Institutionalisierung psychosozialer Versorgung : Eine Feldforschung im Grenzbereich von Gesundheit und Krankheit
معرفی کتاب «Institutionalisierung psychosozialer Versorgung : Eine Feldforschung im Grenzbereich von Gesundheit und Krankheit» نوشتهٔ Regine Gildemeister (auth.)، منتشرشده توسط نشر Deutscher Universitäts Verlag در سال 1989. این کتاب در 3 صفحه، فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
Einleitung: Die Entwicklung der Fragestellung 1 Gesundheit und Krankheit 1.1 Psychisches Leiden im Lichte seiner wissenschaftlichen Bearbeitung -Anmerkungen zorn Stand einer paradigmati-schenKontroverse. 1.2 Psychisches Leiden aIs Ausdruck und Foige belastender Lebensbedingungen? Zorn Zusammenhang von psychischer Abweichungundgesellschaftlichen Entwicklungstendenzen 1.3 Psychisches Leiden im Lichte seiner praktischen Bearbeitung: institutionelle ProblemlosungsversucheMan wird nicht zum Wahnsinnigen, wie man es mOchte ( ... ), die Kultur hat fiir aile vorgesorgt. 1m Zentrum der Gestaltung einer Neurose und Psychose, durch die wir der Gesellschaft zu entkommen suchen, holt sie uns wieder ein, urn uns zu sagen, welche Ersatzpersonlichkeit wir anzunehmen haben" (Jaccard 1983, S. 12).Es gibt damit in gewissem Sinne "korrekte" Formen des Wahnsinns, der psychischen Storung: in jeder Gesellschaft bestehen konkrete Vorstellungen daruber, wie sich "Verruckte" benehmen und zu benehmen haben. Devereux bringt dies auf den Punkt, daB in einer Kultur explizite Anweisungen fur den MiBbrauch "kulturellen Materials" bestanden, eine Art Direktive, die laute: "Hute dich, verruckt zu werden, aber wenn du es wirst, dann fiihre dich in der und der Weise auf' (Devereux 1974, S. 71). Der Wahn/die Storung ist nicht die Aktivitat des Abweichenden allein, sondern eine kollektive Konstruktion, an der das soziale Milieu, die je spezifische soziale Welt ebenso wie der "Storer" (und Leidende) selbst beteiligt sind.Die Welt der Normen und Symbole begrenzt die flieBende Zone von Normalitat und Abweichung, Vernunft und Unvernunft; sie definiert den Wahnsinnigen/die Storung und die Heilung. Anders ausgedruckt: in dem, was "Heilung" bedeutet, liegt auch das Defmitionspotential ffir die Storung oder die "Symptome".Das Phanomen, aus dem Horizont von Normalitatserwartungen und -konzeptionen herauszufallen und darin zugleich durch die sozialen Normen der Umgebung negativ bestimmt zu sein, kann bei dem Betroffenen zur Ursache und Quelle von Leidenserfahrungen werden. Das heiSt allerdings nicht notwendig, daB der einzelne sich als "krank" defmiert. "Fehlende Krankheitseinsicht" gilt z.T. als ein "wesensmaBiges" Merkmal von psychischer Krankheit bzw. als Konstituens der Arzt-Patient-Beziehung (vgl. dazu Jaspers 1942, S. 394 sowie auch Fengler/Fengler 1980, S. 337ff.). Dies sagt aber nichts uber das AusmaB des Leidens aus. Die Defmition "krank" ist indes erst ein Produkt der sozialen Prozessierung bzw. der Kommunikation von Arzt und/oder Therapeuten mit dem Abweichenden und den Angehorigen (34).Und damit kommen wir auf die Uberlegung Canguilhems zuruck. Dort, wo psychische Abweichung (Leiden) als "krank" definiert ist, entstehen Garanten" (Touraine 1974) der sozialen Ordnung: mythische, religiose, politische und okonomische Orientierungssysteme verlieren an Geltung, ein hOherer' pradikativer und integrativer Bezug fUr Sinnsysteme und Lebens-bzw. Identitatsbilder geht verloren. Zugleich veriindern sich die Aneigungswege fUr diese: an die Stelle einer sozial gestiitzten, real lebbarenErfahrungtritt derenzunehmende Vermittlungiiber Medien. spricht in diesem Zusammenhang von drei Momenten der "Individualisierung": "Herausl5sung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts-und Versorgungszusammenhiinge ("Freisetzungsdimension"), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen ("Entzauberungsdimension") und -womit die Bedeutung des Begriffs gJeichsam in ihr GegenteiJ verkehrt wird -eine neue Art der sozialen Einbindung ("Kontroll-bzw. Reintegrationsdimension")" (Beck 1986, S. 206).Mit der Individualisierung als Vergesellschaftungsform erhOhen sich die Anforderungen an die Handlungs-und Entscheidungskompetenz des einzelnen. Zugleich bleibt die Abhiingigkeit und UnbeeinfluBbarkeit der gesellschaftlichen Existenz bestehen und nimmt sogar zu. Beck spricht in diesem Zusammenhang von einer "Gesellschaft der Unselbstiindigen", in der der "mtindige BUrger" gefordert ist, der in der Lage ist, seine Reproduktion eigenstiindig durch abhiingige Arbeit zu sichern und fUr sich selbst einzustehen. Das Unvermogen, diesen Anforderungen in korperlicher, seelischer, kognitiver Hinsicht zu entsprechen, wird zum personlichen DefIzit, erschwert oder verunmoglicht die Teilnahme am "normalen" gesellschaftlichen Leben.In diesem Zusammenhang wird auch von IdentitatsmaBstaben gesprochen, anhand derer zwischen "Miindigkeit" und "Unmiindigkeit" differenziert wird (Plake 1981 . Solche "IdentitatsmaBstabe" sind zwar nicht so priizise defmiert, daB sie eine solche Diskriminierung kraft ihrer selbst festlegen, stehen aber a1s BezugsiToBen hinter den Defmitions-und Zuschreibungsprozessen im sozialen Verkehr und sind die Basis von "Sonderbehandlungs-" und "Ausgrenzungsprozessen". Diese IMaBstabe" und deren jeweilige inhaltliche Ausformungen sind, wie angesprochen, durch individualisierende Konzepte bestimmt und stehen in engem Zusammenhang mit den angesprochenen Effekten der Veriinderung von Vergesellschaftungsformen undLebensstilen.Damit erhOhen sich die Anforderungen an die Identitatsleistung der Person -wenn die Lebenssituation des einzelnen gekennzeichnet ist Front Matter....Pages 1-7 Einleitung: Die Entwicklung der Fragestellung....Pages 8-14 Gesundheit und Krankheit....Pages 15-59 Institutionen und Institutionalisierung als Gegenstand empirischer Forschung....Pages 60-93 Methodik und Forschungsprozeß....Pages 94-118 Drei Institutionen psychosozialer Versorgung: Eine soziologische Beschreibung....Pages 119-390 Der Blick auf die Kulissen der Institutionen: Zusammenschau und Folgerungen....Pages 391-445 Einige Seiten abschließender Nachdenklichkeit....Pages 446-450 Back Matter....Pages 451-467 Regine Gildemeister. Duv Sozialwissenschaft--cover P. 4. Includes Bibliographical References (p. 451-467).
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