Geschichte der chinesischen Literatur: Band 5 Ästhetik und Literaturtheorie in China. Von der Tradition bis zur Moderne
معرفی کتاب «Geschichte der chinesischen Literatur: Band 5 Ästhetik und Literaturtheorie in China. Von der Tradition bis zur Moderne» نوشتهٔ Pohl, Karl-Heinz ;Kubin, Wolfgang (editor)، منتشرشده توسط نشر Walter de Gruyter – K. G. Saur در سال 2006. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
33 Das stete, harte Üben in Anlehnung an ein Vorbild oder einen Meister wird auf Chinesisch gongfu genannt. Dieses Wort, das wir hier inzwischen in seiner eingedeutschten Form -Kungfu -als Synonym für chinesisches Karate verwenden, betrifft allerdings nicht nur die Kampfkünste (diese zwar besonders stark), sondern bezeichnet die Übungspraxis -und die daraus resultierende Leistung -in jeder der traditionellen Künste Chinas, also auch in der Dichtung und Malerei. Allein aufgrund dieses Zusammenhangs wären die Kampfkünste als wesentlicher Teil einer chinesischen Ästhetik zu betrachten. Es muß bereits eine vor-qinzeitliche Kommentarliteratur zum Buch der Lieder gegeben haben, allerdings hat nur einer dieser Kommentare die Bücherverbrennung der Qin überlebt: der Text und Kommentar von Mao Heng und Mao Chang aus der Zeit der Streitenden Reiche, kurz »Mao Kommentar« (Mao zhuan) genannt, 12 Diese Besonderheit hat sich in der Vorliebe der Chinesen, sich in chengyu-Sprichwörtern auszudrücken, bis heute gehalten. Sie stellt offenbar einen kulturgeschichtlichen Restbestandteil dieser hohen Kunst dar. 13 Diesen unkreativen, da nur entlehnenden Gebrauch der Dichtung nannte man fu shi yan zhi, d.h. das Vortragen von Gedichten bei diplomatischen oder ähnlichen öffentlichen Anlässen. Ein ausführliches Beispiel dafür wird im Kommentar des Zuo (Zuozhuan, Xiang 27, in: JAMES LEGGE: The Ch'un Ts'ew with the Tso Chuen, Taipei: Southern Materials Center 1985, S. 530, 533-34) geschildert, wo bei einem diplomatischen Treffen sieben Vertreter von Teilstaaten aufgefordert werden, mit Hilfe von Gedichtzeilen ihre Absichten (zhi) kundzutun. In seinem für diese Thematik wichtigem Buch Shi yan zhi bian (Untersuchung über Dichtung als Ausdruck der Gesinnung), Peking 1956, unterscheidet ZHU ZIQING noch zwei weitere Untergruppen, nämlich »Eingabe von Gedichten« (xian shi) als frühester Umgang und »Unterweisung mit Gedichten« (jiao shi) wie z.B. in den Gesprächen des Konfuzius (Lunyu). Er datiert den Beginn des kreativen Dichtens (zuo shi) erst in die Zeit Xunzis (etwa 4.-3. Jh. v. Chr.), und zwar zeitgleich mit dem Beginn der fu-Dichtung (Rhapsodien bzw. Prosagedichten). S. RÖLLICKE: Die Fährte des Herzens. Zur fu-Dichtung s. Kap. I.7. In diesem Abschnitt wird der für die chinesische Literatur-und Kulturgeschichte so wichtige und enge Zusammenhang von Dichtung/Musik und Politik diskutiert. Auch haben wir hier die Widerspiegelungstheorie gleichsam in einer chinesischen Urform: Dichtung und Musik spiegeln die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit des Volkes, eine gute oder schlechte Regierung wider. Das heißt, Inhalt und Gestalt der Dichtung sind determiniert von der sozialen Wirklichkeit. 17 17 Dieser Absatz ist identisch mit einer Passage aus dem Musikkapitel im Buch der Riten (Liji). Der entsprechenden Stelle geht dort folgende Passage voraus: »Die Klänge entstehen im Herzen des Menschen. Die Bewegungen der Gefühle im Inneren gestalten sich im Laut. Der Laut, der nach dem Gesetz der Form gestaltet ist, heißt Klang.« S. WILHELM: Li Gi, S. 72. Wie bereits erwähnt, vermutet man die Autorschaft des Musikkapitels im Liji (aufgrund vieler Entsprechungen und überhaupt der großen Bedeutung die Xunzi der Musik und den Riten als erzieherische und harmonisierende Mittel in seinem eigenen Werk gibt) in Xunzis Schule. Insofern wird von vielen Literaturhistorikern die Autorschaft des »Großen Vorwort« Rank und schlank, die junge Frau, Dem Herrn eine gute Braut. Die ersten beiden Zeilen werden in Maos Kommentar als xing (Andeutung) bezeichnet. Es ist offenbar ein Naturbild; im Unterschied zu bi (ebenfalls häufig ein Naturbild) ist jedoch das Verhältnis zwischen Naturbild (Vehikel) und Menschenwelt (Tenor) nicht explizit oder eindeutig, sondern indirekt und dunkel (obskur). Vielmehr wird die Beziehung meist bestimmt durch eine Auslegungstradition; mit anderen Worten, von Schriftgelehrten wird oft eine metaphorische Bedeutung hineingelegt, die dann autoritativ wird (siehe dazu ausführlicher den Abschnitt weiter unten über die moralisierende Auslegung der Lieder). Insofern ließe sich xing als »indirekte Metapher« bzw. »dunkles Bild« verstehen. 24 Das Stilmittel xing finden wir meist am Anfang eines Gedichtes, oft auch in einer refrainartigen Wendung. (Eine der Bedeutungen des Schriftzeichens ist »anfangen« bzw. »anregen«.) Wir haben es demnach mit einer suggestiv-evozierenden bzw. Die Geschichte der chinesischen Literatur ist die bislang umfassendste Darstellung der etwa 3.000-jährigen chinesischen Literaturgeschichte und stellt jedes literarische Genre in seiner historischen Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart vor. Namhafte Fachgelehrte entwerfen ein Panorama der längsten lebendigen literarischen Tradition der Menschheit. Sieben Bände widmen sich einzelnen Gattungen 6 eine Bibliographie zur chinesischen Literatur in deutscher Sprache, ein biographisches Handbuch chinesischer Schriftsteller und ein Registerband schließen das Werk ab. Der fünfte Band verfolgt die Geschichte der Reflexion über Literatur und Kunst in China von den Anfängen des ersten vorchristlichen Jahrtausends bis zum Übergang Chinas in die Moderne (19./20. Jh.). Der Fokus liegt auf Schriften zu ästhetischen Aspekten der Dichtung als der wichtigsten literarischen Form in China. Die Themen reichen von Verschmelzung von Szenerie und Gefühl, Ausgewogenheit von Gehalt und Gestalt, Harmonie von Innen- und Außenwelt und natürlicher Kreativität bis zur>>Regel der Nicht-Regel
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