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Manifestationen des Geistes : Frömmigkeit, Spiritualismus und Dichtung in der Frühen Neuzeit

معرفی کتاب «Manifestationen des Geistes : Frömmigkeit, Spiritualismus und Dichtung in der Frühen Neuzeit» نوشتهٔ Wels, Volkhard; Forums, Vorstand des، منتشرشده توسط نشر V & R unipress در سال 2013. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

12 Es ist allerdings wichtig, im Auge zu behalten, dass der Begriff der divinatio, der auch die Prophetie umfasst, neben dieser unmittelbaren Offenbarung Gottes auch zahlreiche andere Formen der Vorhersage umfaßt, darunter vor allem die Vorhersage aufgrund natürlicher Zeichen, wie die Wettervorhersage, die Astrologie und etwa die Deutung von Missgeburten, Kometen und anderen außergewöhnlichen Naturerscheinungen. Indem sich diese Offenbarungen jedoch »natürlicher Ursachen«, das heißt physischer Mittel bedienen, handelt es sich nicht um unmittelbare Offenbarungen. Zu diesem Punkt vgl. unten das dritte Kapitel. 13 Luther, Praelectiones in prophetas minores (1524 -26) unterscheidet S. 109 zwischen zwei Arten der Ausgießung des Heiligen Geistes, einer »manifesta visio seu revelatio« und einer »occulta inspiratio«. Die erste ist die Offenbarung durch göttliche Zeichen, die zweite die Gegenwart des Heiligen Geistes in den Gläubigen. Die Offenbarung durch göttliche Zeichen habe mit dem Pfingstereignis, der Ausgießung des Heiligen Geistes an die Apostel, geendet, deswegen sei es Unsinn, wenn sich heute noch einige für Propheten hielten. Grundlagen der lutherischen Theologie Auseinandersetzung mit den »Wiedertäufern« Ab 1522 -der »Bauernkrieg« zeichnet sich ab -reagiert Luther auf die Spiritualisten und Täufer mit einer Schärfe, die seiner Aburteilung des Papsttums in nichts nachsteht. Der Begriff, dessen er sich dabei mit Vorzug bedient -gegenüber den Begriffen »neue«, »falsche« oder »himmlische Propheten«, »Geister« oder »Rottengeister« -, ist der der »Schwärmerei«. 29 Der Begriff ist abgeleitet vom scheinbar ziellosen Schwärmen der Bienen, das für Luther als theologische Verworrenheit das gemeinsame Kennzeichen all jener ist, die sich vom äußeren Wort der Bibel gelöst haben. Oft verwendet Luther auch den Begriff der »Wiedertäufer« als Oberbegriff für die spiritualistischen Strömungen, wobei sich dieser Begriff aus der Ablehnung der Kindertaufe herleitet. 30 Die äußerliche Taufe gilt nur als Symbol für die bewusste Absage an das frühere, sündhafte Leben, und als solches kann sie nur von einem Erwachsenen vollzogen werden. Entscheidend ist nicht das Sakrament, sondern allein die Ernsthaftigkeit der christlichen Überzeugungen. Der Taufe kommt keinerlei heilsvermittelnde Bedeutung zu, sie wird als bloße ›Wassertaufe‹ gegenüber der ›Geisttaufe‹ herabgesetzt. Enttäuscht von der lutherischen Predigt des Wortes, der keine echte sittliche Erneuerung gefolgt ist, streben die Täufer nach Absonderung von der Welt. Der Rückzug in kleine Gemeinschaften von echten Christen soll ein Leben in der Heiligung ermöglichen, in dem sich die Früchte des Glaubens in der Lebensführung tatsächlich zeigen. Von Anfang an sind unter diesen Täufern deshalb auch private Offenbarungen und prophetische Berufungen allgegenwärtig, zumeist in enger Verbindung mit einem stark eschatologischen Bewusstsein. 31 Um nur einige berühmte Beispiele zu nennen, bei denen sich die von Luther abgelehnte Identifikation mit Elias oder Henoch findet: Melchior Hoffman behauptete, die Träume der Ursula Jost seien vom Heiligen Geist eingegeben und besäßen dieselbe Autoritätw i e J esaja und Jeremia. Sich selbst hielt er für den in der Apokalypse angekündigten Elias und Straßburg für das neue Jerusalem. 32 David Joris erlebte 1536 eine mit Visionen verbundene Ekstase, die er als Berufung zu einem neuen David be- Im Mittelpunkt des Buches steht der Spiritualismus der Frühen Neuzeit, verstanden als die Annahme einer ›geistigen‹, spirituellen Gegenwart Gottes. Dieser Spiritualismus kann sich in der Theologie etwa als Berufung auf göttliche Inspiration äußern, in der Medizin, Alchemie und Naturphilosophie im Begriff einer göttlich beseelten Natur und in der Literatur als geistliche, erbauliche Dichtung. Spiritualistische Tendenzen spielen dabei nicht nur in der frühneuzeitlichen Magie, Kabbala und Hermetik, im Paracelsismus und Rosenkreuzertum eine tragende Rolle, sondern auch in ihrer Opposition zu den entstehenden ›Naturwissenschaften‹ mit ihrem mechanistischen Naturbegriff und ihrem Rationalismus. Dieser bildet ein wichtiges Element der sich konstituierenden ›Aufklärung‹, während auf der anderen Seite der Spiritualismus in den Pietismus mündet. This volume focusses on spiritualism in early modernity, the term meaning the assumption of the ›spiritual‹ presence of God. This form of spiritualism can be expressed in theology as an invocation of divine inspiration, in medicine, alchemy and natural philosophy as divinely endowed nature, and in literature as spiritual, uplifting poetry. Spiritual tendencies play a major role not only in early modern magic, Kabbalah and Hermeticism, Paracelsism and Rosicrucianism, but also in their opposition to the emerging »natural sciences« with their mechanistic understanding of nature and their rationalism. Towards the end of the 17th century, rationalism becomes the real adversary of spiritualism. While spiritualism was now primarily articulated through piety, rationalism became a constitutive element of the Enlightenment that now began to take shape. Im Mittelpunkt des Buches steht der Spiritualismus der Frühen Neuzeit, wobei mit diesem Begriff die Annahme einer geistigen, spirituellen Gegenwart Gottes bezeichnet wird. Dieser Spiritualismus kann sich in der Theologie etwa als Berufung auf göttliche Inspiration, in der Medizin, Alchemie und Naturphilosophie im Begriff einer göttlich beseelten Natur und in der Literatur als geistliche, erbauliche Dichtung äußern. Spiritualistische Tendenzen spielen dabei nicht nur in der frühneuzeitlichen Magie, Kabbala und Hermetik, im Paracelsismus und Rosenkreuzertum eine tragende Rolle, sondern auch in
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