Karitativer Kredit: Die Monti di Pietà, franziskanische Wirtschaftsethik und städtische Sozialpolitik in Italien (15. und 16. Jahrhundert)
معرفی کتاب «Karitativer Kredit: Die Monti di Pietà, franziskanische Wirtschaftsethik und städtische Sozialpolitik in Italien (15. und 16. Jahrhundert)» نوشتهٔ Tanja Skambraks، منتشرشده توسط نشر BWV Berliner Wissenschafts-Verlag. in Franz Steiner Verlag GmbH در سال 2023. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Mikrokredite sind keine Erfindung der Moderne. Sie gehörten bereits im Mittelalter zu den Instrumenten der erfolgreichen Armutsbekämpfung. Die Kreditwirtschaft basierte damals auf einer christlichen Wirtschaftsethik, vor allem auf den Ideen Nächstenliebe und Gemeinwohl. Inspiriert durch diese Ethik wurden im Italien des 15. Jahrhundert hunderte städtische Pfandleihhäuser gegründet. Diese "Berge der Barmherzigkeit" (Monti di Pietà) genannten Institute vergaben günstige Kleinkredite an Handwerker, Tagelöhner und kleine Händler und boten zudem Geldanlagen und Bankenservices an. Tanja Skambraks untersucht die Geschichte dieser Pfandleihanstalten und ihre wirtschaftsethischen Grundlagen im 15. und 16. Jahrhundert. Sie nutzt eine Vielfalt lateinischer und italienischer Quellen wie Traktate und juristische Gutachten, aber auch zahlreiche administrative Schriften wie Rechnungsbücher und Statuten. Hinzu kommen Ausblicke in den deutschsprachigen Raum. Die Studie deckt die lange Dauer von Kleinkrediten für arbeitende Arme auf und befasst sich mit der Idee einer moralischen Ökonomie mit hoher Relevanz für die Gegenwart. Wichtige Währungen und Einheiten Rechenwährung Münzen Maße und Gewichte 1. Einleitung 1.1.Historischer Kontext 1.1.1.Was sind Monti di Pietà? 1.1.2.Welche Armen? 1.1.2.1.Hilfe für die arbeitenden Armen 1.1.2.2.Lebensstandard der arbeitenden Armen im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts 1.1.2.3.Löhne und Preise in Florenz und Rom 1.1.2.4.Lohnverfall und Preisschwankungen in Florenz und Rom – die Monti als Instrument der Krisenbekämpfung 1.1.3.Arme als Schuldner und Konsumenten. Kreditformen kleiner Leute im spätmittelalterlichen Italien 1.1.3.1.Was ist ein Kleinkredit? 1.1.3.2.Arbeitende Arme als Konsumenten 1.2.Forschungskontexte, Fragestellungen und Vorgehen 1.2.1.Armutsbekämpfung als Thema der longue durée und moral economy 1.2.2.Neue Perspektiven: Kleinkredit und Konsumgesellschaft 1.2.3.Kredit als soziales Bindemittel 1.2.4.Von der caritas zur Sozialpolitik. Ursprünge des Wohlfahrtsstaats 1.2.5.Die Koexistenz informeller und formeller Kreditmärkte 1.2.6.Überlieferung und Themen der Forschung zu den Monti di Pietà 2. Franziskanische Wirtschaftsethik und die Entwicklung der Monti di Pietà 2.1.Markt und Moral: franziskanische Innovationen im wirtschaftsethischen Diskurs vor dem 15. Jahrhundert 2.1.1.Kapital und Zins bei Petrus Johannes Olivi 2.1.1.1.Kredit, Leihe und Wucher bei Olivi 2.1.1.2.Kapitalbegriff 2.1.1.3.Wucherische Verträge 2.1.2.Weiterentwicklung der Ideen Olivis durch Bernardino da Siena 2.2.Franziskaner als Mediatoren und Promotoren der Monti 2.2.1.Rechtsexperten: Traktate und Consilia als Medien der Agitation 2.2.2.Consilia als Medien der Wissensvermittlung 2.2.2.1.Stadtgemeinschaft, Wucher und Vertragsrecht: Zwei frühe Consilia aus Perugia: Baglione dei Montevibiani und Fortunato Coppoli, 1469 2.2.2.2.Innovation des Vertragsrechts: Fortunato Coppolis Consilium, 1469 2.2.2.3.Das Consilium super Montem pietatis des Gomez di Giovanni da Lisboa 2.2.2.4.Rechnen als Argument: Marco da Montegallos Tavola della Salute 2.2.2.5.Gegenstimmen: Niccolò Barianis De Monte Impietatis, 1496 2.2.2.6.Reaktionen: Bernardino de Bustis Defensorium Montis pietatis 1497 2.2.2.7.Ein depositum apostolicum für die Gemeinschaft: Annio da Viterbo, Questiones, 1492 2.2.3.Agitation, Wissenstransfer und mediale Inszenierung – Predigten und Streitgespräche 2.2.3.1.Die Predigten des Franziskaners Bernardino da Feltre in Pavia 1493/94 2.2.3.2.Öffentliche Streitgespräche – die Inszenierung der Experten in Florenz, Narni und Cremona 2.2.3.3.Legitimation durch päpstliche Approbation und der Eingang der neuen Ideen ins Kirchenrecht (Der Beschluss des 5. Lateranums 1515) 2.2.4.Spätere Kritik und Reformgedanken: Agostino di Montalcino (1590) 2.2.5.Die Zusammenführung von Caritas und Kredit: das Bildprogramm der Franziskaner 2.2.5.1.„Imago pietatis“ 2.2.5.2.„Monte denariorum – Monte di pietà“ 2.2.5.3.„Il Pignoramento“ 2.3.Fazit 3. Zwischen Kooperation und Konkurrenz. Jüdische Pfandleihe und Monti di Pietà 3.1.Die Juden zwischen Verdrängung und Akzeptanz 3.2.Juden als Finanziers der Gründungen – das Beispiel Florenz 3.3.Juden als Kunden der Monti 3.4.Jüdische Pfandleiher ersetzten die Monti – das Fallbeispiel Venedig 3.5.Rechtfertigungsstrategien – der Traktat De foenore Iudaeorum (1555) 3.6.Fazit: Kreditbeziehungen zwischen Kooperation und Konkurrenz: Ambiguität, Interaktion, Marginalisierung 4. Kredit und Vertrauen: Organisation und Funktionsweise der Monti 4.1.Gründungsmotive und Gründer 4.2.Das Grundkapital 4.2.1.Spenden und Prozessionen – Verona 4.2.2.Finanzierung aus Gerichtseinnahmen – Rom 4.3.Das Personal 4.3.1.Der Vorstand 4.3.2.Externe Buchprüfer: Kontrolle der Monti durch die Stadtregierung 4.3.3.Die Beamten 4.3.3.1.Der Depositarius 4.3.3.2.Der Kassierer (cassiere) 4.3.3.3.Der Buchhalter (computista) 4.3.3.4.Der Schätzer (estimatore) 4.3.3.5.Der Pfandmeister (custos oder factore) 4.3.3.6.Anwalt und Prokurator 4.3.3.7.Der Notar 4.3.3.8.Hilfsknaben (fancelli) 4.3.4.Entlohnung der Beamten – Zins 4.4.Der Ablauf der Pfandleihe 4.4.1.Kunden 4.4.2.Leihsumme und -dauer 4.4.3.Pfandarten 4.4.4.Geschäftszeiten 4.4.5.Die Versteigerung 4.4.6.Neugründungen von Filialen 4.4.7.Sanktionen bei Veruntreuung und Missbrauch von Geld 4.5.Die Regulierung jüdischer Pfandleihe 4.6.Interpretation – Strategien der Vertrauensbildung: Reputation, Marginalisierung und wirtschaftlicher Erfolg 4.6.1.Strategien der Vertrauensbildung bei den Monti di Pietà 4.6.1.1.Die Professionalisierung des Instituts 4.6.1.2.Religiöse Rechtfertigung des Vertrauens und die Marginalisierung der Juden 4.7.Fazit 5. Pfandobjekte als Wertspeicher in der mittelalterlichen Armutsökonomie 5.1.Pfandobjekte in den Registern des Monte di Lapedona und des Monte di Perugia 5.1.1.Objekte und Wertzuschreibung – eine Liste verkaufter Pfandgegenstände aus Perugia (1469/70) 5.1.1.1.Hinweise auf die Sozialstruktur der Akteure 5.1.1.2.Begehrte Objekte höheren Wertes 5.1.2.Pfandleihe in Lapedona: das Pfandregister der Jahre 1578 bis 1590 5.1.2.1.Die Pfandobjekte im Pfandbuch aus Lapedona 5.1.3.Kaufkraft und Geldwert 5.1.4.Die Attribuierung der Pfandgegenstände 5.2.Fazit 6. Der Monte als Bank: Einblicke in die Kreditwirtschaft des frühneuzeitlichen Rom 6.1.Die Form der Bücher und die Buchführungstechnik 6.1.1.Auswertungsmöglichkeiten und Stichprobe 6.2.Preise und Löhne in Rom im 16. Jahrhundert anhand der Libri Mastri 6.3.Die Höhe der Einlagen 6.4.Anlagen, Ausgaben und Ausstände in den Libri Mastri 6.4.1.Allgemeine Kaufgeschäfte 6.4.2.Der Kauf von Rohstoffen 6.4.3.Rechtsstreitigkeiten 6.4.4.Mietzahlungen 6.4.5.Mitgiften 6.4.6.Die compagnia d’offitio als spezifisch römische Darlehensform 6.4.7.Die Rente: census 6.4.8.Pachtformen: canone, affitto, risposta 6.4.9.Unbestimmte oder nicht näher benannte Schulden 6.4.10.Frei verfügbare Depositen: a suo piacere 6.4.11.Zwischenfazit 6.5.Wer waren die Klienten und Anleger? 6.5.1.Verteilung der Anleger nach Berufsgruppen 6.5.2.Verteilung der Anleger nach Geschlecht, Religion und Institution 6.5.2.1.Frauen 6.5.2.2.Juden 6.5.2.3.Bruderschaften und Klöster 6.5.3.Herkunfts- und Arbeitsorte der Klienten 6.6.Fazit 7. Erfolgsmodell außerhalb Italiens? Die Montes Pietatis im deutschsprachigen Raum 7.1.Die Monti als Teil einer politischen Ökonomie in der Frühen Neuzeit: zwei Beispiele aus den Jahren 1508 und 1715 7.1.1.Christoph Cuppeners „Ein schons Buchlein“ (1508) 7.1.2.Montes Pietatis im Traktat Paul Jacob Marpergers (1715) 7.1.3.Zusammenfassung 7.2.Die Einrichtung eines Leihhauses nach dem Vorbild der Monti in Nürnberg 1618 7.3.Fazit 8. Conclusio 8.1.Zusammenfassung der Ergebnisse 8.2.Ausblick zur Anschlussfähigkeit der erzielten Forschungsergebnisse an gegenwärtige gesellschaftliche Probleme und Diskussionen 8.2.1.Thesen und epochenübergreifende Bezüge 8.2.1.1.Von der christlichen Wirtschaftsethik zur Sozialpolitik 8.2.1.2.Kleinkredit als sozialpolitisches Instrument in italienischen Städten 8.2.1.3.Wohlfahrt und Herrschaft 8.2.1.4.Vom bonum commune zur Gemeinwohlökonomie 8.2.1.5.Moralische Ökonomie und Kooperation 8.2.1.6.Moralische Ökonomie und Vertrauen 8.2.2.Armutsverständnis und Armutsbekämpfung 8.2.3.Kleinkredit und Mikrokredit 8.2.4.Kleinkredit und Marktteilhabe 9. Bibliografie 9.1.Ungedruckte Quellen 9.2.Frühe Drucke 9.3.Edierte Quellen 9.4.Forschungsliteratur 9.5.Internetquellen 10. Anhang 10.1.Bildprogramm 10.1.1 „Il Pignoramento“ Giovanni Battista Bertucci il Giovane (1539–1614) 10.1.2.Die Predigt des Fra Marco da Montegallo, Kaltnadelradierung 10.1.3.Tabula della Salute (1494), Holzschnitt aus Marco da Montegallos Traktat 10.2.Buchführung: Kontoübersicht der Anlagebank des Monte di Pietà 11. Register Personen und Orte
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