und Anziehungskraft in den vergangenen 70 Jahren wandelte Der Umgang mit den Relikten nationalsozialistischer Propaganda ist insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland heftig umstritten; dies zeigen gerade die Diskussionen um eine wissenschaftliche Edition von Hitlers 'Mein Kampf'. Die Aufsatze des Bandes beschaftigen sich mit verschiedenen Propagandamedien des Nationalsozialismus sowohl im Hinblick auf ihre historische Wirksamkeit als auch vor dem Hintergrund ihrer Relevanz im heutigen geschichtskulturellen Diskurs uber die Vergangenheit. Neben Hitlers Schrift 'Mein Kampf' und deren Rezeption in den Nachkriegsgesellschaften der Bundesrepublik, den Niederlanden und Israel widmen sich die einzelnen Aufsatze der nationalsozialistischen Tagespresse, verschiedenen Spielfilmproduktionen, der umstrittenen Ausstellungspraxis von NS-Sachzeugnissen und den von bundesrepublikanischen TV-Dokumentationen genutzten Ausschnitten aus den NS-Wochenschauen. Der Band resumiert, welchen Ort diese Relikte des Nationalsozialismus in der europaischen Erinnerungskultur einnehmen und wie sich der schmale Grat zwischen Aufklarung und Anziehungskraft in den vergangenen 70 Jahren wandelte."
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