Luisenkult : Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen
معرفی کتاب «Luisenkult : Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen» نوشتهٔ Demandt, Philipp، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag در سال 2003. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Einige Wochen nach dem Tod der Königin Luise erschien die Sammlung der vollständigsten und zuverläßigsten Nachrichten von allen das Absterben und die Trauerfeierlichkeiten dieser unvergeßlichen Fürstin betreffenden Umständen, die dem Leser "wo möglich auch das Geringste, was sich bei und nach ihrem Absterben zugetragen hat", erzählte. Und so erfuhren die Preußen, wie Luise von "Brustfieber" mit "Eiterauswurf" befallen worden war, wie der Berliner Arzt Ernst Ludwig Heim nach Hohenzieritz gekommen war und den König dann in Potsdam von der Lebensgefahr der Gattin unterrichtet hatte. 2 König Friedrich Wilhelm III., wie man lesen konnte, war noch am Abend des 18. Juli mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Wilhelm aufgebrochen und erreichte "am 19ten Morgens gegen 5 Uhr" Hohenzieritz. Krämpfe und Schmerzen hatten Luise schon "äußerst verändert", so daß der König beim ersten Anblick erschrocken war, wie er sich selbst erinnerte: "Die Totenblässe und der Angstschweiß, so wie alle übrigen unglücklichen Symptomata nahmen jedoch merklich zu, die Fingerspitzen wurden schon eiskalt, und mußten daher [...] beständig mit warmen Servietten gerieben werden. Ich that, so wie ein Jeder auch, mein möglichstes und hauchte fleißig in die Hände, um sie zu wärmen, ihre linke Hand behielt ich in der meinigen bis zu ihrem Ende. Alle nur ersinnlichen Kraempfestillenden und andere lindernde Mittel wurden fortwährend, aber umsonst, angewendet. Die Lage des Kopfes wurde ihr immer ängstlicher und da man ihr unteranderm rieth, die Aerme etwas weiter abzuhalten, sie würde dadurch Linderung erhalten, sagte sie, Das bringt mir den Tod, und bald darauf, ich sterbe von oben herunter. Auch: Herr Gott, Herr Jesus, verlaß mich nicht, und ganz zuletzt, als die Krämpfe ihr beinah schon ganz den Athem benahmen: Herr Jesus, mache es kurz, und wenige Augenblicke nachher, nachdem sie einigemale konvulsivisch mit dem Gesicht gezuckt hatte -verschied sie." 3 Eine Stunde später trafen auch die Königskinder Charlotte und Carl in Hohenzieritz ein, wo der Vater sie schon außerhalb des Schloßhofes empfing und ihnen selbst die traurige Nachricht überbrachte. "Das Wehklagen war allgemein", schrieb die Presse, doch bei "der erfolgten Section des Leichnams" habe sich ergeben, daß der "Keim des Todes schon seit langer Zeit im Körper gelegen" und darum keine Hoffnung auf Heilung bestanden habe. 4 Die Zeitungen Berlins hatten noch am 19. Juli 1810 auf den Titelseiten über die Krankheit der Königin berichtet und auch bereits Symptome angegeben, darüber hinaus jedoch Optimismus verbreitet, denn Luise hatte oft gekränkelt, galt aber als 2 Ein Mythos entsteht "Die Einzige dem Tode hingegeben? Nein nimmermehr! Sie bleibt der Ewigkeit. Ein Engel Gottes stieg herab ins Leben Und strahlend schied er zur Unsterblichkeit. " 1 Friedrich Duncker 1810 "Eure Wege sind nicht meine Wege", spricht der Herr, und gleich so sprachen die Verkünder seines Wortes nach dem Tod der Königin Luise. Die Kirche in der Pflicht, auf dem Gipfel politischer Schmach und wirtschaftlicher Not das neue Unglück zu erklären, flüchtete sich in die Unbegreifbarkeit, aber auch in die "hohe Weisheit und Güte" der göttlichen Entschlüsse. 2 Jesaja 55, Vers 8 und 9 war als Text aller Predigten angeordnet worden, was die preußische Ökumene vor dem Abfall vom göttlichen Pfad ebenso bewahren sollte wie vom Glauben an die preußische Monarchie: "Alles ist eitel -ganz eitel!", beschwor man mögliche Zweifler an Gottes unverständlichem Entschluß zur Heimholung der Königin Luise. "Und wo auch weiter nichts uns übrig bleibt, als schweigen und anbeten, da müssen wir die Hand auf den Mund legen und schweigen, da niederfallen und anbeten, vor Dem, der Gewalt und Macht und Herrlichkeit hat in Ewigkeit." 3 Schweigen aber war die Sache der Menschen nicht, und wo Gottes Wort das Unglück nicht erklärte, da blühten Mystik und Gerüchte. Kunde von Vorzeichen der Tragödie ging durch Berlin und Potsdam; eifrig beteiligte sich auch der Hof daran, und selbst der König, von der Idee seiner vorherbestimmten Verdammnis in den Aberglauben getrieben, notierte jede düstere Begebenheit. "Närrisch ist es", schrieb Wilhelm von Humboldt, selber ein Freund von Geistergeschichten, "daß auch Vordeutungen des Todes gewesen sind, die, wenn man sie auch nicht streng erwiesen nennen kann, doch mehr als bloße Einbildung sind." Eine mysteriöse Unbekannte hatte eines Tages mit einer wichtigen Botschaft um Audienz beim König ersucht, war aber abgewiesen worden, weshalb man nun zu wissen glaubte, daß sie ihn hatte warnen wollen; und auch die ,weiße Frau' war gesehen worden, die vermeintlich immer dann im Schloß erschien, wenn einem Hohenzollern das Ende nahte. "Der eigentliche Grund oder Ungrund dieses Gerüchtes, ist meines Wißens nie befriedigend erwiesen worden", schrieb der König. "Selbst die Schildwachen wollen sie gesehen haben." 4 Einen ihrer ausgelassenen Briefe an die Prinzessin Radziwill hatte die Königin wenige Tage vor ihrer Abreise nach Neustrelitz scherzhaft mit allen ihren Namen unterschrieben und hinzugesetzt: "geboren lOten März 1776 f -ja das weiß ich noch nicht". Und als sie zu ihrem Vater aufbrach, da fuhr sie an einem Montag, jenem Tag, "Das todte Bildgiebt mehr als alle Worte, Es wird zum Denkmal, heilig ist's dem Schmerz, Es lebet uns, es scheinet uns zu trösten, Und nichts ist Schein, was unser Herz gefiihlt. -0 seyd gesegnet Bilder der Verehrten, Wir möchten opfernd alle Pracht euch weihen. ## Achim von Arnim 1810 Einige Wochen nach dem Tod der Königin Luise konnte man in Preußen lesen, daß in ihrem Mausoleum "der Sarg in einem Gewölbe aufbewahrt, und über diesem letztern eine innerhalb mit Marmor bekleidete, mit dem Brustbilde der Königin aus carrarischem Marmor gezierte Halle eingerichtet" werden solle. 2 König Friedrich Wilhelm aber hatte sich noch keineswegs entschieden, ob nun eine Büste oder ein Altar, ein Sarkophag oder eine Statue in die Halle kommen sollte, wie Carl August Böttiger am 8. September von Schadow hörte. 3 Die Suche nach einem geeigneten Monument für das Innere des Mausoleums war von Beginn an eine komplizierte Sache. Zeit-und Geldmangel hatten dazu gefuhrt, daß vier alte Säulen aus dem Oranienburger Schloß im Mausoleum neu verwendet worden waren, wo sie die Halle vom Treppenraum abgrenzten, dadurch aber den Blick vom Eingang aus auf alles zu verstellen drohten, was wesentlich größer war als eine Büste. Und eine solche hatte Wilhelm von Humboldt dem Witwer angekündigt; ungeduldig harrte dieser ihrer Ankunft. Ein unbekannter Künstler namens Christian Daniel Rauch meißelte unterdessen in Rom um die Chance seines Lebens, verhieß das Monument der Königin doch Aussicht auf Karriere; schließlich stand ein Grabdenkmal auch am Beginn von Johann Gottfried Schadows Aufstieg zum berühmtesten preußischen Bildhauer seiner Zeit. Emsig zog Humboldt im Hintergrund die Faden, und die Art und Weise, wie er dem kleinen Künstler zum großen Auftrag verhalf und dabei die prominentesten Bildhauer des Kontinents ausbootete, war ein Bravourstück der Patronage. Humboldt hatte in seiner Zeit als preußischer Gesandter am päpstlichen Stuhl gute Beziehungen zu der Künstlerschaft um den Dänen Bertel Thorvaldsen geknüpft. Enge Freundschaft verband das Ehepaar Humboldt vor allem mit Rauch, den es auch finanziell unterstützte. Kurz nach dem Tod der Königin hatte Humboldt, um diese Zeit in Berlin, schon die ganze Bedeutung jenes Grabdenkmals für den ausfuhrenden Künstler erkannt und auch die notwendige Einflußnahme auf den Witwer richtig eingeschätzt, wenngleich der ausersehene Rauch von seiner Berufung erst noch überzeugt werden mußte. Zögerlich und langsam sei der Künstler und müsse daher unbe-Abb. Königin Luise von Preußen (1776-1810) galt lange als bedeutendste Frau der deutschen Geschichte. Zeit ihres Lebens für ihre Schönheit bewundert, schließlich zur Todfeindin Napoleons stilisiert, wurde sie nach ihrem tragischen Tod mit 34 Jahren wie eine Heilige verehrt, die den Kampf um die Einheit der Deutschen begonnen hatte. Ein beispielloser Kult entstand, der zwei Jahrhunderte währen sollte - und noch heute ist ihre Popularität ungebrochen. Der frühe Tod der schönen Königin Luise traf Preußen im Sommer 1810 auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte. Napoleon hatte das Land vernichtend geschlagen, und nun starb auch noch die einzige Lichtgestalt dieser Jahre unter französischer Fremdherrschaft. Zeitlebens für ihre Anmut und Natürlichkeit geliebt, war Luise nicht nur zur Mittlerin zwischen Bürgertum und Königshaus geworden, sondern auch zum Inbegriff des nationalen Widerstandes. Der Mythos ihres gebrochenen Herzens machte schnell die Runde. Zu Tausenden strömten die Menschen in ihr Mausoleum im Charlottenburger Schloßpark. Wie schlafend liegt Luise dort in Marmor über ihrem Grab. Kleist und Goethe, Mommsen und Treitschke verklärten sie zur edelsten Frau der deutschen Geschichte. Und als ihr Sohn Wilhelm 1871 zum deutschen Kaiser proklamiert wurde, geriet ihr Leben über den Tod hinaus zum Gründungsmythos des Deutschen Reiches. Wie die Königin zu sein, galt für mehr als zwei Jahrhunderte als staatsbürgerliche Pflicht. Generationen von Mädchen strebten nach ihrer Tugend, und noch das Dritte Reich präsentierte sie den Soldaten als Symbol todesverachtender Vaterlandsliebe
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