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Leveke von Münchhausen- von Hammerstein (1614-1675) [Elektronische Ressource] eine Frau in der Frühen Neuzeit

معرفی کتاب «Leveke von Münchhausen- von Hammerstein (1614-1675) [Elektronische Ressource] eine Frau in der Frühen Neuzeit» نوشتهٔ Renate Oldermann; Katharina Kagerer; Böhlau-Verlag، منتشرشده توسط نشر Böhlau Verlag در سال 2021. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.

Es ist ein warmer Julitag im Jahre 1627. Der Weg von Oldendorf nach Fischbeck führt oberhalb der Weser durch leicht hügeliges Gelände. Sacht rumpelt der Wagen durch die ausgefahrenen Furchen, steil steht die Sonne am Himmel und blendet den, der in sie hineinschaut. Leveke blickt über die Felder auf die Berglinie jenseits des Flusses, der nur als schmaler Grat wahrnehmbar ist. Der Weg, der ihr von Kindheit an bekannt ist, ist nicht weit, doch sie wünscht sich, er wäre weiter. Noch eine Weile will sie dicht bei ihrer Mutter sitzen und ihre Schwester necken, auf den Rücken ihres Vaters schauen, der vorn neben dem Kutscher hockt. Das sollte nicht so schnell vergehen. Doch schon bald treten die Kirche und die alten Klostergebäude des Stifts Fischbeck in ihr Blickfeld. Leveke ist schon ein paar Mal zum Gottesdienst in der Kirche hier gewesen. Die mächtigen Pfeiler auf beiden Seiten des Kirchenschiffs und die hoch aufsteigende Treppe zum Altar flößten ihr Ehrfurcht ein. Sie kam sich klein vor und unbedeutend, das konnten auch die Rankenmotive an den Wänden in ihren einst bunten, nunmehr verblichenen Farben nicht mildern. Kalt war es immer, und Leveke war jedes Mal froh, wieder mit den Eltern und Geschwistern nach Hause fahren zu können. Diesmal würde es anders sein. Leveke spürt, dass etwas auf sie zukommt, etwas Unwiderrufliches, auf das sie keinen Einfluss hat. Es ist das Ende ihrer Kindheit, sie ist elf Jahre alt, die unbeschwerten Zeiten in der Familie mit Schwestern und Brüdern werden nicht wiederkommen. Wehmut mischt sich mit Neugier auf das Unbekannte. Die Zwänge eines Frauenlebens kündigen sich bereits an in der steifen Kleidung, die sie heute trägt, dem eng anliegenden dunklen Mieder, den bauschigen Ärmeln und dem langen Rock mit der umgebundenen Schürze. Die weiße gefaltete Halskrause zwingt ihren Kopf zu aufrechter Haltung. Die aus der Stirn geflochtenen Haarkränze geben ihrem Gesicht eine frühe Strenge. Die Hände hält sie starr gefaltet, als wollte sie sich an ihnen festhalten. Gerade passiert die Kutsche das Stiftstor, der Pförtner tritt hervor und grüßt, sein Sohn rennt zur Abtei, um die Ankunft zu melden. Schon bald tritt Äbtissin Anna Knigge 1 heraus, eine dunkel gekleidete schmale, noch junge Person, die sich sehr gerade hält. Sie reicht Levekes Eltern, Ludolf und Anna von Münchhausen, die Hand und bittet sie herein. Drinnen wird etwas dünnes Bier und ein wenig Brot gereicht. Leveke und ihre Schwester Heilwig 2 wagen nicht, danach zu greifen. Ludolf stellt der Äbtissin seine Tochter Leveke vor, die hier ein Jahr lang zur Schule gehen soll. Während Anna Knigge und Ludolf von Münchhausen die Ereignisse der letzten Monate seit Annas Einführung als Äbtissin besprechen, lassen sich Anna von Münchhausen und ihre Töchter von der Priorin Maria Knigge, der Tante und Stellvertreterin der Äbtissin, die Wohngebäude zeigen. Südlich der Kirche bilden der alte Nonnenschlafsaal, der Remter und die Abtei ein geschlossenes, von Kreuzgängen eingerahmtes Geviert. In der Mitte liegt der Kirchhof mit seinen zahlreichen Holzkreuzen, die an die in den vergangenen Jahrhunderten verstorbenen Nonnen erinnern. Auf zwei Gräber macht Maria Knigge besonders aufmerksam. Hier liegen die Seniorin Catharina von Münchhausen, 3 eine Tochter 1 Anna Knigge a.d.H. Bredenbeck (\* ca. 1606-2.3.1663, Äbt. 1627). 2 Die Lebensdaten von Levekes Geschwistern und weiteren Angehörigen der Familie von Münchhausen finden sich in den Stammtafeln im Anhang. 3 Catharina v. Münchhausen (ca. 1551-4.9.1625). Leveke von Münchhausen erlebt während des Dreißigjährigen Krieges als Lehrschülerin im evangelischen Stift Fischbeck die Besetzung des Stifts durch kaiserliche Truppen. Sie flieht auf den Erbhof ihrer Familie in (Hess.) Oldendorf, wo sie die Verantwortung für die Haushaltung übernimmt und wiederholt von plündernden Söldnern bedroht wird. Eine erste Eheschließung endet in einer frühen Witwenschaft und prekären Verhältnissen. Ihre zweite Ehe mit dem lippischen Landdrosten Hans Adam von Hammerstein macht sie zur Stammmutter aller Linien von Hammerstein. Mit dieser Biografie zeichnet Renate Oldermann nicht nur ein lebhaftes Bild der Welt der niedersächsischen Adelsfamilien des 17. Jahrhunderts. Auf der Grundlage von Chroniken und Briefen dokumentiert die Autorin ebenso das Leben einer Frau, deren frühneuzeitliche Lebenswelt durch Herkunft, Erziehung und Frömmigkeit geprägt ist, die jedoch in der Konfrontation mit Notlagen und in der Durchsetzung persönlicher Wünsche ein eigenes Profil gewinnt.
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