Aphorismen zur Erneuerung des kirchlichen Lebens im protestantischen Deutschland (German Edition)
معرفی کتاب «Aphorismen zur Erneuerung des kirchlichen Lebens im protestantischen Deutschland (German Edition)» نوشتهٔ Philipp Conrad Marheineke, Friedrich Daniel Schleiermacher، منتشرشده توسط نشر De Gruyter در سال 2020. این کتاب در فرمت pdf، زبان آلمانی ارائه شده است.
## Mensch wird gebohren, um an Gott zu glauben, in diesem Glauben zu han deln und selig zu werden. ## 2. Dem Christen ist jenes ewig « Gesetz ganz gleich dem andern, daß er an Chri stum glauben, in Christo leben und wirken soll, weil er nur durch die Gemeinschaft' mit ihm selig werden kann. In ihm ist, wie in keinem andern Menschen, die Menschheit der Gottheit innigst nahe gekommen und eins mit ihr: darum kann auch der Mensch fort an nur durch ihn zu Gott kommen und zur Vereinigung mit Gott gelangen. 3. Oer Glaube, der das einzige Siegel unserer Göttlichkeit ist und das einzige Mit-tel, frass dessen allein mir uns alles was göttlich ist aneignen können, begreift das ganze Gebiet desjenigen, was die an stch und durch sich selbst bestehende Religion nun auch in uns ist. 4-Er also ist nicht und kann nicht seyn, was er ist, Erkenntniß, Beifall, Zuversicht, ohne dasjenige vorauszusetzen, was er erken net, welchem er fceifdör und worauf er sein Vertrauen setzet. Jede Spur des wahren Glaubens in uns weifet auf Christum hin, der die Religion selber ist. Ohne die ewige Offenbarung Gottes in Christo ist kein Glaube wahr, mithin kein wahrer Glaube möglich. 5. Denn bet Glaube ist auch nur durch ihn möglich d. h. durch seinen Geist: er ist seinem Ursprung und Daseyn nach in uns göttlich. Den Glauben kann der Mensch nicht machen, sondern nur den Aberglauben und den Unglauben: diese beide stnd sehr menschlich. Mit ihnen hat aber auch zugleich ~ 5 der Mensch feine wahre Bestimmung auS den Augen verlohren: denn er ist nicht be stimmt zu einem Lügenbild der Menschheit, sondern zur wahren Menschheit; diese aber ist und entsteht nur durch den wahren Glau ben, der zugleich der Glaube an die Wahr heit ist, welche Gott selber ist. 6. Oer Mensch steht in dieser Zeitlich keit unter den mannigfaltigsten Einflüssen der Welt und Natur. So wird auch -aS Bewußtseyn Gottes in ihm mannigfaltig be stimmt durch das Bewußtseyn der Welt und Natur. Hieraus entstehen die verschiedenen Arten und Grade des Glaubens. Alle Re ligion in uns hat Grade, ist eben darum ein Glauben und nicht ein Schauen. So wie Gott sich selbst erkennt und anschauet, kann ihn kein Mensch erkennen, sondern er kann nur an ihn glauben und ihn höchstens in diesem Licht des Glaubens schauen. 7. So wie das eine und ewige Licht des Glaubens, kraft des Geistes Gottes, in 6 dem menschlichen Gemüth aufgegangen ist, wird dieOunkelheit des Bewußtseyns der Welt und Natur an sich, immer mehr vertrieben und Gott auch in ihnen gesehen und erkannt. Da aber die völlige Freiheit von solchem Bewußtseyn in diesem Leben nicht erreich' bar ist, so stießt auch von der Seite der Welt und Natur noch immer mehr oder we niger Dunkelheit in das Bewußtseyn Gottes und der also getrübte Glaube zeigt sich in jedem Gemüth immer nur mehr oder weni ger rein und dar. Nicht Alle wandeln in demselben Licht des Glaubens. Oec wahre Glaube ist überhaupt nicht Jedermanns Ding. Oie äußerste Dunkelheit ist der Unglaube und Aberglaube, jener die, etwa unter dem Na men der Aufklärung, versuchte Vertau schung, dieser die unfreywillige Verwech selung des Bewußtseyns Gottes mit dem bloßen Bewußtseyn der Welt und Natur (außer uns und in uns). y. Oie durch die einfließende Dunkel-heit entstandenen Grade und Differenzen des Glaubens gewähren in ihrer historischen Ent wickelung eine unendliche Mannigfaltigkeit, wie auch im Gebiet der sinnlichen 2I3c(t die Natur eine schöne Mannigfaltigkeit in ihren Hervorbringungen zeigt und kein menschli ches Angesicht dem andern vollkommen gleicht. Unstreitig ist solche Mannigfaltigkeit als eine Wohlthat Gottes zu denken und $u den wei sesten Absichten da: aber sie selbst kann nicht als das höchste Ziel der Geister vorgestellet werden; sondern alle streben, ringend nach immer höherer Clarheit des Glaubens und hierin den Producten der Natur ganz unähnlich, nach einem unendlichen Ziel, das weder in dem einzelnen, noch in der Ge samtheit aller, sondern höher liegt und über ihnen selbst hinaus. 9. Wohl unterschieden werden muß also immer die ewig in sich vollendete und an sich vollkommene Religion von demjenigen, was sie ist in uns oder dem Glauben. Sie -8 in uns oder als Zustand eines Menschen ist die bestimmte Gestalt, welche die Neligion an sich nun auch in ihm angenommen hat. Bestimmt aber wird ste auf die mannigfal tigste Art durch die noch immer einstießende Dunkelheit. Hier ist ste also als Glaube immer nur in einem gewissen Grade der Clarheit, Reinheit und Vollkommenheit und einer beständigen Läuterung und Vervollkonlmnung fähig, auf die Weise nämlich, daß vor ihrem himmlischen Licht in und die Finsterniß des irdischen Bewußtseyns der Welt und Natur immer mehr zurücktritt und stch verliert, so, daß zulezt, wo möglich, in uns Gott Alles in Allem wird. io. Als Zustand in uns macht die Re ligion dasjenige, was wir den Character eines Menschen nennen; ste macht ihn nicht nur, sondern macht ihn auch aus. Denn wie Jeder denkt über die höchsten und heiligsten Angelegenheiten, wie er an Gott glaubt und in diesem Glauben handelt, kurz nach sei-~ 9 nem Glauben an die ewigen und übersinn lichen Dinge und je nachdem derselbe schwä cher oder stärker ist, danach bestimmt sich sein Character. Gar keinen oder einen schlechten Character hat der, der an nichts Ewiges glaubt, dem alles einerlei ist, jeder Zweck und jedes Mittel, welches aber so lange noch eine Spur von der Menschheit in ihm ist, durch den Geist Gottes, der kei nen Menschen ganz loslässet, unmöglich ge macht ist: denn die Menschheit selber ist nur durch die Religion. Einen leichten, oberstächlichen Character har der, in welchem dec Glaube keine Liefe, keinen Ernst, keine In nigkeit hat, der immer zwischen dem Ver gänglichen und Unvergänglichen hin und her geworfen, in allen Dingen nur an dem Äu ßerlichen hängt, wo das Innere zu ersterben begriff?» ist. ii. Wie es mit dem Einzelnen ist, so ist es auch mit einem einzelnen Volk. Ob gleich Keiner ganz genau mit dem andern ---IO ---auf gleicher Stufe des Glaubens stehe und durch das verschiedene Maaß seines Glau bens von dem Andern getrennet ist, so ist dennoch, bei allem diesem auf keine Weise vertjlgbaren Nebeneinanderbestehen der ver schiedensten Glaubenügrade, eine gewisse Ge meinsamkeit des Glaubens möglich und eine Verbindung der Einzelnen mit einander zu einem gemeinsamen Glauben, welche selbst wieder nur allein durch die Religion gestiftet wird und aus welcher eben das entsteht, was wir ein Volk nennen. Wer die Vereinbar keit der verschiedensten Glaubensgrade mit der Gemeinsamkeit Eines Glaubens leugnen wollte, müßte leugnen, daß es Völker gäbe: denn seinen Charakter, was wir National charakter zu nennen pflegen, hat ein Volk allein in seiner Religion und durch dieselbe. 3üe war durch die gesellige Verbindung Einzelner zu einem Volke gefodert, daß alle auf einer und derselbigen Stufe des Glau bens stehen sollten, denn das wäre eine trau-sie in verschiedenen Zeiten und Ländern von Anfang an für die Religion gewesen und der ganze 2ßerth und die Wurde eines Volkes bestimmt sich allein danach, nicht ob es Kün ste und Wissenschaften hat, denn die sind selber nichtsnutzig ohne Religion und gehen, sind sie rechter Art, selbst nur aus ihr her vor, sondern allein davon, ob das Licht des Glaubens an den ewigen Erlöser in ihm Hel ler und stärker, oder schwächer und matter brennt. 13. Menn wir also sagen, es gebe ver schiedene Völker auf der Erde, das eine sey nicht, wie das andere, oder jedes habe fei nen bestimmten Character, so heißt dies nur soviel, die Gestalt, die Form, welche die an sich ewige Religion in dem zeitlichen Leben der Menschen angenommen, sey nicht blos eine, sondern eine mannigfaltige und ver schiedene und eS kehre in dem Verhältniß der Völker zu einander ganz der nämliche llnterschied der Glaubensgrade, der in dem -iA -Verhältniß einzelner Menschen stattt findet, nur im Großen zurück. Aber es heißt doch zugleich, sie sey in einem gewissen Grade auch eine Bestimmte Form, welche Allen, die sich gerade zu Dieser halten und durch die» selbe zu einem bestimmten Volk vereinigt find, einen gemeinsamen Character aufdrücke und ein bestimmtes Volk mit allen seinen Eigenthümlichkeiten hervorbringt. 14# Wie die Religion allein der Maaß stab ist, noch roeLhem wir den Character der Völker des Alterthums und des Christen thums bestimmen, so erneuert sich audj nach der bestimmten Gestatt, welche der Glaube an Christum in den verschiedenen Staaten und Völkern angenommen, wiederum der Unterschied im Character aller christlichen Völker. Obwohl die Religion an fich nur Eine ist, so hieße doch auch Eine Form der Religion auf der Erde geltend machen wol len, nichts anders, als den Völkern ihren Nationalcharakter nehmen, mithin die Reli--14gion in ihnen aufheben wollen, ein fich selbst widersprechendes und zerstörendes Unterfan gen. Wir finden auch, daß dieses nie das Ziel oder die Abficht des Einen und ewigen Christenthums war. Wohl änderte es, wo es aufgenommen wurde in das Herz eines barbarischen Volkes, von Grund aus den Character desselben ins Deßere und Vollkommenere, aber es bildete ihn zugleich auf eine eigenthümliche Weise und brachte so in der ganzen Welt jene reiche und göttliche Mannigfaltigkeit dec Völker hervor, die durch dastelbigS Band getrennet und vereiget waren und stiftete auf die Weise nicht nur einzelne Staaten, sondern auch einen Staatenbund. j5. Seit der Trennung des Protestan tismus und Katholicismus von einander, hat das Christenthum überall auf der Erde die eine oder die andere Gestalt; und aus die sen beiden Grundformen des Christenthums, Ser protestantischen und katholischen Religion, -15 hat sich der Nationalcharacter der neueren Völker entwickelt und überall nach dem ei genthümlichen Geiste einer jeden dieser Glau bensformen eigenthümlich gebildet: daher auch gegen jeden Versuch, die eine oder an dere dem citiert oder andern Volke zu ent reißen, die Völker immer zugleich für ihr eignes Leben d. h. für ihren Ikationalcharacter streiten. Überhaupt aber ist feit dem Christenthum außer und neben demselben kein Platz mehr in der Welt für tüchtige und wahrhaftige Völker: alle, die außer ihm bestehen wollen, haben eine höchst ungesunde und kranke Constitution, mit der sie früher oder später dem Tode entgegen gehn: wie denn selbst die Juden oon dem Augenblicke an, wo sie Staatsbürger wurden, mehr oder weniger zum Christenthum übergegangen sind. 16. Wie überhaupt Religion nur durch Gottes Geist in jedem Menschen ist und das Christenthum, welches eins damit, nur durch Christi Geist, so wird auch in einer Gesell-schäft oder einem Volke die Gemeinsamkeit eines zur Herrschaft gelangten Glaubens überall nur durch den einen und ewigen Gegenstand des Glaubens hervorgebracht. Eben diese nähere oder entferntere Verbin dung aller Gläubigen mit Christo, in wel chem sie alles andere glauben, was zu ihrer Seligkeit nöthig, ist die Kirche. 17. Ec also ist es, der die Kirche von Ewigkeit her gestiftet und durch sei nen Geist erhalten hat und regiert. Zu allen Zeiten hat er die Schaaren seiner Gläubigen um sich gehabt und sie sowohl an sich gefesselt, als unter einander treu zu sammengehalten. Das volle und lebendige Bewußtseyn dieses Reiches Gottes auf Erden ist erst mit dem Christenthum hervorgetreten, ohne daß die Menschen gerade erst dazumal angefangen hätten, darin zu seyn und zu leben: denn dasselbe selbst ist ein ewiges und in jeder Zeit gewesen. Durch Christum wurde der Welt geoffenbart, wer der Herr und und König in diesem Reiche sey, daß um ihn herum die Gemeinde der Gläubigen sich sicher und getrost versammlen könne und daß er aus ewige Zeiten der beseelende Geist und Athem dieses Körpers seyn und bleiben werde, dessen Glieder alle Heitiggesinnte auf dec ganzen Erde sind. 18. Das Reich Gottes ist nahe oder kommt in eben dem Grade, als die Men schen in und durch wahren Glauben sich ihm nähern und zu ihm kommen. Denn ewig unveränderlich dasselbe hat es an sich keine Grade weder der Rähe, noch der Ferne; sondern die entstehen nur von Seiten der Menschen. Ihr Leben ist ein zeitliches, in die Dunkelheit der 2Oelt verflochten, aber doch bestimmt, aus demselben zu dem ewi gen Licht der Religion zu gelangen, welches, wie die Sonne, ohne aufoder unterzugehn, immer fest und unveränderlich am Himmel steht. Gleich der gesummten Erde sich hin und weg bewegend wird der Mensch in das id ewige Licht der Sonne gehoben nur durch den Glauben, der selbst ein Ausfluß dieses ewigen Lichtes ist und durch ihn allein fängt er an, auf eine Zeitliche d. h. sich nicht im mer gleich bleibende Weise, in der Kirche Gottes zu leben. In diesem seinen Leben, welches nie rein abgelöset ist von allen Theilen der Finsterniß, durchläuft er alle Grade von der äußersten Dunkelheit durch Schatten, Dämmerung und Morgenröthe, bis zum reinsten und ungetrübten Licht, so weit sein Auge dasselbe zu ertragen vermag. Oer Eintritt in die wahre Kirche und die Beharrlichkeit in ihr ist ein freyes Gnaden geschenk Gortes. jg. Wie das Dunkle der Welt, nicht erhellet und durchstrahlt von dem reinen Licht des Glaubens, die unwahre, böse und unheimliche Seite des Lebens ist, so ist das Licht der Welt, welches die Religion (Chri stus) ist, die allein wahre, heilige und selige Seite des Lebens. Sie an sich ist der Grund -\*9 und die Quelle aller Seligkeit, das Leben in ihr aber der Genuß der ewigen Seligkeit selbst. Oiesemnach wissen und fühlen alle Gläubige, daß außer der Gemeinschaft mit Christo, außer der Kirche Gottes, welche zugleich die einzig wahre ist, durchaus keine Seligkeit sey. 20. Ist nun die Religion in einem Volk in einer bestimmten Gestalt hervorge treten, wie ste denn in jedem, um ein Volk zu seyn, irgend eine bestimmte Form haben muß, hat sich also die Kirche Gottes in einem Volk gestiftet, richtiger; ist ein Volk durch ste gestiftet worden und ein Nationalcharacter entstanden: so ist hiemit auch zugleich der Glaube des Volkes ein bestimmter, wovon es, deffelbigen sich bewußt, sich und andern auch in der Erkenntniß und Lehre Zeugniß und Rechenschaft ablegen kann, wozu es auch bei der Gewalt der Irrthümer, die es von innen und außen be unruhigen und in seinem Glauben stören 20 wollen, nicht lange an Veranlassungen fehlt. Es entwickelt sich daraus das Leben in einem gemeinsamen Glauben, welches zugleich das gemeinsame Leben in Einem Glauben ist: denn das eigentliche und wahre Leben eines Volks, sowohl seinem Grunde als seinem Bestände nach, ist, wie gesagt, der Glaube; ohne ihn ist es todt und so gut, wie gar nicht da. 2i. Alles Leben in der Kirche Christi bietet also zwei Seiten dar, den gemeinsa men Glauben und die damit verbundene Gemeinsamkeit des Lebens in demselben: beide sind, wie man siehet, in, mit und durch einander. Denn es leuchtet wohl von selber ein, daß in Ansehung des Glaubens keine Gemeinschaftlichkeit des Lebens sich bilden kann, ohne ihn selbst, diesen Glauben, in einer bestimmten Art und Gestalt zu haben, da er allein eS ist, aus welchem alle Einzelne ihr Leben haben, in welchem alle ihr Leben fühlen und führen und durch den als ihren 21 Mittelpunct vereinigt und zusammengehalten sie zu dieser Form des geselligen Daseyns gekommen sind; und andererseits, daß See Glaube nicht seyn kann in einem Volk in irgend einer bestimmten Form, ohne Alle, die sich zu demselben halten, innig zu ver binden und zusammenzuhalten. Woraus dann auch jedes andere gesellige Verhältniß in einem Volk, wie es Namen haben möge und was jeder überhaupt dem andern ist, entspringt und bestimmt wird. 22. Sobald daher ein gesundes und wahrhaft lebendiges Volk sich seines Glau bens in einer bestimmten Art bewußt gewor den oder, was dasstlbige, einen festen und entschiedenen Character angenommen, so ist unfehlbar damit verbunden, daß es zu dem selben sich auch bekennt vor Gott und aller Welt und seinen Glauben auüspricht und sixirt in dem Bekenntniß des Glau bens. Der Glaube, das innere Leben und Wesen eines Volkes, tritt in dem Bekenntniß und weiteren Gebrauch überging, ursprüng lich eine Taufformel, in welcher kirchlichen Gestatt sich schon seine spätere Bestimmung deutlich zu erkennen giebt. Ohne eine regula fidei, wie man sie schon bei den ältesten kirchlichen Autoren findet, konnte man schon in den ersten und einfachsten Zeiten des kirchlichen Lebens nicht auskommen und fer tig werden. Und müssen doch selbst diejeni gen separatistischen Gemeinden, denen die steife Beharrlichkeit und Beschränktheit im Buchstaben eines alten Glaubensbekentnisses vormals der Hauptgrund ihrer Absonderung war, nun doch wenigstens ein Gefühl zum beherrschenden Mittelpunct und einen be stimmten CycluS derselben um dasselbe her um hervorheben, um alles Fremdartige scharf zu sondern und sich in ihrer Eigenthümlich keit zu erhalten. Der ganze Unterschied ist, daß das Glaubensbekenntniß, dort in dec Gestalt der Lehrnorm, hier nur als Gefühls norm hervortritt. LZ 25. Von gar keinem Gewicht, vielmehr dec Untergang alles kirchlichen Lebens und aus einer höchst unwissenschaftlichen Verwir rung und Verkehrtheit der Begriffe hervor gegangen ist die in neuern Zeiten bis zum Eckel wiederhohlte Behauptung: daß es in Ansehung des kirchlichen Lebens für den Christen und zumal für den Protestanten genug sei an der heil. Schrift. Denn sagt die heilige Schrift auch aus, was wir von ihr und ihrem Inhalte den ken und wie wir wirklich an sie glau ben? Ist aber nicht gerade dieß der Zweck und Geist, die Bestimmung und Nuzbarkeit des Symbolums? Zwar besteht es durchaus nur und meist wörtlich aus Lehren, die man unmittelbarer, naher und entwickelter in der heil. Schrift finden kann, aber es ist zugleich das Bekenntniß dazu und stellet die Haupt puncte der christlichen Lehre dar, nur sofern sie zugleich in unser inneres Leben ausge nommen und übergegangen, mit diesem eins -26geworden, im lebendigen Glauben als Wahr heit aufge^aßt worden sind, kurz sofern sie zugleich den Weg durch unsere Ueberzeu gung genommen haben und mithin uns nun auch in einem bestimmten und eigenthümli-
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