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Nonkonformismus: Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2016 Heft 03

معرفی کتاب «Nonkonformismus: Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2016 Heft 03» نوشتهٔ Walter, Franz (editor)، منتشرشده توسط نشر Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Company KG در سال 2016. این کتاب در 5 صفحه، فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

## NONKONfORMISMuS -INTERVIEW Gibt es keinen Zusammenhang zwischen (nonkonformistischer) Autoren-Biografie und literarischen Darstellungsweisen, die ihrerseits nonkonformistisch sind? Um 1915 konstituiert sich in Moskau und Sankt Petersburg die durchaus heterogene und vielstimmige Gruppe der Russischen Formalisten -eine der bis heute aufregendsten Avantgarde-Bewegungen der europäischen Kultur im 20. Jahrhundert. Nicht alles, was sie als revolutionär neu bezeichneten, war auch tatsächlich revolutionär neu. Aber sie bewirkten einen Perspektivenwechsel. Der Ausdruck »permanente Revolution« fällt, glaube ich, sogar irgendwo in ihren Schriften, und zwar bezogen nicht auf eine politische, sondern auf eine permanente ästhetische Innovationsbewegung. Die Aufgabe der Literatur und überhaupt der Künste sei, so schreibt einer ihrer Exponenten -Viktor S klovskij -, den Stein wieder steinern zu machen. Ein wunderbarer Schlachtruf. Und was er damit meint, geht auf eine zunächst wahrnehmungspsychologische Beobachtung zurück -den Umstand nämlich, dass unsere unmittelbaren Sinnesorgane dazu neigen, das häufig Gesehene, Gehörte, Gerochene, Geschmeckte, Betastete für selbstverständlich zu halten. Illustrieren lässt sich das am Kopfzucken von Hühnern oder Tauben, das wir alle kennen. Würden diese Vögel nicht permanent mit ihrem Kopf zucken, wodurch eine minimal andere optische Einstellung zur Umgebung entsteht, würde das wahrgenommene Bild buchstäblich auf ihren Netzhäuten erlöschen: durch bloße Gewöhnung. Und diese rasche und wiederholte Bewegung des Kopfes, die immerzu eine neue optische Einstellung erzeugt, das ist für S klovskij Kunst in ihrer elementaren Äußerungsform. Die Kinderrätsel, die wir alle vom Schulhof her kennen und die es in allen Kulturen gibt, die haben -das erkennt S klovskij vielleicht als Erster -gar nicht die Aufgabe, tatsächlich ein Rätsel zu stellen, bei dem etwas Überraschendes herauskommt. Ihre Funktion ist stattdessen das Gewöhnliche, also die Uhr an der Wand oder den Stein am Boden, durch Verrätselung immer neu sichtbar zu machen. Es ist nun offensichtlich, dass sich das, was S klovskij da proklamiert -und was dann von Jurij Tynjanow, Boris Eichenbaum und anderen ausbuchstabiert wird -, unmittelbar auf die Begriffe Konformismus und Nonkonformismus übertragen lässt. Die politischen Implikationen sind S klovskij klar, auch wenn sie nicht im Fokus seiner Aufmerksamkeit stehen. Aber das, was er beschreibt, soll keine von der sozialen und politischen Welt abgewandte Kunst um der Kunst willen sein. Es geht vielmehr darum, im Bereich der Kunst etwas einzuüben, das für alle Wahrnehmungsweisen und Verhaltensmuster zur permanenten Übung werden soll. Die kritiklose Verehrung nonkonformistischer Vorbilder oder die Lektüre kanonisierter Mustergeschichten und Heiligenlegenden von nonkonformistischen Helden sind demzufolge gerade kein Nonkonformismus. 9 Ein Gespräch mit Heinrich Detering Namentlich der von Ihnen angesprochene russische Formalist Tynjanow ist davon ausgegangen, dass die literarischen Stilelemente im Zeitverlauf beständig verblassen würden und deshalb immer wieder umgeformt werden müssten. Muss Literatur immer einen gewissen Nonkonformismus atmen? Das liegt in ihrer Natur, das gehört, wenn ich die genannten Theoretiker richtig verstehe, zum Wesen der Literatur. Gäbe sie dieses Prinzip auf, wäre sie nicht mehr Literatur, sondern Unterhaltungsindustrie oder kunstlose Banalität. Und das gilt übrigens auch für die problematischen Abgrenzungen zwischen Hochkultur und Popularkultur: Wenn wir an die großen Innovationsschübe der Literaturgeschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte auch nur in den letzten 150 Jahren denken, dann wird deutlich, wie viel die Hochkultur jedes Mal aus der zuvor verachteten Popularkultur übernimmt. Wir vergessen immer, dass Goethes »Werther« ein Skandalroman war und nicht das Buch eines künftigen Klassikers. Den hätte niemand in ihm vermutet, als das Buch zum ersten Mal erschien. Elvis Presley ist mit gutem Grund eine Ikone des 20. Jahrhunderts geworden -und zwar nicht mit ironischem Augenzwinkern, sondern tatsächlich als eine innovative Figur, die weit bis in das Poesieverständnis hinein bspw. eine neue Form von performativer Körperlichkeit zur Geltung gebracht hat. Ich glaube, die Antwort auf die Frage lautet folglich einfach: ja, unbedingt. Worauf bezieht sich also der Nonkonformismus? Was ist sein Gegenüber? Ist das Nonkonforme die innovative Entwicklung eines neuen Stiles und die Abgrenzung von den etablierten schriftstellerischen Stilen? Oder ist der Nonkonformismus eine Art von dezidiertem Außenseitertum oder Abgewandtheit von der breiten Masse? Nein, darum geht es nicht, jedenfalls nicht in meinem Verständnis dieses Gedankens. Es geht nicht um ein elitäres Dandytum oder darum, sich als Einzelperson möglichst markant von dem dummen Volk abzusetzen, das einen leider umgibt. Vielmehr geht es um die permanente Auffrischung von Wahrnehmungsweisen, und zwar der Wahrnehmung der umgebenden Welt ebenso wie jener des eigenen Ich, um Verhaltensmuster des Alltags. Dieses Postulat richtet sich nicht an eine künstlerische Elite, sondern mit diesem Postulat richtet sich die Kunst an alle: to anyone it may concern. Wenn Sie nun fragen, was der Gegenbegriff zu dieser Form von Nonkonformismus als Wahrnehmungserneuerung ist, würde ich mit Sklovskij antworten: Automatisierung, Erstarrung -die Vorstellung, es sei so, wie es ist, ganz selbstverständlich, und es sei immer schon so gewesen. Die pure Überwältigung und Überraschung, die Provokation, die davon ausgeht, dass ein Liebesroman wie der »Werther« entsteht, als ein Briefroman, bei dem wir aber nur Als Reformuniversitäten sollten Konstanz und Bielefeld in den 1960er Jahren neue Konzepte erproben, Reformen an den bereits bestehenden Hochschulen vorbereiten und eine Differenzierung des Hochschulsystems einleiten. Für diese Prestigeprojekte der damaligen Hochschul- und Landespolitik engagierten sich institutionelle Akteure im bundesdeutschen Wissenschaftssystem, wie der Wissenschaftsrat, die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder der Verband Deutscher Studentenschaften, aber auch prominente Wissenschaftler wie Ralf Dahrendorf in Konstanz und Helmut Schelsky in Bielefeld. Die Entwicklung von Universitäten neuen Typs schloss an intensive Diskussionen an, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs über die Reformbedürftigkeit der Hochschulen geführt wurden mit Bezug auf neuere internationale Entwicklungen ebenso wie auf Traditionen der deutschen Universitäten. Auf dem Prüfstand standen zunächst alle Kernfunktionen in Bildung, Ausbildung und Forschung. Bei der Entwicklung der Universitäten Konstanz und Bielefeld konzentrierten sich die beteiligten Wissenschaftler schließlich jedoch auf die Forschungsfunktion. Die Idee für neue Colleges konnte sich hingegen nicht durchsetzen, obwohl die neuen Universitäten als Campus-Universitäten gebaut wurden. Noch während Konstanz und Bielefeld aufgebaut wurden, veränderte sich das hochschulpolitische Umfeld allerdings sehr dynamisch. Die Reformuniversitäten verloren ihre herausragende Position in der Hochschulpolitik rasch, doch die Idee der Reform durch Neugründung erlebte in den 1990er Jahren eine Renaissance, ebenso wie der Wunsch nach einer Differenzierung des Hochschulsystems

Als Reformuniversitäten sollten Konstanz und Bielefeld in den 1960er Jahren neue Konzepte erproben, Reformen an den bereits bestehenden Hochschulen vorbereiten und eine Differenzierung des Hochschulsystems einleiten. Für diese Prestigeprojekte der damaligen Hochschul- und Landespolitik engagierten sich institutionelle Akteure im bundesdeutschen Wissenschaftssystem, wie der Wissenschaftsrat, die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder der Verband Deutscher Studentenschaften, aber auch prominente Wissenschaftler wie Ralf Dahrendorf in Konstanz und Helmut Schelsky in Bielefeld. Die Entwicklung von Universitäten neuen Typs schloss an intensive Diskussionen an, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs über die Reformbedürftigkeit der Hochschulen geführt wurden mit Bezug auf neuere internationale Entwicklungen ebenso wie auf Traditionen der deutschen Universitäten. Auf dem Prüfstand standen zunächst alle Kernfunktionen in Bildung, Ausbildung und Forschung. Bei der Entwicklung der Universitäten Konstanz und Bielefeld konzentrierten sich die beteiligten Wissenschaftler schließlich jedoch auf die Forschungsfunktion. Die Idee für neue Colleges konnte sich hingegen nicht durchsetzen, obwohl die neuen Universitäten als Campus-Universitäten gebaut wurden. Noch während Konstanz und Bielefeld aufgebaut wurden, veränderte sich das hochschulpolitische Umfeld allerdings sehr dynamisch. Die Reformuniversitäten verloren ihre herausragende Position in der Hochschulpolitik rasch, doch die Idee der Reform durch Neugründung erlebte in den 1990er Jahren eine Renaissance, ebenso wie der Wunsch nach einer Differenzierung des Hochschulsystems.

Die Reformuniversitäten Konstanz und Bielefeld waren in den 1960er Jahren Prestigeprojekte der damaligen Hochschul- und Landespolitik. Die Studie zeichnet ihre Entstehungsgeschichte nach
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