Heinrich von Kleist: Heinrich von Kleist’s gesammelte Schriften. Teil 3
معرفی کتاب «Heinrich von Kleist: Heinrich von Kleist’s gesammelte Schriften. Teil 3» نوشتهٔ Heinrich von Kleist, Ludwig Tieck, Julian [Bearb. ] Schmidt, Heinrich Kleist، منتشرشده توسط نشر De Gruyter در سال 2018. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
An den Usern der Havel lebte um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts ein Roßhändler Namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetz lichsten Menschen seiner Zeit. Dieser außerordentliche Mann würde bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staats bürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er in der Furcht Gottes zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht Einer war unter seinen Nachbarn, der stch nicht seiner Wohl thätigkeit oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das RechtSgesühl aber machte ihn zum Räu ber und Mörder. Er ritt einst mit einer Koppel junger Pferde, wohlgenährt alle und glänzend, m16 Ausland, und überschlug eben, wie er den Ge winnst, den er auf den Märkten damit zu machen hoffte, anlegen wolle, theils nach Art guter Wirthe auf neuen Gewinnst, theils aber auch auf den Genuß der Gegenwart: als er an die Elbe kam und bei einer stattlichen Ritterburg auf fächstschem Gebiete einen Schlagbaum traf, den er sonst aus diesem Wege nicht gesunden hatte. Cr hielt in einem Augenblick, da eben der Regen heftig stürmte, mit in dem er zur Zeit seines Aufenthalts am Hofe mit demselben ge standen hatte, bekannt war, so erlaubte er Herfen, dem Großknecht, dem ein Schmer; beim Athemholen über der Brust seit jenem schlim men Tage auf der Tronkenburg zurückgeblieben war, die Wirkung der kleinen mit Dach und Einfassung versehenen Heilquelle zu ver suchen. Es traf sich, daß der Stadthauptmann eben am Rande de6 Kessels, in welchen Kohlhaas den Herse gelegt hatte, gegenwärtig war, um einige Anordnungen zu treffen, als jener durch einen Bo ten, den ihm seine Frau nachschickte, den niederschlagenden Brief seines Rechtsgehülfen aus Dresden empfing. Der Stadthauptmann, der, während er mit dem Arzt sprach, bemerkte, daß Kohlhaas eine Thräne auf den Brief, den er bekommen und eröffnet hatte, fallen ließ, näherte sich ihm auf eine freundliche und herzliche Weise, und fragte ihn, was für ein Unfall ihn betroffen; und da der Roßhändler ihm, ohne ihm zu antworten, den Brief überreichte: so klopfte dieser wür dige Mann, dem die abscheuliche Ungerechtigkeit, die man auf der Tronkenburg an ihm verübt hatte, an deren Folgen Herse eben, vielleicht auf die Lebenszeit, krank danieder lag, bekannt war, aus die Schulter und sagte ihm, er solle nicht muthloS sein, er werde ihm zu seiner Genugthuung verhelfen. -Am Abend, da sich der Roßkamm seinem Befehl gemäß zu ihm auf's Schloß begeben hatte, sagte er ihm, daß er nur eine Supplik mit einer kurzen Darstellung des Vorfalls an den Kurfürsten von Brandenburg aussetzen, den Brief des Advocaten beilegen, und wegen der Gewaltthätigkeit, die man sich auf sächsischem Gebiet gegen ihn erlaubt, den landesherrlichen Schutz aufrufen möchte. Er versprach ihm, die Bittschrift unter einem anderen Packet, das schon bereit liege, in die Hände des Kur fürsten zu bringen, der seiuethalb unfehlbar, wenn es die Verhält nisse zuließen, bei dem Kurfürsten von Sachsen einkommen würde; und mehr als eines solchen Schrittes bedürfe es nicht, um ihm bei dem Tribunal in Dresden, den Künsten des Junkers und seines Michael Ko-lhaa-. hob ihr Jüngstes auf, das hinter ihr auf dem Boden spielte, Blicke, in welchen sich der Tod malte, bei den rothen Wangen des Knaben vorbei, der mit ihren Halsbändern spielte, auf dm Roßkamm und ein Papier werfend, das er in der Hand hielt. Der Amtmann fragte, indem er ihn befremdet ansah, was ihn plötzlich aus so sonderbare Gedanken bringe; worauf jener mit so viel Heiterkeit als er erzwin gen konnte erwiederte: der Gedanke, seinen Meierhof an den Ufern der Havel zu verkaufen, sei nicht allzuneu; sie hättm beide schon oft über dlesen Gegenstand verhandelt; sein Haus in der Vorstadt von Dresden sei im Vergleich damit ein bloßer Anhang, der nicht in Er wägung komme; und kurz, wenn er ihm seinen Willen thun und beide Grundstücke übernehmen wolle, so sei er bereit den Contract darüber mit ihm abzuschließen. Er setzte mit einem etwas erzwungenen Scherz hinzu, Kohlhaasenbrück sei ja nicht die Welt; es könne Zwecke ge ben, in Vergleich mit welchen, seinem Hauswesen als ein ordent licher Vater vorzustehen, untergeordnet und nichtöwitrdig sei: und kurz seine Seele, müsse er ihm sagen, sei auf große Dinge ge stellt, von welchen er vielleicht bald hören werde. Der Amtmann, durch diese Worte beruhigt, sagte auf eine lustige Art zur Frau, die das Kind einmal über das andere küßte: er werde doch nicht gleich Bezahlung verlangen? legte Hut und Stock, die er zwischen den Knieen gehalten hatte, auf den Tisch, und nahm das Blatt, das der Roßkamm in der Hand hielt, um es durchzulesen. Kohlhaas indem er demselben näher rückte, erklärte ihm, daß es eilt von ihm auf gesetzter eventueller in vier Wochen verfallener Kaufcontract sei; zeigte ihm, daß darin nichts fehle als die Unterschriften und die Einrückung der Summen, sowohl was den Kaufpreis selbst, als auch^ den Reukauf, d. h. die Leistung betreffe, zu der er sich, falls er bin nen vier Wochen zurückträte, verstehen wolle; und forderte ihn noch einmal munter auf, ein Gebot zu thun, indem er ihn versicherte, daß er billig sein und keine großen Umstände machen würde. Die man dich in deinen Rechten nicht schützen wird?' Wenn du dem Herrn bescheiden wie es dir zukommt mit deiner Bittschrift nahst: woher weißt du daß sie bei Seite geworfen, oder mit Verweigerung dich zu hören beantwortet werden wird? -Wohlan, antwortete Kohlhaas, wenn meine Furcht hierin ungegründet ist, so ist auch mein HauS noch nicht verkauft. Der Herr selbst, weiß ich, ist ge recht; und werm es mir nur gelingt, durch die, die ihn umringen, bis an seine Person zu kommen, so zweifle ich nicht, ich verschaffe mir Recht und kehre fröhlich noch ehe die Woche verstreicht zu dir und meinen alten Geschäften zurück. Möcht' ich alsdann noch, setzt' er hinzu, indem er sie küßte, bis an das Ende meines Lebens bei dir verharren! -Doch rathsam ist eS, fuhr er fort, daß ich mich auf jeden Fall gefaßt mache; und daher wünschte ich, daß du dich auf einige Zeit, wenn es sein kann, entferntest und mit den Kindern zu deiner Muhme nach Schwerin gingst, die du überdieß längst hast besuchen wollen. -Wie? rief die Hausfrau, ich soll nach Schwerin gehen? über die Gränze mit den Kindern zu meiner Muhme nach Schwerin? Und das Entsetzen erstickte ihre Sprache. -Allerdings, antwortete Kohlhaas, und das wenn es sein kann gleich, damit ich in den Schritten, die ich für meine Sache thun will, durch keine Rücksichten gestört werde. -O! ich verstehe dich! rief sie. Du brauchst jetzt nichts mehr als Waffen und Pferde; alles Andere kann nehmen wer will! Und damit wandte sie sich, warf sich auf einen Sessel nieder und weinte. -Kohlhaas sagte betroffen: liebste LiSbeth was machst du? Gott hat mich mit Weib und Kindern und Gütern gesegnet; soll ich heute zum Erstenmal wünschen, daß es an ders wäre? -Er setzte sich zu ihr, die ihm bei diesen Wortm erröthend um den Hals gefallen war, freundlich nieder. -Sag' mir an, sprach er, indem er ihr die Locken von der Stirne strich: was soll ich thun? soll ich meine Sache aufgeben? soll ich nach der Tronkenburg gehen und den Ritter bitten, daß er wir die Pferde Erzählungen Michael Kohlhaas Die Marquise von O.... Das Erdbeben in Chili Die Verlobung in St. Domingo Das Bettelweib von Locarno Der Findling Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. (Eine Legende.) Der Zweikampf Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege Ueber das Marionettentheater Was gilt es in diesem Kriege? (1809.) Fragment aus dem Trauerspiel: Robert Guiskard, Herzog der Normänner Gedichte, Epigramme u. Anhang Inhalt der drei Theile
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