Jugend ohne Sinn? : Eine Spurensuche zu Sinnfragen der jungen Generation 1945–1949
معرفی کتاب «Jugend ohne Sinn? : Eine Spurensuche zu Sinnfragen der jungen Generation 1945–1949» نوشتهٔ Wolfgang Braungart; Gabriele Guerra; Justus H Ulbricht; V et R unipress GmbH، منتشرشده توسط نشر V&R unipress. ein Imprint der Brill Deutschland GmbH در سال 2022. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Ja, wenn die Kinder Kinder blieben, dann Könnte man ihnen immer Märchen erzählen Da sie aber älter werden Kannman es nicht. 16 Nein, daskann man jetzt nicht mehr, »Märchen erzählen«. Die Kinder sind nicht Kinder geblieben. Die Besinnung und Berufung aufdas Gute, Wahre, Schöne,auf das, wass ich eben nicht bewährth at: Steht sie der Jugend noch, wieder, überhaupt zur Verfügung? 17 Waskann sie vielleicht sogarspirituell für sich belegen? In der Lakonie des Gedichtes, die das Banale streift, und besonders im lakonischen Schlussvers wird die geschichtliche Ernüchterung zum Formprinzip. Das harte Stakkato vier einsilbiger Wörter ist selbst ein Statement. Aus dem poetischen Irrealis des Märchens, hier ein wenig verführerisch instrumentiert zum Beispiel durch Alliterationen und schmeichlerische Assonanzen (»die Kinder Kinder blieben, dann / Könnte man ihnen immer Märchen erzählen«), ist das Gedicht nun im Indikativ der geschichtlichen Realität angekommen (könnte/ kann). Ich muss nun noch einmal kurz zu dem eingangs zitierten Gedicht Brechts zurückkehren: Die Form ist viel kunstvoller, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die jeweils fünf Verse umfassende Strophe folgt keiner festen, eingeführten Strophenformund erscheint durch die Wiederholungsstrukturen dennoch sehr festgefügt. Es sind fünfhebige Jamben, die sehr beweglich gehandhabtw erden, manchmal eher unregelmäßig, sogar an das Süddeutsche, Mündliche grenzend (»gelanget hätten«), also auch sprachlichmit dem arbeitend, wasman so hat oder mitbringt. Wiei nd en ersten Nachkriegsjahren überhaupt. Auch die poetische Form wird zur symbolischen Form: So ist es eben nach 1945 unweigerlich. Und der Blankvers, der Vers der Literatur um 1800. Goethe verwendet ihn in der »Iphigenie«, Lessing im »Nathan«. Nur einmal weichtB recht vomf ünfhebigen Vers ab: im vorletzten Vers, einem Senar, einem sechshebigen jambischenV ers: »Daß sie euch die Geburt und nichtden To ddann schulden«. Das hätte er leicht anders machen können; etwas o: »Daß sie euch die Geburt, nicht To dd ann schulden.« Er wollte es offensichtlich nicht. Er wollte die Störung des ruhigen Gleichmaßes. In welche Welt sollen diese »Kinder« hineingeboren sein?Die Reime variieren; aber immer wiederholt der letzte Vers einen ganzen Vers oder einen Teil eines vorausgegangenen Verses. Seit seinen lyrischen Anfängen liebt Brecht das litaneihafte, ritualisierte poetische Sprechen. »Wer möchteleben ohne den Trost« 16 BFA 12, Gedichte 2, S. 71. Es liegt die Vermutung nahe, dass es für ›die Jugend‹ gerade in den frühen Nachkriegsjahren einen großen Bedarf an Sinn und Trost, an Religion und ›Religioidem‹ (Simmel) gegeben habe. Aber war es tatsächlich so? Gerade die junge Generation hatte sich mit einer nie dagewesenen »transzendentalen Obdachlosigkeit« (G. Lukács) auseinanderzusetzen. Wenn sie das denn wirklich tat! Wie ging sie mit der Schuldfrage um? Griff sie auf das zurück, was sich in Literatur, Philosophie, Theologie längst ›bewährt‹ hatte? Konnten die Vergemeinschaftungsprozesse der historischen Jugendbewegung mit ihrer Semantik noch für die Bedürfnisse nach weltanschaulicher Zugehörigkeit einen Raum bieten? Nahm Jugend den Charakter eines Sondermilieus an, um sich abzugrenzen von denen, die die Katastrophe zu verantworten hatten? Diesen und anderen Fragen widmet sich der vorliegende Band. One would think that for'the youth'there was a great need for meaning and comfort, for religion and'religioids'(Simmel), especially in the early post-war years. But was this really the case? The young generation in particular had to deal with an unprecedented'transcendental homelessness'(G. Lukács). If it really did so! How did it deal with the question of guilt? Did it fall back on what had long been'tried and tested'in literature, philosophy, theology? Could the communal processes of the historical youth movement with its semantics still offer a space for socializing for the need for ideological affiliation? Did youth take on the character of a special milieu in order to distance itself from those who were responsible for the catastrophe? This volume deals with these and other questions.
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