Liebe und Leid, Kampf und Grimm : Gefühlswelten in der deutschen Literatur des Mittelalters
معرفی کتاب «Liebe und Leid, Kampf und Grimm : Gefühlswelten in der deutschen Literatur des Mittelalters» نوشتهٔ Rüsenberg, Irmgard، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag; Bohlau Verlag GmbH u. Co. KG در سال 2016. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Inhalt Codex Manesse • Konrad von Altstetten ## Die Anerkennung des Begehrens Erkenntnis und Heilung im ‚Armen Heinrich' Einleitung Der Handlungsverlauf von Hartmanns schmalem Legendenepos ist rasch erzählt: 1 Der Edelmann Heinrich, bislang vom Glück begünstigt und ein Vorbild seines Standes, erkrankt an Lepra. Auf der Suche nach Heilung gelangt er nach Salerno, wo ihm ein Arzt die Mitteilung macht, dass ihn allein das Herzblut einer manbaeren, also heiratsfähigen Jungfrau, die bereit sei, für ihn zu sterben, retten könne. Aller Hoffnung beraubt, zieht er sich daraufhin zurück auf den Hof eines Pächters, wo sich ihm eine von dessen Töchtern in hingebungsvoller Weise anschließt. Diese scheint seine Krankheit gar nicht wahrzunehmen, sie lässt sich bevorzugt zu seinen Füßen nieder, und er nennt sie sein gemahel (341). Wenige Jahre später wird das herangewachsene Mädchen Zeugin, wie Heinrich die Hoffnungslosigkeit seiner Heilungsaussichten beklagt, die an ein weibliches Blutopfer gebunden seien. Die Logik der Erzählung bringt es mit sich, dass sich das Mädchen, das im Übrigen namenlos bleibt, berufen fühlt, sein junges, noch unschuldiges Leben zu opfern, um auf diesem Wege desto schneller und sicherer ins Himmelreich zu gelangen. Seine widerstrebenden Eltern sowie einen zögerlichen Heinrich vermag es mit unnachgiebiger Entschlossenheit und erstaunlicher Eloquenz auf seine Seite zu ziehen. In Salerno weiß es schließlich auch den zweifelnden Arzt zu überzeugen. Dort besteht es darauf, sich eiligst auszuziehen, während Heinrich von außen, durch ein Loch in der Wand, gewahr wird, wie es schließlich nackt und gebunden auf einem Tisch liegt und der Arzt ein langes, breites Messer an einem Wetzstein schärft. Dieser Anblick bringt Heinrich zu der plötzlichen Einsicht, dass ihm das Leben dieses Mädchens mehr wert ist als sein Tod, und er bricht die ganze Prozedur -gegen dessen heftigen Widerstand -ab. Auf der Heimreise findet sich Heinrich dann unverhofft geheilt wieder, und er nimmt, auf den Meierhof zurückgekehrt, das Mädchen nun zur wirklichen Gemahlin. Die Geschichte, die in eigenartiger Weise zwischen Volksglauben und christlichem Glauben changiert, 2 befremdet den neuzeitlichen Leser in doppelter Weise. Sowohl das abergläubische Blutopfer wie eine exaltierte Religiosität nötigen ihn dazu, sich der historischen Distanz zu vergewissern, die zwischen ihm und diesem mittelalterlichen Text liegt. Ein plausibler Sinnhorizont scheint sich dabei vorrangig unter einem theologischen Blickwinkel, ausgehend von den Fragen nach Schuld, Sühne und Erlösung, zu eröffnen. 3 Dabei gerät das Die literaturwissenschaftliche Mediävistik verdankt moderner Emotionsforschung bedeutsame Impulse. Einen breit gefächerten emotionsspezifischen Ansatz trägt die Autorin hier an die großen Dichter und Werke der mittelhochdeutschen Literatur, an Hartmann von Aue und das ‚Nibelungenlied‘, an Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Mechthild von Magdeburg, Meister Eckhart und andere heran. In diesen Deutungen bildmächtiger Zeugnisse höfischer, städtischer und religiöser Dichtung sowie ihrer neuzeitlichen Nachschöpfungen tritt eine basale kulturelle Spannung zwischen Affekt und Affektkontrolle, Emotionalität und Reflexivität zu Tage
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