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Neugermanistische Editoren im Wissenschaftskontext : Biographische, institutionelle, intellektuelle Rahmen in der Geschichte wissenschaftlicher Ausgaben neuerer deutschsprachiger Autoren

معرفی کتاب «Neugermanistische Editoren im Wissenschaftskontext : Biographische, institutionelle, intellektuelle Rahmen in der Geschichte wissenschaftlicher Ausgaben neuerer deutschsprachiger Autoren» نوشتهٔ Kamzelak, Roland S. (editor);Nutt-Kofoth, Rüdiger (editor);Plachta, Bodo (editor)، منتشرشده توسط نشر Saur در سال 2011. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

Ein Beitrag über Karl Lachmann (1793-1851) innerhalb eines Sammelbandes, der sich wegweisenden neugermanistischen Editoren und ihren Methoden widmet, wirkt einerseits deplatziert, denn seine einzige neugermanistische Textausgabe, die Lessing-Ausgabe, ist der aktuellen Lessingforschung nur noch von wissenschaftshistorischem Wert; für die Germanistik wesentlicher ist Lachmanns mediävistisches Editionswerk. Andererseits aber gehört Karl Lachmann insofern in einen solchen Band, als mit ihm allererst ein methodologisch fundiertes Edieren in den Gründerjahren der Germanistik begann, in einer Zeit, in der es eine ‚Neugermanistik' im engeren Sinne noch gar nicht gab. Dieser Beitrag befasst sich nicht mit Details von Lachmanns Editionen, sondern versucht, Lachmanns Sicht auf das, was man heute ‚Textkonstitution' nennt, zu umreißen und seine lang anhaltende Wirkung zu begründen 1. Karl Lachmann ist vor allem den Altgermanisten durch seine germanistischmediävistischen Ausgaben bis heute bestens bekannt: So hat er 1827 die erste wissenschaftliche Walther von der Vogelweide-Edition herausgegeben -und fast 200 Jahre später sind wir immer noch damit befasst herauszufinden, was er sich hier und da gedacht, warum er sich wie entschieden hat, ob man diese Entscheidungen weiterhin tragen kann oder ob man sie revidieren muss. Manchmal, nicht oft, freut man sich heimlich, wenn man dem Übervater der Editionsphilologie einen echten Fehler nachweisen kann, häufiger aber schaut Thomas Bein man nur bewundernd auf seine Arbeit, denn was er zu Beginn des 19. Jahrhunderts 1 leistete -noch fast ohne alle Hilfsmittel -, ist erstaunlich. Im Alter von 21 Jahren (1814) promovierte er über Tibull, ein Jahr später habilitierte er sich in Göttingen mit einer Arbeit über Marcilius, Tibull und Statius. 2 Seine altphilologischen Studien unterbrach er 1815 und wollte unbedingt, gegen den Willen seines Vaters, in den Krieg gegen Napoleon ziehen. Er schrieb und sang den Kameraden ein Kampflied, dessen letzte Strophe hier zitiert sei: Wohlauf denn, Jäger, zum Streiten, Zur ernsten, blutgen Jagd! Steh Hoffnung uns hold zur Seiten, Und Kraft, und Muth zur Schlacht. Der über uns im Himmel Lenkt uns mit starker Hand. Willkommen, Schlacht und Getümmel Für König und Vaterland! 3 Zum Kampfeinsatz kam es jedoch nicht; stattdessen habilitierte sich Lachmann 1816 ein zweites Mal in Berlin, um dort lehren zu können. Seine Probevorlesung widmete sich -ein völliges Novum -einem altgermanistischen Thema; Lachmann sprach über die "Ursprüngliche Form des Nibelungenliedes", eine Vorlesung, die in gedruckter Form unter dem Titel Über die ursprüngliche Gestalt des Gedichts von der Nibelungen Noth Furore machte und lange Zeit zu einem der heftigsten und kontroversesten Streitfälle der Altgermanistik wurde. Lachmann übertrug hier erstmals altphilologische Vorstellungen auf die Verhältnisse der mittelalterlichen deutschsprachigen Literatur, was auch später noch bei vielen seiner altgermanistischen Editionen zu einem grundsätzlichen Problem wurde. 4

Nach den Methoden und Konzepte der Edition neuerer deutschsprachiger Texte dokumentierenden Band 1 und dem die Geschichte einzelner Autorphilologien darstellenden Band 2 bietet Band 3 der vorliegenden Reihe einen weiteren „Baustein zur Geschichte der Edition“ durch den Blick auf einzelne Editoren. In dieser wissenschaftsbiografischen Perspektive bildet der einzelne Gelehrte das Zentrum für jene Momente, deren Eruierung nun dazu dienen soll, neue Blicke auf das Zustandekommen einer Ausgabe, einer Editionsmethodik, eventuell gar einer Editionstheorie zu gewinnen. Das meint zum einen die biografisch-berufliche Institutionalisierung des jeweiligen Gelehrten, zum anderen dessen literaturwissenschaftliche Position (z.B. die Zugehörigkeit zu ‚Schulen‘), die sich gerade auch mit Bezug auf seine anderen gelehrten Tätigkeiten in ein Verhältnis zum editorischen Arbeiten setzen lässt, dann aber auch allgemeine zeitgeschichtliche Umstände oder sonstige biografische Zusammenhänge. Exemplarisch werden Editoren vom beginnenden 19. bis zum späten 20. Jahrhundert behandelt.

Inhalt Einleitung Karl Lachmann - Ethos und Ideologie der frühen Editionswissenschaft Heinrich Düntzer Edition und akademisches Scheitern Karl Goedeke Anmerkungen zu Biographie, philologischer Praxis und fachhistorischer Beurteilung Michael Bernays - „lettern, die die welt bedeuten“ Zwischen nationaler Aufgabe und wissenschaftlicher Erkenntnis - der Editor Bernhard Suphan Bernhard Seuffert und Wielands gesammelte Schriften Albert Leitzmann der Editor Die Entdeckung der Poesie Reinhold Backmann: „Zur Fertigstellung der Grillparzer-Ausgabe im Dienst belassen“ Um der Sache willen Friedrich Beißner Edition und Interpretation zwischen Positivismus, Geistesgeschichte und Textimmanenz Ernst Grumach und der ‚ganze Goethe‘ „Man kann sich das nicht vornehmen“ Adolf Frisé in der Rolle des Herausgebers Robert Musils Beda Allemann und die Bonner Celan-Ausgabe im Kontext (nicht nur) der Wissenschaftsgeschichte Personenregister As a continuation of the first and second volumes of the series, this volume focuses on editors in the field of new German studies in a scholarly context. The scholarly-biographical perspective offers new insights into the origin and development of an edition or an edition process. The book discusses the professional institutionalization of a scholar, his/her position in literary studies (e.g. if he/she belongs to a ‘school’), and then goes on to explore the general circumstances of the times or other biographical relationships. Editors from the beginning of the 19th century to the late 20th century serve as examples. Main description: Der Band stellt in Weiterführung von Band 1 und 2 der vorliegenden Reihe nun neugermanistische Editoren ins Zentrum. Die wissenschaftsbiographische Betrachtung dient dazu, neue Blicke auf das Zustandekommen einer Ausgabe oder eines Editionsverfahrens zu gewinnen. Erörtert werden die berufliche Institutionalisierung eines Gelehrten, dessen literaturwissenschaftliche Position (z.B. die Zugehörigkeit zu 'Schulen'), dann aber auch allgemeine zeitgeschichtliche Umstände oder sonstige biografische Zusammenhänge. Exemplarisch werden Editoren vom beginnenden 19. bis zum späten 20. Jahrhundert behandelt
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