Die Baukunst und religiöse Kultur der Chinesen : Einzeldarstellungen auf Grund eigener Aufnahmen während dreijähriger Reisen in China . Band I, P'u t'o shan - Die heilige Insel der Kuan yin, der Göttin der Barmherzigkeit
معرفی کتاب «Die Baukunst und religiöse Kultur der Chinesen : Einzeldarstellungen auf Grund eigener Aufnahmen während dreijähriger Reisen in China . Band I, P'u t'o shan - Die heilige Insel der Kuan yin, der Göttin der Barmherzigkeit» نوشتهٔ Boerschmann, Ernst، منتشرشده توسط نشر Druck und Verlag von Georg Reimer De Gruyter در سال 2012. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
## KUAN YIN die Göttin der Barmherzigkeit mitTaufläschchen und Weidenzweig überschreitet auf einem Fabeltier zwischen Lotosblumen die Meereswogen Φ Sie fühlt in Mitleid Die Trübsal der Erde -Drum will sie verteilen Den süßen Tau Aus den westlichen Landen Nach einem Farbenholzschnitt von P'u t'o shan. ## Einleitung. Vorgeschichte meiner Studien in China. Als erste Frucht der Studien, die ich in China während der Jahre 1906--1909, meist auf ausge-± \ dehnten Reisen im Lande selbst, getrieben habe, gibt der vorliegende Band eine erste Einführung in ein Gebiet, das als neu bezeichnet werden kann, nämlich in die Darstellung der chinesischen Kultur auf der Grundlage der Baudenkmäler. Daß der Gedanke an eine planmäßige Erforschung und grundlegende Darstellung der chinesischen Baukunst im Zusammenhange mit der chinesischen Kultur in die Tat umgesetzt werden konnte, darum haben sich in erster Linie zwei Männer ein Verdienst erworben, deren Namen ich den folgenden Ausführungen voranstellen möchte, noch bevor ich auf ihren näheren Anteil an dem Werke eingehe. Es sind das die Herren P. JosephDahlmann S. J., der Gelehrte, dem die wissenschaftliche Erforschung der Religionen Indiens und Ostasiens so viel verdankt, und der Reichstagsabgeordnete Dr. jur. Carl Bachem, mit dessen Namen die Förderung zahlreicher deutscher Kulturwerke der letzten Jahrzehnte verbunden ist. Die Bedeutung, die diesem neuen Zweige der Kulturwissenschaft aller Voraussicht nach auch für die künftige Zeit zukommen wird, mag es rechtfertigen, an dieser Stelle auf die Umstände näher einzugehen, die zu dem Beginn und dem günstigen Verlauf meiner bisherigen Studien beigetragen haben. Gerade unsere Zeit schien berufen, jenen Gedanken der Erforschung der chinesischen Baukunst, wenn er einmal mit aller Schärfe erfaßt war, in die Tat umzusetzen. Das Ende des 19. Jahrhunderts, des ersten Jahrhunderts der Technik und des Verkehrs, sah sämtliche Völker im Wetteifer auf dem Gebiete weit ausschauender Weltpolitik. Der ferne Osten, besonders aber China, spielte mehr und mehr eine entscheidende Rolle in diesen Bestrebungen. Es war nun eine welthistorische Begebenheit, als gerade um die Wende des Jahrhunderts, im Jahre 1900, Heere sämtlicher großen Nationen der Erde sich in Nordchina vereinigten zum Kampfe gegen die Chinesen. Die kriegerischen Ereignisse an sich waren unbedeutend. Um so wichtiger waren die politischen Folgen jener Aktion, die in der Weltgeschichte unerhört war. China wurde gezwungen, sich an dem politischen und wirtschaftlichen Leben der Erde zu beteiligen, und hat das bisher willig und mit Verständnis getan. Was aber zu denken gibt, ist der Umstand, daß damals die Welt in zwei Lager geteilt war -hier China -dort alle anderen. Dadurch wurde zum Ausdruck gebracht einmal, negativ, die Grundverschiedenheit der chinesischen Kultur gegen unsere, dann aber, positiv, gerade ihre Eigenart, ihre Selbständigkeit und Bedeutung, mit der sie sich in die Wagschale werfen konnte gegen eine ganze andere Welt. Und wenn man sich nun vergegenwärtigt, daß kriegerische und wirtschaftliche Beziehungen stets Hand in Hand gehen mit wissenschaftlichen Bestrebungen, dann mußte gerade diese Zeit einer engen äußeren Berührung zwischen uns und einer hohen Kultur, wie der chinesischen, auch Veranlassung werden zur Prägung neuer wissenschaftlicher Ideale, zur Erforschung neuer Gebiete in Kunst und Wissenschaft. ## Vili Einleitung. Das wäre also der innere Grund, ich möchte sagen, der weltgeschichtliche Hintergrund zur Aufnahme der Studien über die chinesische Architektur. Der äußere Anlaß zum Beginn der Studien hängt enge zusammen mit jenem welthistorischen Ereignis von 1900. Das kriegerische Jahr 1900 ist auch das Geburtsjahr meiner Forschungen. Unsere Okkupationsarmee blieb noch einige Jahre in bedeutender Stärke in der Provinz Chihli. Ich hatte das Glück, im Jahre 1902 als Baubeamter zu unseren Truppen hinausgeschickt zu werden. Während jener zwei Jahre meines ersten Aufenthaltes in China, 1902China, -1904, erfaßte , erfaßte und erfüllte mich bereits der Gedanke, die Baudenkmäler Chinas planmäßig zu erforschen. Die Eigenart der chinesischen Bauanlagen und Bauformen, die künstlerische Vollendung im Verein mit der Tiefe der Empfindung, machten auf mich einen großen Eindruck. Bereits damals nahm ich umfangreiche Teile des Tempels Pi yün sze in den Westbergen bei Peking geometrisch auf. Bestimmend aber für die Gestaltung der Ziele, die mir erst in allgemeinen Umrissen vorschwebten, sollte erst eine denkwürdige Begegnung werden. Es war im Oktober 1903, als ich während eines längeren Kommandos in Peking im dortigen Offizierskasino, also auf deutschem Grund und Boden, die Bekanntschaft von P. Joseph Dahlmann machte der sich gerade auf seiner dreijährigen Forschungsreise durch den Osten Asiens befand. Wir begegneten uns in gemeinsamer Begeisterung über die Größe chinesischer Kultur und in der Erkenntnis der Notwendigkeit, dem Problem ihrer Erforschung von jeder nur möglichen Seite aus näher zu treten, vornehmlich aber auf der Grundlage des Quellenstudiums der Baukunst, besonders der religiösen. Noch schärfer umrissen wurde der Umfang der vorzunehmenden Studien in einer zweiten Unterredung, die ich, bereits auf der Heimreise begriffen, mit P. Dahlmann im August 1904 in Sikawei bei Shanghai hatte, an jener Stätte, an der sich seit dem Jahre 1607 eine christliche Gemeinde in ununterbrochener Folge erhalten hat und die seit dem Jahre 1847 den Mittelpunkt bildet für die bedeutsame und, nicht in letzter Linie, auch für die Wissenschaft erfolgreiche Arbeit der Jesuiten. Kein Geringerer, als Ferdinand Freiherr v. Richthofen hat diese Arbeit voll gewürdigt. Es mag als ein günstiges Vorzeichen gedeutet werden, daß den unmittelbaren Ausgangspunkt für meine Studien zwei Orte gebildet haben, die für die wissenschaftliche Erforschung Chinas im Verein mit religiösen Zwecken in gleicher Weise als historisch gelten können, Sikawei und Peking. Im 17. Jahrhundert, an den Höfen der Kaiser Shun chih und K'ang hi, war Peking fast eine Pflanzstätte europäischer, ja deutscher Wissenschaft, und gerade deutsche Jesuiten sind es gewesen, Männer wie Schall, Verbiest, Thoma, Stumpf und Kögler, die damals eine ausgezeichnete Rolle spielten. Nur mit Ehrfurcht vermag jeder, der wissenschaftlich mit China sich beschäftigt, auf die Grabmäler jener Jesuiten zu blicken, die auf dem schönen Friedhof vor dem Westtor der Tartarenstadt von Peking ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der eifrigen Fürsprache von P. Dahlmann war es zu danken, daß Herr Dr. Carl Bachem die Angelegenheit mit Nachdruck in die Hand nahm. Er verstand es, den damaligen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Richthofen, und, in der Sitzung vom 17. März 1905, auch den Reichstag für die Vornahme architektonischer Studien in China zu interessieren. Der Gedanke fand auch bei den anderen Behörden, vor allem bei dem Königlich-Preußischen Kultusministerium, Anklang und Unterstützung. Die Kosten für die Forschungen wurden in den Reichsetat eingestellt, und im August 1906, nach Bewilligung der erforderlichen Mittel, vermochte ich meine Reise anzutreten. Die Zuteilung zur Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking ließ mich an den Vergünstigungen teilnehmen, die eine amtliche Stellung gewährt, und besonders diesem Umstand mag es zuzuschreiben sein, daß die Reisen im Innern des Landes ohne die geringste Mißhelligkeit verliefen. Nach meiner Rückkehr, 31. Juli 1909, wurden mir in weitausschauender Weise weiterhin Mittel zur Verfügung gestellt für die Ausarbeitung der Studien auf breiter Grundlage. Das Königlich-Preußische Kriegsministerium, dem ich noch als Baubeamter angehöre, hat mir während der ganzen Zeit bereitwilligst Urlaub erteilt für die besondere Aufgabe. Den hohen Behörden, wie allen anderen Herren, durch deren Hilfe die Forschungen ermöglicht wurden, sei an dieser Stelle der tiefste und wärmste Dank gesagt. Einleitung. IX Seine Majestät der Kaiser hat die Gnade gehabt, zur Herausgabe des Werkes eine Beihilfe aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds zu bewilligen. Über das Studium der chinesischen Baukunst. Zur Kennzeichnung der Bedeutung und des Umfanges architektonischer Studien in China mag hier mit geringen Auslassungen die Denkschrift mitgeteilt werden, mit der ich im Februar 1905 den Antrag auf Bewilligung der Mittel zu den Studien begründete. Wenn auch in mancher Hinsicht eine Erweiterung der Ziele sich als notwendig herausgestellt hat, so läßt die Schrift doch bereits das Wesen der Aufgabe erkennen, die der architektonischen Forschung in China gestellt ist. Die Denkschrift hatte folgenden Wortlaut: Das Erfordernis einer möglichst genauen Kenntnis des fernen Ostens, besonders der Sitten, Gebräuche, Bestrebungen und des gesamten geschlossenen Kulturbildes der Chinesen, dürfte heute, bei unseren lebhaften wirtschaftlichen Beziehungen mit China, allgemein anzuerkennen sein. Vermittelt doch diese Kenntnis unser Verständnis für die Art, den Chinesen zu behandeln und seinen Eigentümlichkeiten gerecht zu werden, für die Bedürfnisse, die wir mit unseren heimischen Gütern befriedigen können, und für die Vorteile, die wir aus dem großen Lande selbst zu schöpfen imstande sind. Die Förderung dieser Kenntnis auch in theoretisch-wissenschaftlicher Hinsicht ist um so notwendiger, als die wirtschaftlichen Beziehungen des Abendlandes zu China noch jung sind. Es hat nun auch nicht an Männern gefehlt wie ζ. B. Professor Hirth, die zwar von rein kulturhistorischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgegangen sind, daneben aber betont haben, daß gleichzeitig praktische Lehren daraus zu ziehen und in der Gegenwart anzuwenden seien. Abgesehen von dem Teile der China-Literatur, der nur auf persönlichen Eindrücken, nicht auf Quellen beruht und nur ganz im allgemeinen geeignet ist, Land und Leute uns näher zu bringen, gibt es eine Anzahl bedeutender Werke, leider nur wenig deutsche, die neben der wissenschaftlichen zum Teil auch unmittelbar der praktischen Seite des Gegenstandes gerecht werden. Die Schwierigkeit aber, außer wenigen, einwandsfreien Beiträgen auf Grund von Sonderstudien jetzt bereits auch die gesamte chinesische Kultur annähernd richtig und erschöpfend zu schildern, ist ganz außerordentlich; denn es ist mit Recht ausgesprochen worden, daß man fast immer nur entweder Sprachforscher oder aber Spezialist für bestimmte Wirtschafts-und Kunstzweige sein kann. Jedes Studium ist umfassend genug, ein Leben auszufüllen. Es ist fast unmöglich, die chinesische Sprache einigermaßen vollkommen zu beherrschen, und doch ist die Aufgabe ungemein schwer, ohne einige Kenntnis der Sprache in ein Spezialstudium einzutreten. Es wird deshalb stets notwendig sein, daß Sinologen in eigentlich sprachwissenschaftlicher Bedeutung und Spezialisten eng Hand in Hand arbeiten. Ein Gebiet aber gibt es, dessen Erforschung zwar auch seine Schwierigkeiten hat, indessen beinahe außerhalb jenes Gegensatzes zwischen Sprach-und Spezialforschung steht und bereits mit verhältnismäßig geringen Ergebnissen ein abgeschlossenes, einwandsfreies Bild des erheblichsten Teiles der chinesischen Kultur ergeben kann. Es ist dieses das Studium der uralten chinesischen Baukunst. Der Geist der Zeiten und des Volkes ist in den Bauten niedergelegt, und wenn er sich auch nicht demjenigen, der nur oberflächlich betrachtet, gleich in vollem Umfange offenbart, so tut er das doch mehr und mehr demjenigen, der mit besonderen Kenntnissen an das ernste Studium der Baudenkmäler herangeht. Wir sehen vorerst ab von den rein tektonischen und architekturhistorischen Geheimnissen, die aus der großen Zahl und der Mannigfaltigkeit von hoch interessanten chinesischen Bauten noch ihrer Erforschung harren. Es sei aber nur daran erinnert, wie klar es heute empfunden wird und ζ. B. auch in Deutschland durch große Veröffentlichungen über das deutsche Bauernhaus, über die Gotteshäuser und durch viele andere enzyklopädische Werke zum Ausdruck gebracht ist, daß das Verständnis für ein Volk und seine Ideen, nicht zum wenigsten die religiösen, zu einem großen Teile durch die Kenntnis seines Lebens gewonnen wird, wie es sich im Wohnhause, in seinen Kirchen, Tempeln und den sonstigen seinen Bedürfnissen, Gewohnheiten und Anschauungen angepaßten Bauanlagen wiederspiegelt. So kann man sagen, daß auch für fast jeden Kulturzweig in China, ζ. B. für die Darstellung der gewaltigen Bewegung des Buddhismus, eine einigermaßen erschöpfende Behandlung nur möglich wird durch die Boerscbmann, P'u t'o shan. b XI besonders schätzt, in Teehäusern, Restaurants, die oft mit herrlichen Gartenanlagen verbunden sind, in Lusthäusern auf dem Lande und in der Stadt. Genau wie bei uns in größeren Städten tun sich in den größeren chinesischen Städten die Genossen, die aus einer und derselben Provinz stammen, zu einem Verein zusammen und erbauen großartige Vereinshäuser mit Sälen und Speisewirtschaft. Die Vornehmen haben eigene Festhäuser und Klubgebäude. Das Studium der Schulen und Prüfungshallen bildet einen eigenen, umfangreichen Zweig. Die Begräbnisplätze gehören in China zur hohen Architektur, ausgenommen die Massengräber auf den weiten Feldern. Aber reiche Privatgräber bis hinauf zu den alten und jetzigen Kaisergräbern mit ihren Steinalleen, Gedenkhallen, Pagoden, mit ihrer ganzen architektonisch strengen, feierlichen Anlage in oft riesenhafter Ausdehnung müssen als edelste Baukunst angesprochen werden. Sie leiten über zu den Tempeln, für die sich zwar im Laufe der Zeit auch Typen herausgebildet haben, indessen höchst mannigfacher Art. Es gibt für einzelne Götter eigentlich chinesische kleine Tempel in wachsender Ausdehnung bis schließlich zu den gewaltigen Tempeln der Erde und des Himmels. Ferner unterscheiden sich scharf die taoistischen, buddhistischen, lamaistischen und die Konfuziustempel sowie die mohammedanischen. Besondere Anlagen für gewisse Zwecke wie Wallfahrtstempel, Höhlentempel und dgl. gibt es in unzähligen Arten. Unmittelbar an die Betrachtung der Tempel schließen sich an die Männer-und Frauenklöster, die sowohl der buddhistischen und lamaistischen wie auch der taoistischen Religion eigentümlich, auch der uralten chinesischen Anschauung nicht fremd sind. Eine rein künstlerische Ausbeute ergeben die Pailous (Ehren-und Torbogen) aus Holz, Stein oder Bronze, die Pagoden in den verschiedenen indischen oder chinesischen Formen, die Torbauten und die Stadt-und sonstigen Mauern sowie andere dekorative Bauten, die in großer Zahl und in charakteristischen Formen die Städte und das Land bedecken. Kapitel für sich werden dann die Städteanlagen bilden sowie die ausgebildete Gartenkunst und etwa noch Ingenieurbauten, wie Kanäle, Flußbauten, Steinstraßen, Brücken usw. Im Zusammenhang mit diesem Studium der Bauanlagen wird nun auch das Verständnis für die eigentliche chinesische Architektur, für die feine Ornamentik und die wuchtige Plastik, die in China fast immer im Gefolge der Architektur erscheint, in einem Maße gewonnen werden, daß eine Darstellung nach ihrem künstlerischen Wert und ihrer Entwickelung von den ältesten Zeiten an ermöglicht wird. Nimmt man als weitere Folge noch an, daß wir auch die Baumaterialien, die Bautechnik und das gesamte Baugewerbe vom schaffenden Architekten an bis herunter zu dem Handwerker in ihren Einzelheiten kennen und den bewunderungswerten Baubetrieb der Chinesen verstehen lernen werden, so erhellt ohne weiteres, daß durch das Studium dieses wichtigsten und umfangreichsten Kulturzweiges, der Baukunst, unsere Kenntnis des chinesischen Volkes eine ganz wesentliche Förderung erfahren wird. Nötig wird es vor allem, die einzelnen Denkmäler mit einer möglichst großen Genauigkeit aufzunehmen, um jeden Irrtum auszuschließen, deshalb in erster Linie nur geometrische Aufnahmen, besonders auch Grundrisse, einschließlich aller charakteristischen Einzelheiten auch in künstlerischer Beziehung, in zweiter Linie Perspektiven und Photographien ins Auge zu fassen. Eine einigermaßen erschöpfende Behandlung des vorstehend angedeuteten Programms würde natürlich eine Arbeit von Generationen erfordern. Es fehlen vor der Hand alle Vorarbeiten hierzu, und es wird im besten Falle immer nur eine geringe Anzahl von Architekten, von Sach-und Kunstverständigen in der Lage sein, erhebliche Beiträge zu dem Zweck zu liefern oder gar, was das wünschenswerteste, ihr Leben in den Dienst dieser Forschungen zu stellen. Gehört doch dazu nicht bloß Lust und Liebe, Bekanntschaft mit dem chinesischen Volke und seiner Sprache, sondern es gehören dazu auch Geldmittel, und zwar sehr erhebliche. Sollte dennoch jetzt bereits eine solche Spezialforschung über chinesische Baukunst begonnen werden, so muß man sich darüber klar sein, daß es vor der Hand im wesentlichen sich nür darum handeln kann, einige Bausteine zu dem Gebäude zu sammeln, eine feste Grundlage zu schaffen, auf der spätere Forscher weiter schaffen können. Das umfangreiche Material muß gesichtet, das Bedeutende vom Unbedeutenden für die spätere eingehendere Bearbeitung getrennt werden. Um das mit einiger Sicherheit bestimmen zu können, ist das Verständnis an einigen Baudenkmälern, die durch ihre Bedeutung ohne weiteres auffallen, zu bilden, und es sind zunächst diese als Monographien zu behandeln. Zu einem ersten Verständnis zum Beispiel der Tempel gelangt man durch die Darstellung der ältesten und einfachsten Kultanlagen für die Götter des Krieges, des Himmels, der Erde usw. Diese erläutern noch die alte Ur-und Naturreligion der Chinesen und ihren Ahnenkult in einfachster Form, wenn sie auch, wie der Himmelstempel in Peking, zum Teil ganz bedeutende Ausdehnungen aufb\* Einleitung. ## ΧΠΙ Türme und Pagoden in Schutt und Trümmer, wie sie schon jetzt langsam zerfallen, dann wird man vergeblich nach Resten der verlorenen Kultur suchen und sie nur in Erzählungen finden, dann ergründet keine noch so scharfsinnige Untersuchung die heutigen Lebens-und Kunstformen der Chinesen. Hohe Zeit ist es deshalb, diese auch in tektonischer Hinsicht höchst interessanten, mannigfaltigen und oft bewundernswerten Werke der Chinesen in Zeichnung, Wort und Bild festzuhalten, ehe etwa eine Völkerwelle sie unverstanden und unbenutzt hinwegschwemmt, wie es leider so oft schon in China der Fall gewesen ist. Es erscheint das als eine dringliche Aufgabe der wissenschaftlichen Forschung in der Architekturgeschichte. Sollte es deutschem Fleiße, unterstützt durch deutsches Kapital, beschieden sein, in erster Linie zu dieser schönen Aufgabe beizutragen, der planmäßigen Erforschung Chinas in baukünstlerischer Hinsicht, so wäre das um so freudiger zu begrüßen, als dann im Gefolge der kriegerischen Expedition von 1900 auch die Wissenschaft und Kunst zu ihrem Rechte kämen und neben den gefestigten Handelsbeziehungen als schönste Frucht jener Unternehmung gelten könnten. Es würde ein Verdienst um die Wissenschaft und um das deutsche Volk bedeuten, wenn unsere Regierung selbst in weitausschauender Weise die Führung auf diesem Gebiete der kunsthistorischen Forschung in China ergreift. Verlauf der Reisen in China. Der erste Aufenthalt in China 1902-1904 hatte mich auf der Aus-und Rückreise zweimal den üblichen Dampferweg über Indien geführt. In China selbst waren im wesentlichen Tientsin, Peking und Tsingtau meine Standquartiere gewesen. Nunmehr, bei der zweiten Ausreise im Herbst 1906, wählte ich den Weg über Amerika und Japan und unternahm die Rückreise im Sommer 1909 über Sibirien. Was die Reisen in China betrifft, so bleibt die eingehende Schilderung ihres Verlaufes einer späteren, selbständigen Darstellung vorbehalten. Es dürfte indessen angebracht sein, an dieser Stelle im Hinblick auf die Karte auf Tafel 2 dieses Bandes den Reiseweg in großen Zügen anzudeuten. In Peking verbrachte ich die ersten Monate während des Winters 1906/07 mit vorbereitenden chinesischen Studien. Sobald die Witterung es erlaubte, erfolgten kleinere Reisen von 2-3 Wochen Dauer nach den Kaisergräbern der Ming-Dynastie, nach den östlichen Kaisergräbern der jetzigen Dynastie, den Tung ling, und nach der alten Sommerresidenz Jehol mit ihren berühmten Lamaklöstern. Den Sommer verbrachte ich in der Umgebung von Peking, größtenteils in den Westbergen mit ihren herrlichen Tempeln, unter denen als einer der schönsten in China Pi yün sze hervorragt, der Tempel der schwarzblauen Wolken. Es folgten 7 Monate Reise. Zuerst nach den westlichen Kaisergräbern der jetzigen Dynastie, den Siling, dann nach dem heiligen Berge Wut'aishan in der Provinz Shansi. Nach Rückkehr zur Bahn ging es nach Süden bis Kaifengfu, der Hauptstadt der Provinz Honan, von da in viertägiger Fahrt stromab den Gelben Fluß bis nach Tsinanfu, der Hauptstadt der Provinz Shantung. Von hier aus unternahm ich durch diese Provinz eine Reise von sechs Wochen nach dem heiligen Berge T'aishan, nach Küfu, der Heimatstadt des Konfuzius, und durch die Präfektur Tsiningchou. Der Winter trieb mich nach dem Süden, Weihnachten feierte ich in Ningpo und verlebte den Januar 1908 einsam auf dem weltentlegenen, in den Ozean vorgeschobenen Eiland P'u t'o shan, von dem dieser erste Band handelt. Über See nach Peking Anfang März zurückgekehrt, bereitete ich mich auf meine letzte große Reise vor, die mich, von Ende April 1908 bis Anfang Mai 1909, in mehr als zwölf Monaten nach dem fernen Westen und dem äußersten Süden quer durch ganz China über Land führte. Zuerst nach T'aiyüenfu, der Hauptstadt der Provinz Shansi, dann quer durch diese Provinz nach Süden bis zum Knie des Hoangho. In der Provinz Shensi besuchte ich den heiligen Berg Huashan, die Hauptstadt Sianfu, überschritt die Bergkette des Tsinlingshan und stieg hernieder in das überaus fruchtbare, gesegnete und schöne Szech'uan. In dieser Provinz verbrachte ich vier Monate. Von der Hauptstadt Ch'engtufu stieß ich bis zu meinem westlichsten Punkte vor, bis Yachoufu, und sah im Westen und Nordwesten die schneebedeckten Berge vor mir XIV Einleitung. liegen, die den Wanderer magisch weiter locken nach Tibet hinein. Jedoch ich mußte umkehren, wohnte aber noch drei Wochen in der Nähe auf dem heiligen Berge Omishan. In einem kleinen Boote ging es zuerst den Min-Fluß, dann den Yangtse hinab bis Chungking. Unterwegs machte ich einen Abstecher von neun Tagen zu dem berühmten Salzdistrikt von Tszeliutsing. Von Chungking bis Wanhien hatte ich die Freude, mit. unserem Flußkanonenboot S. M. S. Vaterland fahren zu können. Die Weiterreise erfolgte wieder mit Haus-und Segelbooten. Am Tungting-See verließ ich den Yangtse und gelangte auf dem Siangkiang nach Ch'angshafu, der Hauptstadt der Provinz Hunan. Ein kurzer Abstecher in die Provinz Kiangsi ließ mich das Weihnachtsfest 1908 verleben im Kreise deutscher Ingenieure, die das chinesische Kohlenbergwerk von Pingsiang leiten. Die ersten Tage des Jahres 1909 sahen mich auf dem südlichen heiligen Berge Hengshan. Von dort ging es über Land nach Kueilinfu, der Hauptstadt der Provinz Kuangsi, dann den Kuei-Fluß herab bis zum Westfluß und auf diesem nach Canton, der Hauptstadt der Provinz Kuangtung. Über See erreichte ich Fuchou, die Hauptstadt der Provinz Fukien, und das Osterfest verlebte ich in Hangchoufu, der Hauptstadt von Chekiang, an dem vielbesungenen, wunderschönen Sihu, dem westlichen See außerhalb der Stadt. Von da eilte ich zurück nach Peking, wo ich am 1. Mai eintraf, gerade noch rechtzeitig zur Beisetzung des verstorbenen Kaisers Kuangsü. ## Ziele und Aufbau des Werkes. Meine Reisen haben mich durch 14 der 18 Provinzen Chinas geführt und zwar ständig auf den Hauptverkehrsstraßen, uralten, viel begangenen Wegen. Stets blieb ich mitten im chinesischen Leben in dicht bevölkerten, meist reichen Gegenden. Und das war mein Zweck: Das China zu studieren, wie es sich uns heute darbietet in der Einheitlichkeit und der inneren Stärke seiner Kultur. Und dazu muß man die eindrucksvollsten Bauwerke der wichtigsten Kultstätten und der Hauptmittelpunkte des geistigen und wirtschaftlichen Lebens genau so zum Gegenstand des Studiums machen, wie wir es im Bereich unserer Kultur zu tun gewohnt sind. Wird das Schwergewicht der Forschung allein auf die zeitlich entfernten Bau-und Kunstdenkmäler längst vergangener Jahrhunderte gelegt, so mag das zur Lösung bestimmter Probleme der Archäologie und losgelöster Kapitel der Kunstgeschichte beitragen, nie und nimmer aber dringen wir dadurch in das lebendige Leben des chinesischen Volkes ein, das zwar mit seiner ganzen heutigen Kultur noch sichtbar bis in die fernste Vergangenheit hineinreicht, das aber beanspruchen kann, als lebendige Gegenwart empfunden und bewertet zu werden. Erst wenn man von dem Heute ausgeht, erst wenn, man dem Verständnis der eigenartigen, chinesischen Gedankenwelt sich nähert, erst dann kann man erwarten, auch die innere Bedeutung chinesischer Kunstformen gerecht zu würdigen. Als vornehmster Ausdruck der geistigen Kultur werden in dem ausführlichen Texte die religiösen und philosophischen Überzeugungen der Chinesen in den Vordergrund gestellt. Gerade diese offenbaren sich in der chinesischen Kunst, zumal in der Baukunst, mit einer Schärfe, die unserem Kunstschaffen unerreichbar geblieben ist, und bilden dadurch den Schlüssel zum Verständnis für die wohltuende Einheit der chinesischen Kultur. Die Grundlage des Werkes, an der streng festgehalten wird, bilden die exakten, geometrischen Zeichnungen nach meinen eigenen Aufnahmen, erläutert durch Skizzen, Photographien und chinesische Originale. In reichem Maße werden die Inschriften lyrischen, historischen und religiösen Inhalts, wie sie sich in den Tempeln und an den Bauwerken Chinas überall finden, in Übersetzung wiedergegeben und zwar möglichst in gebundener Form, um so den Rhythmus des chinesischen Wesens mitklingen zu lassen. Die Schilderung der Einzelheiten, des Lebens der Priester in den Tempeln und auf den heiligen Bergen, der Gottesdienste, der Beziehungen der Bauwerke zu der näheren und weiteren Umgebung, wie auch ihrer geschichtlichen Stellung, ergänzt das Bild und läßt das Werk als das erscheinen, was es in erster Linie sein will, ein ') F. Baltzer, Die Architektur der Kultbauten Japans, und F. Baltzer, Das Japanische Haus. Einleitung Literatur über Pˊu tˊo shan Inhalt Abschnitt I. Allgemeines über die Insel Abschnitt II. Der Tempel der Welterlösung Abschnitt III. Fa yü sze. Der Tempel des Gesetzes-Regens Abschnitt IV. Aus dem religiösen Leben im Tempel und auf der Insel Abschnitt V. Der Tempel. Fo ting sze Abschnitt VI. Gräber und Inschriften Abschnitt VII. Heimkehr
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